Einwohnerstatistik

Hamm widerlegt Prognosen: Viel älter als erwartet und mehr Einwohner statt weniger

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Deutlich mehr Senioren: 19 Prozent der Hammer waren Ende 2023 67 Jahre alt oder älter.
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Der Stadt Hamm war ein Bevölkerungsrückgang prognostiziert worden, doch gekommen ist es anders. Dazu werden die Älteren immer mehr, aber es gibt auch einen Anstieg der Geburten.

Hamm – Immerhin, die Hälfte der Prognose stimmt. „Wir werden immer älter und immer weniger“, schrieb unsere Redaktion im Jahr 2006. Die Stadt hatte zuvor ausgerechnet, wie sich die Bevölkerung künftig entwickeln würde. Dass die Stadt ebenso wie die gesamte Bundesrepublik schrumpfen würden, erschien lange Zeit das dominierende Szenario – Politiker und Verwaltung versuchten, dafür die Weichen zu stellen.

Eingetreten ist die Prognose allerdings nicht. 182 106 Einwohner hatte Hamm am 31. Dezember 2023, wie die städtische Pressestelle in der vergangenen Woche mitteilte. Das sind etwa 500 mehr als vor 20 Jahren und sogar etwa 4000 mehr als vor zehn. Hamm ist also mitnichten geschrumpft. Bis 2025, so hieß es Mitte der 2000er Jahre, würde die Stadt nur noch 171 500 Einwohner haben. Nun ist noch nicht 2025, aber es müsste schon gravierende Umwälzungen geben, damit diese Prognose eintritt.

Hamm ist gealtert, das hat Auswirkungen

Was stimmt: Die Stadt ist gealtert, und wie. Im Vergleich zu vor 20 Jahren gibt es knapp 11 600 Bürger mehr, die 55 Jahre oder älter sind. Dass Hamm altern würde, sah man voraus – aber nicht, in welchem Ausmaß.

Wenn Prognose und Realität voneinander abweichen, kann das gravierende Auswirkungen haben. Beispiele dafür gibt es reichlich, eins davon: Weil man annahm, die Bevölkerung würde schrumpfen, baute man nach der Wende Medizinstudienplätze ab. Die Folgen bekommen heute viele zu spüren, die keinen Hausarzt haben, aber einen brauchen.

Zum 31. Dezember 2023 waren 65 790 Menschen 55 Jahre und älter – das entspricht 36 Prozent der Bevölkerung und einem um sechs Prozentpunkte höheren Anteil an der Bevölkerung als vor 20 Jahren. 31 440 Menschen sind zwischen 55 und 66 Jahren alt, weitere 34 350 über 67 Jahre. Die Stadt reagiert auf die Alterung unter anderem mit Konzepten zum guten Leben im Alter und einem Ausbau der Quartiersarbeit.

Immer mehr ältere Menschen: Die Einwohnerzahl in Hamm ist gestiegen – vor allem die Zahl der Menschen über 55 Jahre wächst.

Lange weniger Babys, doch es werden wieder mehr

Lange Zeit sagten Statistiker voraus, dass weniger Kinder geboren würden. Sie schienen recht zu behalten, von 2003 bis 2013 sank die Zahl der Unter-Sechsjährigen in Hamm um knapp 1700. Doch die Entwicklung hat sich umgekehrt. Die Geburtenrate stieg. Woran genau das liegt, lässt sich kaum seriös beantworten. Wissenschaftler erklären die Entwicklung unter anderem damit, dass das Elterngeld Paare motiviert habe, mehr Kinder zu bekommen, zudem wanderten viele Menschen ein, die im Alter waren, eine Familie zu gründen.

So, wie die Gruppe der Null- bis Fünfjährigen vor zehn Jahren kleiner war als heute, erkennt man dies nun an der Zahl der Sechs- bis 17-Jährigen: Sie liegt bei 21 643 Menschen und damit um 89 niedriger als vor zehn und sogar 3 792 niedriger als vor 20 Jahren.

Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund wächst

Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund steigt weiter. 75 516 Menschen waren im Ausland geboren, eingebürgert, galten als Ausländer oder waren Minderjährige, von denen mindestens ein Elternteil einen Migrationshintergrund hat. Der Anteil der Hammer mit Migrationshintergrund lag nach dieser Definition Ende 2023 bei 41,5 Prozent. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil bei 29,4 Prozent beziehungsweise 23 162 Menschen weniger. Nicht eingerechnet sind Menschen, die in der ZUE leben.

So sah die Statistik 2022 aus und so 2021.
Jede fünfte Mutter in Hamm ist bei der Geburt ihres Kindes übrigens über 35 Jahre alt.

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