Brandschutz

Kölns höchster „Lost Place“: Was passieren muss, damit der Colonius wieder öffnet

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Damit der Colonius in Köln wieder öffnen kann, muss sich einiges beim Brandschutz tun. Unter anderem: Die Fahrstühle, doch das ist keine einfache Sache.

Köln – Der Fernsehturm Colonius ist mit seinen 266 Metern Höhe das höchste Gebäude in Köln. Neben dem Kölner Dom gilt vor allem der Colonius als das Wahrzeichen in Köln. Er wird sogar auf T-Shirts, Schlüsselanhängern und Bauchtaschen gedrückt. Ohne Frage: Der Fernsehturm mit seiner rut-wießen Spitze hat viele Fans. Doch betreten können ihn nur die wenigsten.

Kölner Fernsehturm seit über 20 Jahren geschlossen – wegen Brandschutz

Damit der Colonius in Köln wieder geöffnet werden kann, muss sich einiges tun (IDZRNRW-Montage).

Zwar war der Fernsehturm in den 1980er- und 1990er-Jahren ein beliebtes Ausflugsziel, doch seit 1999 ist der Colonius geschlossen – wegen Brandschutzmängeln. Die sind so massiv, dass der Fernsehturm nicht nur im Dornröschenschlaf liegt, sondern die Aussichtsplattform und das ehemalige Restaurant des Colonius kaum mehr wiederzuerkennen sind.

Am Eingang des Kölner Fernsehturm hängt ein trauriger Zettel. Im Inneren wurde die Deckenverkleidung entfernt, Böden wurden herausgerissen und die Farbe blättert von den Wänden. „Der Grund, warum es hier wie bei einem Rohbau aussieht, ist das Thema Brandschutz. Seit der Turm öffentlich nicht mehr genutzt wird, haben wir hier alle Brandlasten entfernt. Deswegen sieht es hier so kahl aus“, sagt Benedikt Albers, Unternehmenssprecher der Deutschen Funkturm GmbH, die den Colonius betreibt.

Seit über 20 Jahren geschlossen: Wie es heute im Colonius aussieht

Der Colonius aus dem Jahr 2005.
Der Colonius ist mit seinen 266 Metern Höhe das höchste Gebäude in Köln. Doch seit 1999 ist der Fernsehturm am Fuße des Grüngürtels geschlossen. Wie es in dem Turm aussieht, wissen nur die wenigsten. Bis jetzt. (Archivbild).  © Kölnsport/Imago
Der ehemalige Eingang des Colonius.
Der ehemalige Eingang ist jetzt ein Büro. Stattdessen kommt man durch den Seiteneingang – direkt am Turm – in das Innere des Colonius.  © 24RHEIN
Der Mediagang im Colonius.
Hinter den zwei schweren Stahltüren verbergen sich endlos lange Flure, in denen man schnell den Überblick verliert.  © 24RHEIN
Der unterirdische Gang des Colonius.
Der Colonius geht nicht nur in die Höhe, es gibt auch unterirdische Gänge.  © 24RHEIN
Der Külraum im Kölner Fernsehturm Colonius.
Denn im Keller wurden früher die Speisen für das Restaurant zubereitet. Bis zu 35 Personen arbeiteten hier. Die Kühlräume der Gastroküche sind heute noch gut zu erkennen.  © 24RHEIN
Der stillgelegte Fahrstuhl im Colonius.
Per Fahrstuhl ging es mit dem fertigen Essen dann in 166 Meter Höhe, wo die Besucherinnen und Besucher die Aussicht im Dreh-Restaurant genossen. Heute ist der Fahrstuhl allerdings geschlossen.  © 24RHEIN
Die leere Restaurant-Etage im Kölner Fernsehturm.
Doch von dem einstigen Restaurant mit Drehplatte ist heute kaum noch etwas zu erahnen. Tische und Stühle sind weg, Böden und Decken teilweise entfernt.  © 24RHEIN
Das ehemalige Restaurant im Colonius.
„Der Grund, warum es hier so kahl aussieht, ist das Thema Brandschutz“, erklärt Benedikt Albers, Unternehmenssprecher der Deutschen Funkturm GmbH. Denn der Brandschutz ist im Colonius nicht mehr gegeben. Die Gefahren – falls es in dem Fernsehturm zu einem Brand kommt – sind zu hoch.  © 24RHEIN
Die Drehplatte im ehemaligen Colonius-Restaurant in Köln.
Alles, was leicht entflammbar ist, wurde entfernt. Lediglich die 360-Grad-Drehplatte im ehemaligen Colonius-Restaurant ist heute noch gut zu erkennen.  © 24RHEIN
Die abgeschlossenen Toiletten im Colonius.
Die meisten Türen sind hingegen abgeschlossen, die Toiletten gesperrt. Nur wer eine Berechtigung und die passenden Schlüssel hat, kommt überhaupt bis nach oben.  © 24RHEIN
Die Aussichtsplattform des Colonius in Köln.
Ähnlich sieht es eine Etage höher – auf der sogenannten Aussichtsplattform – aus. © 24RHEIN
Die Aussichtsplattform des Colonius sieht aus wie eine Baustelle.
Auch hier wurden Decken und Böden teilweise entfernt. Damit erinnert die einstige Attraktion im Colonius heute eher an eine Baustelle.  © 24RHEIN
Die Aussicht vom Colonius auf den Grüngürtel in Köln.
Eines ist jedoch trotz Schließung gleich geblieben: Die spektakuläre Aussicht auf Köln und das Rheinland.  © 24RHEIN
Die Aussichtsplattform vom Colonius.
Doch damit Kölnerinnen und Kölner sowie Touristinnen und Touristen diese bestaunen können, muss einiges getan werden.  © 24RHEIN
Der Notausgang des Colonius.
Mit Streichen allein ist es nicht getan, erklärt Unternehmenssprecher Albers weiter. Das wirklich Herausfordernde und Komplizierte versteckt sich bei der Colonius-Sanierung vor allem in den Brandschutzauflagen, die bei so hohen Gebäuden schwierig sind. © 24RHEIN
Der Aufzug im Colonius.
Zum Beispiel müssten neue Löschmittelanlagen installiert und die Aufzüge komplett feuerfest gemacht werden. „Das ist keine einfache Sache“, sagt Albers. Genaue Zahlen nennt er nicht. © 24RHEIN

