Debatte über unbemannte Flugobjekte

Angst vor militärischen Drohnen über NRW – jetzt wird NRW-Innenminister Reul deutlich

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NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) plädiert für eine gemeinsame Drohnenabwehr.
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NRW-Innenminister Reul unterscheidet klar zwischen Drohnentypen. Große Drohnen sieht er als militärische Bedrohung. Die Debatte um die Drohnenabwehr spitzt sich zu.

Düsseldorf – Der Debatte um die Drohnenabwehr in Nordrhein-Westfalen nimmt Fahrt auf. Während Innenminister Herbert Reul (CDU) im Landtag betonte, dass bisher keine Flüge großer militärischer Drohnen in NRW nachgewiesen wurden, fordert die Opposition konkrete Maßnahmen. „Wir haben eine Bedrohungslage in Nordrhein-Westfalen, und wir erwarten, dass die Landesregierung darauf auch reagiert“, erklärte die innenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Christina Kampmann, während einer Aktuellen Stunde zu Drohnengefahren.

Reul unterscheidet deutlich zwischen verschiedenen Arten von Drohnen. Bei Flügen kommerzieller Kleindrohnen seien oft „Spaßvögel oder irgendwelche Privatleute“ am Werk. Ganz anders bewerte er große Drohnen, bei denen vermutet wird, dass sie aus Russland gesteuert werden. Diese würden von sogenannten „Taschengeld-Agenten“ für gezielte militärische Aktionen eingesetzt. „Das ist Kriegsgerät, das ist was ganz anderes“, betonte der Innenminister.

Sichere Lufträume: NRW diskutiert Drohnenabwehr

Zur Abwehr kleinerer Drohnen verfügt die NRW-Polizei bereits seit längerem über ein spezielles Kompetenzzentrum. Die Einsatzkräfte können Störsender einsetzen oder die Fluggeräte sogar kapern und zur Landung zwingen. Bei extremen Gefahrenlagen sei sogar ein Abschuss möglich, erklärte Reul.

Für den Umgang mit größeren militärischen Drohnen setzt der CDU-Politiker auf bundesweite Koordination. Er unterstützt die Initiative von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) für ein gemeinsames Drohnenabwehrzentrum und erweiterte Befugnisse für die Bundespolizei. „Wenn jeder allein anfängt, herumzufummeln und einen eigenen Plan zu machen, halte ich das für einen Riesenfehler.“ Notwendig sei eine „hohe Abstimmung und die klare Festlegung, wer für was wann zuständig ist“.

