Hamm der Zukunft

Chef der Impuls GmbH Ledune zur Stadtentwicklung: „Hamm hat was“

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Das Innovationszentrum (vorne) soll bald von Firmen bezogen werden.
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Die Impuls GmbH um Chef Pascal Ledune will die Stadt 2023 sichtbarer machen. Dabei wollen sie eine Vielzahl an Themen angehen.

Hamm – Hamm als guten Wirtschaftsstandort sichtbarer machen – nach innen und nach außen. Das ist eines der zentralen Ziele der neugegründeten Impuls-Agentur für dieses Jahr. Die Agentur selbst befindet sich aktuell noch mitten im Umstrukturierungsprozess. Erst Mitte 2022 waren Wirtschaftsförderung, Hamtec und Stadtmarketing zusammengelegt worden. Für Firmen aus Hamm und Unternehmer, die sich hier niederlassen wollen, wurde so eine zentrale Anlaufstelle geschaffen. Und die hat schon jetzt jede Menge Arbeit. Die wichtigsten Themen im Überblick.

Energiekrise

Nach wie vor ist die Energiefrage eine der drängendsten für die Hammer Wirtschaft. Zu Beginn der Energiekrise hatte die Impuls-Agentur eine Info-Hotline für Unternehmen eingerichtet. Die Anrufe seien aber kontinuierlich zurückgegangen. Dennoch sei nach wie vor spürbar, dass die Wirtschaft mit angezogener Bremse unterwegs sei. „Die Unternehmer bekommen deutlich gestiegene Energiepreise zu spüren. Trotz aller Entlastungen. Sie können aktuell aber immerhin planen“, so Ledune.

Das Thema Effizienz stehe in fast jeder Firma ganz oben auf der Tagesordnung. Einstige Vorbehalte, in Effizienzmaßnahmen Lösungen mit erneuerbarer Energie zu investieren, seien stark rückläufig. Beratungsbedarfe hätten spürbar zugenommen. In den kommenden Monaten soll das Programm Ökoprofit neu aufgelegt werden, um Hammer Firmen stärker auch individuell in dieser Hinsicht zu beraten.

Hochschule

Die HSHL hat aktuell einen schweren Stand. Bei den Drittmitteleinwerbungen schneidet die Hammer Hochschule schlecht ab, die Studierendenzahlen gehen zurück. Der Amoklauf im vergangenen Jahr ist zudem in der Außenwirkung noch sehr präsent. Ledune ist allerdings optimistisch, dass sich die Hochschule in den kommenden Jahren zu einem echten Gewinn für die Stadt entwickeln wird.

Eine Hochschule zu etablieren brauche Zeit. Und mit der käme auch ein großes Alumni-Netzwerk, von dem die HSHL und ihre Studenten profitieren könnten. Aus Sicht Ledunes gilt es kurzfristig, die HSHL besser mit der Stadt und der hiesigen Wirtschaft zu vernetzen. Da gebe es Nachholbedarf. Deshalb sei geplant, eines der nächsten Wirtschaftsfrühstücke am Campus an der Marker Allee stattfinden zu lassen.

Innovationszentrum

Nach dem Softopening liefen aktuell die Gespräche mit potenziellen Mietern. „Wir suchen Unternehmen, die zueinander passen und den Standort gemeinsam nach vorne bringen wollen. Es geht nicht darum, das Haus schnell, sondern richtig zu füllen“, erklärt Impuls-Sprecher Markus Breuer. Die Firmen, die sich nahe der Hochschule ansiedeln, sollen nachhaltig wirtschaften und für gute Arbeitsplätze sorgen.

Bis zur wirklichen Eröffnung des Innovationszentrums müssten nach Restarbeiten erfolgen, bei der Technik habe es teils Lieferengpässe gegeben. Einige Startups aus dem Hamtec sollen in einer ersten Phase die Gegebenheiten unter Realbedingungen testen. Im Sommer soll es eine große Eröffnung geben.

Pascal Ledune, Chef der Impuls GmbH, hat 2023 viel vor in Hamm.

Startups

Hamm als Startup-Standort sei besonders. Vielfach ziehe es die Hammer zwar für ein Studium oder die Ausbildung in größere Städte oder die weite Welt, kämen nach einigen Jahren aber zurück in ihre Heimat, um sich hier beruflich und privat niederzulassen. „Die Menschen hängen an ihrer Stadt. Hamm hat was“, sagt Ledune. Um junge Unternehmen und innovative Ideen schon in einer ganz frühen Phase zu fördern, soll in diesem Jahr der Ideenwettbewerb wiederbelebt werden. „Neu wird sein, dass wir mit dem Abschluss nicht enden, sondern die Ideen für den Standort nutzen wollen“, so Ledune.

