Seit Jahren fallen in Hamm mehr Wohnungen aus der Preisbindung, als dazukommen. Die IG fordert ein bundesweites Förderprogramm für mehr Wohnungsbau - und nennt Zahlen für Hamm.
Hamm – Im vergangenen Jahr wurden in Hamm 443 Wohnungen gebaut – neun mehr als im Vorjahr. Das teilt die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) mit, sie beruft sich auf Zahlen des statistischen Bundesamts. Der Bezirksvorsitzende der IG Bau, Friedhelm Kreft, kritisiert, dass die Zahl der neuen Wohnungen stagniert. Er fordert einen Booster für den Neubau, vor allem von sozialen und bezahlbaren Wohnungen. „Die Wohnungen müssen zur Lohntüte der Menschen passen. Es kommt darauf an, vor allem bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen zu bauen“, erklärt Kreft.
Unter den 443 neuen Wohnungen sind 152 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Insgesamt investierten die Bauherren in Hamm im vergangenen Jahr rund 71,2 Millionen Euro. Kreft warnt nun vor einem Abwärtstrend. Bauvorhaben würden auf Eis gelegt, weil hohe Baukosten auf hohe Zinsen und Hürden durch staatliche Auflagen und Vorschriften träfen. „Das ist ein toxischer Mix“, erklärt er. Kaufpreise beim Neubau seien ebenso zu hoch wie die Mieten. Erst vor kurzem zeigte der neue Grundstücksmarktbericht, dass die Preise erneut gestiegen sind.
Ziel verfehlt: 20.000 Sozialwohnungen werden pro Jahr fertig - ein Fünftel des Ziels
Die Ampel-Koalition hatte anvisiert, pro Jahr 100.000 neue Sozialwohnungen zu bauen. Sowohl 2021 als auch 2022 wurde aber nur etwa ein Fünftel davon fertig. „Für mehr Sozialwohnungen und mehr bezahlbare Wohnungen muss der Staat – müssen Bund und Länder – bis 2025 mindestens 72 Milliarden Euro in die Hand nehmen“, sagt Kreft. Das hätten zwei Studien ergeben, die die IG Bau in Auftrag gegeben hat.
Stadtbaurat Andreas Mentz hatte im Frühjahr im Ausschuss für Stadtentwicklung die Eckdaten zur Wohnraumförderung 2022 vorgestellt. Demnach wurden im vergangenen Jahr Baugenehmigungen für 141 geförderte Wohneinheiten erteilt. In Hamm waren – wie anderswo in Deutschland – zuletzt mehr Sozialwohnungen aus der Förderung gefallen, als neue gebaut wurden. Der Bestand geförderter Wohnungen lag 2021 bei 6657 Wohnungen. Das ist etwa ein Viertel weniger als 2010.