VonEva Burghardtschließen
Von Schmährufen zu Kunstwerken: In Wesel hat ein alter Spruch eine bemerkenswerte Tradition ins Leben gerufen, die sogar die Ampelmännchen der Stadt verändert hat.
Wesel – Wenn man in Deutschland einen Bürgermeister beleidigt, endet das wohl in den seltensten Fällen mit einer Tradition, die sich etabliert. In der Stadt Wesel (Kreis Wesel/NRW) am Niederrhein ist das allerdings passiert. Heute stehen in der Stadt mehr als 300 Esel-Skulpturen, die sich auf einen alten Spruch beziehen.
Symbolisches Tier: Das bedeuten die Esel in Wesel
In einem Schmähruf, der laut Forschern wohl im 19. Jahrhundert entstand, wird gesagt: „Wie heißt der Bürgermeister von Wesel? Esel.“ In einem Reisebericht aus dem Jahr 1819 steht, dass der Spruch zunächst als Echoruf auf Rheinschifffahrten verwendet wurde und sich dabei wohl ursprünglich auf die Stadt Oberwesel bezog, die im Mittelrheintal zwischen Bingen und Bonn liegt. Ruft man den Satz zum Beispiel in einem Tunnel, kommt als Echo das Wort „Esel“ zurück. Heute wird der Ruf in erster Linie mit der Stadt Wesel in Verbindung gebracht.
Und er hat Kultstatus: In den Niederlanden sagt man: „Wie is de burgemeester van Wezel? Ezel.“ Und auch in dem deutschen Film „Schuh des Manitu“ aus dem Jahr 2001 wird der Spruch verwendet. Grund genug also, den Esel als Symboltier der Stadt Wesel anzuerkennen. „Man findet das berühmte Markenzeichen mit Augenzwinkern in vielfältigster Art und Weise überall in der Stadt“, heißt es beim Wesel Tourismus. Und das, obwohl das Tier im Stadtwappen eigentlich ein Wiesel ist.
Wie viele Esel gibt es in der Stadt Wesel?
Der erste öffentliche Esel wurde in Wesel im Jahr 1994 aufgestellt. Dabei handelte es sich um eine Figur aus Bronze, die von dem Künstler Bonifatius Stirnberg auf dem Berliner-Tor-Platz aufgestellt wurde. Erst zwölf Jahre später griff das Stadtmarketing die Idee auf und startete eine Initiative für Fertigung von Kunststoffeseln für den öffentlichen Raum. 111 bemalte Esel wurden im Jahr 2007 im gesamten Stadtgebiet und auch außerhalb der Grenzen von Wesel aufgestellt.
Die Aktion wurde danach dauerhaft fortgeführt. Ein Kunststoffesel mit einer Höhe von 1,50 Metern kostet 480 Euro. Bis ins Jahr 2016 wurden 300 lebensgroße Eselfiguren angefertigt. Und längst gibt es den Esel von Wesel auch in kleinerer Ausführung für den privaten Gebrauch zu kaufen.
Der Esel von Wesel sind ein Kulttier: Vom Karnevalsorden bis zum Ampelmännchen
Und auch sonst setzt sich der Esel in Wesel durch: So verleiht der Weseler Karnevalsverein, der Carnevals-Ausschuss Wesel, jedes Jahr den sogenannten Eselorden an Menschen, die sich besonders für die Stadt eingesetzt haben oder durch mutiges Engagement aufgefallen sind, heißt es beim Stadttourismus Wesel. So wurden bereits der Nachrichtensprecher Jan Hofer und der Musiker Guildo Horn mit dem Eselsorden ausgezeichnet.
Mehr als 10.000 Besucher kommen zudem jährlich zu dem Musikfestival EselRock im Weseler Heubergpark. An der Ecke Kreuzstraße/Esplanade gibt es zudem seit einigen Jahren ein Ampelmännchen in Eselform. Da wurden zuletzt sogar die Grün-Zeiten verlängert, weil die Menschen länger brauchten, um bei einem grünen Esel die Straße zu überqueren – insbesondere, um Selfies mit dem Esel zu machen, berichtet ein lokaler Radiosender. Die Landschaft im Niederrhein soll sich bald verändern, so ist geplant, die Fläche eines Naturparks zu verdoppeln. Kuriose Wahrzeichen gibt es in NRW einige. So ist der Colonius in Köln nicht nur ein Wahrzeichen, sondern auch der höchste Lost Place der Dom-Stadt am Rhein. Im berühmten Kölner Dom gibt es außerdem ein ungewöhnliches Fenster mit einer besonderen Geschichte. (ebu) Fair und unabhängig informiert, was in Wesel, Düsseldorf und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Stefan Ziese/imago