Interessante Jungunternehmer seien in früheren Wettbewerben auch mal abgewandert und an anderen Standorten zur Gründung weiterentwickelt worden. „Wir wollen die Teilnehmer deshalb stärker begleiten.“ Es soll Beratung und Patenschaften aus der Hammer Wirtschaft oder Stadtgesellschaft geben, die den jungen Köpfen zur Seite stehen. Für den Sommer ist eine erste Veranstaltung im Rahmen von „Pitch im Park“ im Tierpark geplant, bei der sich Startup-Gründer präsentieren können.

Netzwerke stärken

Nicht nur Startups sollen sich in Hamm wohlfühlen. Die Impuls-Agentur habe auch die fest verwurzelten Unternehmen im Blick, betont Ledune. Er selbst ist zwar erst seit knapp neun Monaten Wirtschaftsförderer in Hamm. In der Zeit hat er allerdings bereits 80 Unternehmensbesuche absolviert, um den Standort besser kennenzulernen. „Das war alles hoch spannend. Hamm braucht sich auf keinen Fall verstecken“, so Ledune.

In den Gewerbe- und Industriegebieten sollen für eine bessere Vernetzung untereinander künftig Anrainer-Treffen organisiert werden. „Wir haben in Hamm Firmen, die auf ihrem Gebiet großartig sind. Nur weiß davon manchmal kaum jemand etwas. Das liegt vielleicht an der westfälischen Bescheidenheit“, erklärt Ledune. „Wenn die Firmen hier aber voneinander wissen und sich kennen, können Aufträge mitunter in der Stadt bleiben – und damit auch Kapital und Investitionen.“

Unternehmen, die sich Kunden präsentieren oder Symposien und Tagungen organisieren wollen, will die Impuls-Agentur stärker bei der Durchführung solcher Events unterstützen. „Da bereiten wir ein Angebot vor.“

Betriebe in Hamm sind Botschafter für die Stadt

Für Ledune sind die Hammer Betriebe nicht nur auf solchen Veranstaltungen Botschafter für die Stadt. Deshalb gebe es mittlerweile eine Fotobibliothek mit unterschiedlichen Motiven Hamms, die in eigene Marketing-Materialien oder die Internetpräsenz eingebaut werden können. „Wir wollen, dass die Firmen Hilfestellungen bekommen, damit sie in der Lage sind, den Standort als Botschafter zu vertreten und das auch zeigen“, so Ledune.

Für neu eingestellte Fach- und Führungskräfte der Hammer Unternehmen soll einmal im Jahr eine Bustour durch die Stadt organisiert werden, um ihnen Hamm näherzubringen und gleichzeitig sofort eine Vernetzung untereinander zu ermöglichen.

Großprojekte

So richtig Fahrt aufnehmen können die Großprojekte Wasserstoff und Rangierbahnhof erst, wenn die finalen Förderbescheide da seien, so Ledune. Aktuell warte man noch immer auf die Freigabe des „Bafa“. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle – kurz Bafa – muss erst grünes Licht geben, bevor zum Beispiel Mitarbeiter für die bereits vor Monaten gegründeten Entwicklungsagenturen eingestellt werden können. „Wir sind mit den Anträgen schon zu einem frühen Punkt sehr weit gewesen und können hoffentlich bald loslegen“, so Ledune. Er hofft darauf, noch im ersten Halbjahr positive Nachrichten vom Bafa zu erhalten.

Für das „Lokodrom“, ein an den Rangierbahnhof angedocktes multifunktionales Forschungslabor, kämen aktuell noch fünf bis sechs Standorte in Bahnnähe infrage. Hier soll es 2023 konkreter werden – auch in Sache Förderung.

Für das künftige Creativrevier auf der ehemaligen Zeche Heinrich Robert sind die Bebauungspläne öffentlich ausgelegt. Losgelegt werden kann mit entscheidenden Arbeiten allerdings erst, wenn die meisten Flächen aus der Bergaufsicht entlassen worden sind.

Leerstand

Das Sofortprogramm Innenstadt läuft noch bis Jahresende. Über vergünstigte Mieten soll der Einstieg in den Handel einfacher klappen. Von fünf Teilnehmern sind noch vier dabei, ein Nachrücker soll noch von der Förderung profitieren. Die Landesmittel hat die Stadt nicht ganz abgerufen. Das liege mitunter auch an Eigentümern, die nicht bereit seien, auf 30 Prozent der Altmiete zu verzichten, so Ledune. Leerstand gebe es nicht nur im Bereich der Ladenlokale in der Fußgängerzone, sondern auch in den oberen Etagen der Häuser. Ziel sei es, auch diese Flächen wieder nutzbar zu machen, erklärt Ledune. Überdies sei für Hamm ein Büromarktbericht geplant, der es möglichen Investoren leichter mache, Hamm als Standort einzuschätzen. „Investoren brauchen Daten. Wir wollen die Stadt auch in dieser Hinsicht aufs Radar bringen“, so Ledune.

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