Tausende nach Drohnensichtungen betroffen: Fotos vom Münchner Flughafen

Flughafen München
Nächtliche Aufregung am Münchner Flughafen: Mehrere Menschen berichten von einer Drohne am Himmel. Viele Flüge werden gestrichen. Am Morgen wird der Flugbetrieb wieder aufgenommen. © News5/Lars Haubner (Collage: Merkur.de)
Flughafen München
Wegen Drohnensichtungen sind am Flughafen München zahlreiche Flüge ausgefallen - rund 3000 Passagiere waren davon betroffen. © NEWS5 / Lars Haubner
Drohnensichtungen am Flughafen München
Nach Angaben der Bundespolizei hatten mehrere Menschen am Abend von einer Drohne in der Nähe des Flughafens berichtet. Später habe es auch Sichtungen über dem Flughafengelände gegeben. Ob es sich um eine oder mehrere Drohnen handelte, war zunächst unklar. © Jason Tschepljakow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Drohnenverbot
Am Flughafen München sind Drohnen verboten. © NEWS5 / Lars Haubner
Terminal Flughafen
Die Menschen strandeten in den Terminals und verbrachten teils die Nacht dort. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen
Ihren Start in den Urlaub haben sich die Passagiere sicher anders vorgestellt. ©  NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen Terminal
Hunderte Menschen mussten die Nacht auf in den Terminals aufgestellten Feldbetten verbringen. Andere sollten in Hotels gebracht werden.  © NEWS5 / Lars Haubner
Feldbetten Flughafen
Nach Angaben des Betreibers wurden Decken, Getränke und Snacks an die gestrandeten Passagiere verteilt. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen
Sie seien zunächst gut im Flugzeug angekommen, „und dann war mal lange Zeit nichts, ohne dass irgendwie eine Nachricht kam. Man wusste nichts und das Personal hat ja dann letztendlich auch gesagt, sie wissen nicht genau, was los ist“, berichtete Passagier Max gegenüber News5. Schließlich sei die Information gekommen, dass der Flughafen geschlossen wurde. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen Terminal
Insgesamt 32 Flüge waren betroffen: Nach Angaben des Betreibers fielen am Donnerstagabend 17 Flüge aus. Ab etwa 22:15 Uhr waren auch Landungen nicht mehr möglich: 15 Flüge seien stattdessen nach Stuttgart, Nürnberg, Wien und Frankfurt umgeleitet worden, wie der Betreiber auf der Internetseite des Flughafens schrieb. ©  NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen Polizei
Am frühen Morgen wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen, wie die Bundespolizei informierte. Unklar blieb, wer für den Vorfall verantwortlich sein könnte.  © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen Feuerwehr
Lob gab es derweil für die schnelle Reaktion des Flughafens: „Ich weiß jetzt nicht, Feuerwehr oder was das war, die jetzt sich hier gekümmert haben um Liegen und Decken, Getränke. Also das war top. Und da muss ich sagen, Hut ab, dass das so gut und schnell organisiert wurde“, sagte Urlauberin Dorothee im Gespräch mit News5. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen
Die Atmosphäre blieb laut Aussagen von Passagieren ruhig. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen München
Am Münchner Flughafen gilt ein Nachtflugverbot für den regulären Passagierverkehr zwischen Mitternacht und 5:00 Uhr morgens. Grundsätzlich sind nach Angaben des Betreibers nur Nachtluftpost- und Vermessungsflüge der Deutschen Flugsicherung in dieser Zeit zugelassen. © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen München
Bis Sonntag läuft noch das Münchner Oktoberfest. Das größte Volksfest der Welt zieht jährlich mehrere Millionen Besucherinnen und Besucher aus anderen Städten und Ländern an. Auch sie könnten durch die Einschränkungen im Flugverkehr betroffen sein. Das Oktoberfest war am Mittwoch wegen einer Bombendrohung für einen halben Tag geschlossen worden.  © NEWS5 / Lars Haubner
Flughafen München
Der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV (Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen), Ralph Beisel, sagte, der Vorfall zeige einmal mehr, wie verletzlich der Luftverkehr gegenüber illegalen Drohnenflügen sei. „Der Luftverkehr braucht klare Zuständigkeiten und eine schlagkräftige Drohnendetektion und Abwehr.“ Die Entscheidung, ob eine Drohne eine Gefahr darstelle und wie sie abgewehrt werde, sei und bleibe eine hoheitliche Aufgabe von Bundes- und Landespolizei. © NEWS5 / Lars Haubner
Drohnensichtungen am Flughafen München
Erst vergangene Woche waren über Schleswig-Holstein Drohnen gesichtet worden. Die Behörden prüfen den Verdacht, wonach Drohnen über kritische Infrastruktur geflogen sind, unter anderem über ein Kraftwerk in Kiel. Die Staatsanwaltschaft Flensburg leitete in der Nacht zum Freitag ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt ein. Wegen der teilweise im Verbund erfolgten Drohnenüberflüge liege der Anfangsverdacht einer Straftat des „sicherheitsgefährdenden Abbildens“ vor.  © Ehsan Monajati/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Drohnensichtungen am Flughafen München
Störungen mit Drohnen an den Flughäfen hierzulande haben nach Angaben der Deutschen Flugsicherung deutlich zugenommen. Vor gut einer Woche hatte das Unternehmen, das zu 100 Prozent dem Bund gehört, mitgeteilt, im laufenden Jahr 2025 seien bis Ende August bereits 144 Behinderungen durch Drohnen registriert worden. Im Vorjahr seien es im selben Zeitraum 113 Vorkommnisse gewesen, im Jahr 2023 nur 99. Allein am Flughafen Frankfurt am Main, dem größten deutschen Drehkreuz, wurden in diesem Jahr bereits 35 Behinderungen gezählt. © Jason Tschepljakow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Aus der Privatwirtschaft sind eher mildere Töne im Umgang mit Drohnen zu vernehmen. „Wir benötigen einen runden Tisch mit allen wichtigen Akteuren für einen sicheren Luftraum. Sich vor Drohnen fürchten und sie abschießen, das kann nicht die Lösung sein“, sagt Norman Koerschulte von Morpheus Logistik – einem der ersten Unternehmen aus NRW, welches über eine SAIL III Genehmigung für Drohnen Logistik-Transporte innerhalb der EU verfügt – im Gespräch mit wa.de. Die aktuelle Debatte verstehe er „als absolute Chance“, weil das Thema Drohen so präsent sei wie seit vielen Jahren nicht. „Natürlich birgt sie auch Gefahren für unsere Branche, aber ich vergleiche das gerne mit der Einführung des Automobils. Auch da gab es damals Kritik und es hat sich am Ende positiv durchgesetzt“, meint Koerschulte, der sich für einen offenen Umgang mit der Technologie starkmacht.

Die SPD-Opposition sieht die Lage kritischer. Kampmann verwies auf 195 in NRW gesichtete Drohnenflüge und betonte, dass darunter „nicht alles private Akteure“ gewesen seien. Sie forderte Reul direkt auf: „Entwickeln Sie endlich ein Drohnenkonzept für NRW.“ Aus ihrer Sicht fehlt es der Landesregierung an einem konkreten Plan für die Abwehr großer Drohnen.

Die Debatte zeigt, dass die Bedrohung durch Drohnen unterschiedlicher Größe und Herkunft auch in Nordrhein-Westfalen zunehmend als Sicherheitsrisiko wahrgenommen wird. Während die Abwehr kommerzieller Drohnen bereits etabliert ist, bleibt der Umgang mit möglichen militärischen Drohnenflügen umstritten. (dpa/maho)

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