VonAnnika Ketzlerschließen
Schüler lernen über das Dritte Reich in der Schule. Wer den Podcast eines Historikers aus NRW hört, bekommt einen Einblick in die Zeit von 1933 bis 1945.
Hamm - Der Weg der Nazis an die Schalthebel der Macht und die Entfaltung eines mörderischen politischen Programms – all das wird in Jonas Stephans Podcast „Deutschland 33/45“ thematisiert. Seit August 2023 erzählt der 36-Jährige aus Anröchte aus dem Kreis Soest (NRW) seinen Zuhörern jeden Montag über das Dritte Reich und klärt auf. Die Resonanz ist positiv, derzeit ist er auf Platz 5 der Geschichtspodcasts auf Spotify.
Historiker aus NRW macht einmalige Geschichts-Podcasts – er ist im Rennen für großen Preis
„Die Idee zu podcasten hatte ich sehr lange, da ich selbst ein sehr ambitionierter Hörer bin“, erzählt Stephan im Gespräch mit wa.de. Stephan ist selbst Historiker und unterrichtete das Fach Geschichte am Gymnasium. Er dachte sich: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“
Der 36-Jährige ging also auf Themensuche für das Projekt. „Ich selbst fand den Nationalsozialismus immer sehr wichtig, meine Urgroßmutter und Großmutter haben immer darüber erzählt – und das hat mich sehr berührt“, sagt der Historiker. Er dachte über eine zusammenhängende Erzählung der Geschichte der Jahre 1933 bis 1945 nach. Und: Er war sich sicher, dass es einen solchen Podcast unter den Geschichtspodcasts doch bestimmt schon geben muss.
Seine Erkenntnis: Fehlanzeige. Viele Podcasts beschäftigen sich mit der Thematik, aber nicht in der Form, in der es Stephans Podcast macht – nämlich in einer Nacherzählung von Anfang bis Ende. „Und dann hab ich mir gedacht: ‚Jetzt musst du‘s machen, das wird die Leute bestimmt interessieren‘“, ergänzt der 36-Jährige.
Geschichts-Podcast: Menschen der damaligen Zeit eine Stimme verleihen
„Der Mehrwert meines Podcasts ist mehr Wissen und eine besser Einordnung, auch was die Gefahren sind, wenn so Strömungen das Wort ergreifen“, ergänzt Stephan. Der Historiker möchte den Menschen der damaligen Zeit eine Stimme verleihen – zuallererst den Opfern, aber auch die Täter und Mitläufer sollen zu Wort kommen. Er selbst arbeitet viel mit Tagebüchern und Briefen als Quellen für die Inhalte. „Eine Frau aus Hamburg, die mit einem jüdischen Mann verheiratet ist, aber früher Hitler-Anhängerin war, war zum Beispiel mal Thema“, berichtet Stephan. Das seien wichtige und interessante Stimmen.
Dass sein Geschichtspodcast aber so durch die Decke geht – damit hat der Anröchter nicht gerechnet. „Die ersten Wochen habe ich mich über jeden einzelnen Zuhörer gefreut“, berichtet er. Als er dann das erste Mal in den Top 50 der Geschichtspodcasts landete, konnte er es kaum glauben. „Und jetzt bin ich sogar auf Platz 5, das freut mich unglaublich. Die Menschen reden mit anderen über die Inhalte meines Podcasts und genau das habe ich mir gewünscht“, erzählt Stephan. Auch für den deutschen Podcastpreis ist „Deutschland 33/45“ im Rennen, und das in der Kategorie „Beste Information“ für den Publikumspreis. Für die Jurypreise ist der 36-Jährige gleich zweimal nominiert – in den Kategorien „Bestes Skript“ und „Bester Independent Podcast“. Das sind Podcasts, die größtenteils unter Eigenregie laufen und bei Null anfangen.
Stephan möchte mit seinem Podcast auch die jüngere Zielgruppe erreichen
Gibt es auch negatives Feedback? Ja. Stephan erklärt, dass er mittlerweile etwas mehr in den Sozialen Medien drin ist. Zuvor hatte er nie Probleme mit negativen Kommentaren. „Dann war ich aber 24 Stunden auf TikTok mit einem Video online und wurde direkt beleidigt“, erzählt der Historiker. Doch da stehe der 36-Jährige drüber. Er erhofft sich, durch Plattformen wie TikTok auch eine jüngere Zielgruppe zu erreichen. „Als ehemaliger Lehrer freue ich mich auch über Kommentare von Schülern“, so Stephan. Derzeit seien die meisten Hörer seines Podcasts eher in seinem Alter.
Besonders Crime-Podcasts sind bei Zuhörern sehr beliebt. Die Polizei Essen rollt nun ungelöste Verbrechen neu auf und setzt dabei auch auf pensionierte Ermittler. Ein Podcast soll helfen, neue Spuren zu finden. Wer viel Musik oder Podcasts auf dem Streamingdienst Spotify hört, muss seit Februar 2024 tiefer ins Portemonnaie greifen – die Plattform ist teurer geworden.
Rubriklistenbild: © Jonas Stephan