„Keine einfache Sache“: Das muss sich tun, damit der Colonius endlich wieder öffnet

Damit der Fernsehturm wieder eröffnen kann, muss sich einiges tun, sagt Albers weiter. Die offensichtlichen Dinge – wie die Deckenverkleidung oder ein neuer Boden sind dabei jedoch noch nicht einmal das größte Problem. „Das wirklich Herausfordernde wären zum Beispiel die Aufzüge, die saniert werden müsste.“

„Das ist keine einfache Sache: Der Aufzug geht hoch auf bis zu 170 Metern. Aus Brandschutzgründen müsste er komplett feuerfest gemacht werden“, so der Unternehmenssprecher weiter. Hinzu kommen unter anderem sogenannte Löschmittelanlagen auf der ehemaligen Aussichtsplattform und dem damaligen Restaurant. „Das sind die Dinge, die man als Besucherin und Besucher gar nicht so wahrnimmt, die aber für die Sicherheit entscheidend sind.“

Wie teuer die Brandschutzmaßnahmen werden, ist noch unklar. Darum ist auch noch nicht ganz klar, wann und ob der Colonius wieder eröffnet wird. Zwar sprechen sich Betreiber und Oberbürgermeisterin Henriette Reker immer wieder für eine Eröffnung aus, doch könnte das tatsächlich noch dauern.

Ein wichtiger Meilenstein wurde dafür allerdings bereits erreicht, erklärt Albers weiter: Seit 2022 steht der Colonius unter Denkmalschutz. „Dadurch ist es möglich, Fördergelder zu bekommen. Und die machen es viel realistischer, dass das Brandschutzkonzept umgesetzt werden kann. Da sind wir aber noch ganz am Anfang, eine Jahreszahl zur Eröffnung kann man darum noch nicht nennen.“

Die zehn höchsten Fernsehtürme in Deutschland: Für die Öffentlichkeit zugänglich:
Berliner Fernsehturm (368 Meter) Ja
Europaturm in Frankfurt am Main (337,5 Meter) Nein, seit 1999 geschlossen
Fernmeldeturm Nürnberg (292,8 Meter) Nein, seit 1991 geschlossen
Olympiaturm in München (291,3 Meter) Ja (Sanierung ab 2024)
Telemax in Hannover (282,2 Meter) Nein
Heinrich-Hertz-Turm in Hamburg (276,5 Meter) Nein, seit 2001 geschlossen
Colonius in Köln (266 Meter) Nein, seit 1999 geschlossen
Fernmeldeturm Koblenz (265,5 Meter) Nein
Fernsehturm Dresden (252 Meter) Nein, seit 1991 geschlossen
Rheinturm in Düsseldorf (240,5 Meter)Ja

Fernsehturm Köln: Was wird aus dem Colonius?

Wie genau die künftigen Konzepte für den Colonius aussehen könnte, ist ebenfalls noch offen. Angebote hat die Deutsche Funkturm GmbH allerdings schon massig bekommen. Darunter auch skurrile wie ein Fitnessstudio, ein Hotel oder sogar ein Bordell. So weit dürfte es jedoch wohl nicht kommen.

Klar ist jedoch: Ein klassisches Konzept, bestehend aus Gastronomie und Aussicht, dürfte wohl nicht ausreichen. „Man müsste hier wohl auch einen gewissen Eventcharakter hereinbringen.“ (jw) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Future Image/Imago & 24RHEIN

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