Der Weltmarktführer für Kfz-Schließsysteme aus NRW hat Insolvenz angemeldet. 700 Mitarbeiter in Deutschland sind betroffen.
Heiligenhaus – Der Weltmarktführer für Kfz-Schließsysteme Kiekert AG aus dem nordrhein-westfälischen Heiligenhaus hat Insolvenz angemeldet. „Die Insolvenz ist die Konsequenz daraus, dass der chinesische Gesellschafter keine weiteren Mittel bereitgestellt und seine finanziellen Verpflichtungen im dreistelligen Millionenbereich nicht erfüllt hat“, erklärte Vorstandschef Jérôme Debreu in einer Mitteilung. Das Amtsgericht Wuppertal ordnete ein vorläufiges Insolvenzverfahren an. Der operative Geschäftsbetrieb laufe jedoch an allen Standorten weiter.
Weltmarktführer Kiekert meldet Insolvenz an – 700 Jobs in Gefahr
Die rund 700 Beschäftigten in Deutschland müssen sich vorerst keine Sorgen um ihre Gehälter machen. Diese seien durch das Insolvenzgeld bis einschließlich November abgesichert, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Exner der dpa mit. Die ausländischen Tochtergesellschaften in Europa, Asien und Nordamerika bleiben von dem Verfahren unberührt. „Sie arbeiten uneingeschränkt weiter“, so Exner.
Die Unternehmensgruppe beschäftigt weltweit insgesamt 4.500 Menschen und gilt als Erfinder der modernen Zentralverriegelung. Nach Angaben des Insolvenzverwalters stammt das Schließsystemdesign für jedes dritte Auto weltweit von Kiekert. Das 168 Jahre alte Unternehmen wurde 2012 vom chinesischen Automobilzulieferer Lingyun aus Peking übernommen.
Automobilzulieferer insolvent – Sanktionen werden zum Verhängnis
Genau diese Eigentümerstruktur stellt für Kiekert inzwischen ein erhebliches Problem dar. „Der von Sanktionen betroffene Gesellschafter verwehrt uns den Zugang zu wichtigen Märkten und Finanzierungen, was unsere Geschäftstätigkeit erheblich gefährdet“, betonte Debreu. Amerikanische Kunden hätten bereits erteilte Großaufträge zurückgezogen. Rating-Agenturen stuften das Unternehmen aufgrund des chinesischen Eigentümers herab, während Banken neue Kredite verweigern.
Das Management verfolgt nun ein klares Ziel: den Ausstieg des chinesischen Gesellschafters. Dies sei entscheidend, um das Wachstum zu beschleunigen und die lange Unternehmensgeschichte als systemischer Zulieferer der Automobilindustrie fortzusetzen. Der Insolvenzantrag wird als einzig verbliebene Option betrachtet, um die Kiekert AG zu restrukturieren und zukunftsfähig aufzustellen. dpa
Anfang September wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Wurst König GmbH & Co. KG eröffnet. Der Insolvenzverwalter berichtet über eine chaotische Ausgangslage. Fehlende Unterlagen, keine Buchhaltung und kein Kontakt zur Geschäftsführung machten den Fall besonders herausfordernd.