VonSarah Hankeschließen
Bei der Franziskusküche der Caritas Hamm wird warmes Mittagessen für 80 Cent ausgegeben. Weil wegen der hohen Inflation immer häufiger das Geld fehlt, verzeichnet auch die Sozialküche - einst auch Armenküche genannt - inzwischen einen größeren Nutzer-Zulauf.
Hamm – „Es sind bestimmt so zehn Prozent an Gästen dazu gekommen“, sagt Elisabeth Wulf von der Caritas. „Im Durchschnitt kommen zirka 30 Gäste pro Tag zu uns.“ Am Anfang des Monats sei in der Franziskusküche für gewöhnlich weniger los. Dann reduziere man auch die Anzahl der Essensportionen. Das ändere sich aber im Laufe des Monats, wenn das Geld bei den Leuten knapper wird. „Die Menschen kommen zeitweise“, erklärt Wulf. Nämlich immer dann, wenn das Geld knapp ist.
Die Nachfrage sei immer auch ein Spiegelbild für die gesellschaftliche und soziale Situation in der Stadt: „Je weniger Menschen, das Angebot annehmen, desto besser geht es der Stadt Hamm“, so Wulf. Und je mehr Leute kommen, desto größer seien Bedürfnisse und Schwierigkeiten. (Sozialkaufhaus in Bönen hat jede Menge zu tun, Nachfrage in Bergkamener „Stöberei“ deutlich gestiegen)
Viele neue Gesichter in der Sozialküche
In den vergangenen Tagen habe sie ganz viele neue Gesichter an der Brüderstraße 39 begrüßen können. „Die habe ich hier noch nie gesehen“, sagt Wulf, die bereits seit zehn Jahren in der Sozialküche tätig ist. Darunter ein Gast, der ursprünglich aus der Dominikanischen Republik stammt, seit 26 Jahren in Deutschland lebt und zwei Kinder hat. Auch für ein Ehepaar aus Soest sei der Besuch der Franziskusküche eine Premiere gewesen. Die Eheleute hätten von dem Angebot in Hamm gehört und würden es dankbar annehmen.
Unter den Leuten, die am Donnerstag an der Essensausgabe anstehen, waren fast nur Stammgäste. Es gab Spaghetti. Einige kommen schon seit über 20 Jahren die Franziskusküche. Dass sie sich kein Mittagessen leisten können, will kaum einer zugeben. Das Angebot anzunehmen, bedeute für die Menschen, eine Grenze zu überschreiten, sagt Wulf. Sie würden sich dafür schämen, arm zu sein. Die 1994 als „Armenküche“ gegründete Sozialküche wurde inzwischen in „Franziskusküche“ umbenannt. Auch, um die Hemmschwelle zu senken.
Kunden lassen sich in Gruppen unterteilen
Die Kunden der Sozialküche lassen sich in Gruppen unterteilen: Menschen mit Suchtproblemen, mit körperlichen Beeinträchtigungen, Arbeitslosengeld-Empfänger sowie Menschen ohne Obdach. Dann gibt es noch Menschen, die von Altersarmut betroffen sind und alleine sind. Und das, obwohl sie ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben. So auch eine 67-Jährige Dame, die viele Jahre als Küchenhilfe gearbeitet hat.
„Da bleibt am Ende des Monats nicht viel übrig“, sagt Wulf. Die Preise hätten überall angezogen. Im Restaurant für sechs Euro zu essen, sei nicht drin. Um sich auch einen Kaffee beim Bäcker leisten zu können, käme sie zur Franziskusküche. Aber auch 80 Cent sind für viele Gäste der Sozialküche viel Geld. Am Ende des Jahres, ist sich Wulf sicher, werden die Menschen die Mehrkosten auch in Sachen Energie spüren. Dann müssten sie damit zurechtkommen. „Im Moment ist noch Sommer.“
Die Franziskusküche
Ehrenamtliche Mitarbeiter geben in der Franziskusküche (Brüderstraße) von Montag bis Freitag von 12 bis 13 Uhr eine warme Mahlzeit für bedürftige Menschen aus. Das Essen wird vom Marienhospital bezogen. Die Gäste zahlen 80 Cent pro Essen, der Rest wird über Spenden finanziert. Wer das Geld nicht aufbringen kann, erhält einen kostenlosen Ausgabeschein der Caritas-Sozialberatung.
Wer die Franziskusküche unterstützen möchte, kann sich an die Franziskusküche oder an die Caritas Hamm wenden.
Spendenkonto: IBAN DE70 4105 0095 0000 0555 58. Verwendungszweck: Franziskusküche.

