VonEva Burghardtschließen
Im Herzen von Bochum steht ein Gebäude, das die Zeit überdauert hat. Haus Laer, einst Adelssitz, ist heute für Besucher zugängig.
Bochum – Bei einem Blick in die Gänge von Haus Laer in Bochum (NRW) würde es wohl auch nicht überraschen, wenn plötzlich eine feine Adelsdame in historischem Gewand um die Ecke kommt. Die Anlage stammt aus dem 10. Jahrhundert und ist damit rund 300 Jahre älter als der Kölner Dom. Dabei sieht sie heute fast genau so aus wie im Mittelalter: mit großem Tor, Fachwerkfenstern und prunkvoll eingerichteten Zimmern. Was früher dem Adel vorbehalten blieb, ist heute für jeden zugänglich.
Rittergut in Bochum ist mehrere hundert Jahre alt
Es wirkt ein bisschen so, als könnte man durch das Tor von Haus Laer in eine andere Zeit gelangen. Auf Bildern sieht man einen kunstvoll verzierten Pavillon im Innenhof, goldene Statuen und prunkvolle Möbel – natürlich ebenfalls mit Goldverzierung. Wie das Rittergut auf seiner Website berichtet, reichen die Anfänge der Anlage bis ins Jahr 940 zurück. In Herten im Ruhrgebiet liegt übrigens ein ganzer Ort, der ans Mittelalter erinnert.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Haus Laer demnach am 1. Mai 1243. Die Familien Freiherren von der Leithen-Frielinghaus übernahmen den Adelssitz im Jahr 1480. Deren Nachkommen verwalten die Anlage bereits seit Jahrhunderten und bis in die Gegenwart hinein.
Haus Laer ist einer der ältesten Adelssitze im Ruhrgebiet
Haus Laer war mit seinem Wassergraben und den meterdicken Mauern samt Schießscharten gut gesichert. Es gab eine Vor- und eine Hauptburg. Das kleinere, mittelalterliche Burghaus ist heute für die Öffentlichkeit zugängig. Wie Haus Laer auf seiner Website mitteilt, ist das Rittergut der älteste erhaltene Profanbau des mittleren Ruhrgebiets. Dort gibt es übrigens einige Orte mit malerischen Altstädten.
Die Anlage hat auch deshalb so eine hohe baugeschichtliche Bedeutung, weil es selten vorkommt, dass solch ein Bau in seiner Ursprünglichkeit so erhalten bleibt. Das massive Keller- und Erdgeschoss samt Fachwerk und Satteldach existiert heute nämlich noch genauso wie in früherer Zeit.
Haus Laer in Bochum
► Haus Laer liegt in Bochum an der Höfestraße.
► Die Anfänge des Ritterguts reichen bis ins Jahr 940 zurück.
► Seit 1480 gehört das Anwesen mit Wasserschloss der Familie Freiherren von der Leithen–Frielinghaus.
► Die Familie verwaltet das Rittergut bis heute.
► Gustav Frielinghaus erhielt von Kaiser Wilhelm II, König von Preußen, im Jahr 1906 den Titel eines Kommerzienrates.
► Frielinghaus prägte die Region als Handelskammerpräsident, Generaldirektor von drei Zechen und Gründer der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (Bogestra).
► Heute ist Haus Laer ein Hotel. Auf dem Rittergut finden außerdem Veranstaltungen und Feste statt.
(Quelle: Rittergut Haus Laar)
Auch die Bewohner hatten eine maßgebliche Bedeutung für die Region. Zumindest Gustav Frielinghaus. Dem verlieh Kaiser Wilhelm, König von Preußen, nämlich im Jahr 1906 den Titel eines Kommerzienrates. Frielinghaus war Präsident der Handelskammer, Generaldirektor von drei Zechen im Ruhrgebiet und Gründer der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG (Bogestra).
Übernachtungsräume in Haus Laer sind mit historischen Möbeln eingerichtet
Dass das Rittergut seit Jahrhunderten von einer Adelsfamilie bewohnt wurde, sieht man auch im Inneren der Gebäude. Da sind Kronleuchter, edle Festsäle und prachtvolle Möbel. Auf Bildern sind endlose Flure mit Gold gerahmten Porträts adeliger Persönlichkeiten zu sehen.
Heute kann man in den Räumen von Haus Laer sogar übernachten. Auf der Website heißt es: „Wo sonst kann man mit Heinrich dem Löwen oder mit Mathilde von England in einem Gemach die Nacht verbringen?“ Die Räume sind nach historischen Persönlichkeiten benannt und alle unterschiedlich, mit historischen Möbeln, eingerichtet.
In dem Rittergut kann heute nicht nur übernachtet werden. In den Festsälen werden auch Feiern wie Hochzeiten, Geburtstage und Firmenfeiern veranstaltet. Auch ein Krimi-Dinner, bei dem die Besucher laut Website in die „Krimizeit der 1960er Jahre“ eintauchen, gibt es dort regelmäßig. (ebu)
Rubriklistenbild: © Stefan Ziese/imago




