Aktion des ADFC

Hunderte Einzelschicksale: Interaktive Karte zeigt Fahrradunfälle in Hamm

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Eindrucksvolle Übersicht: Hinter jedem roten Punkt verbirgt sich ein Unfall-Schicksal. Der Link auf die „echte“ Karte findet sich im Artikel.
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Der ADFC in Hamm hat eine interaktive Karte erstellt, die (fast) alle Unfälle mit Fahrrädern eines Jahres zeigt, darunter auch Todesfälle. Eine ebenso ungewöhnliche wie eindrucksvolle Dokumentation.

Hamm - Unfälle von und mit Fahrradfahrern sorgen in der Regel für weniger Aufmerksamkeit als Unfälle von uns mit Autos und/oder Lkw. Womöglich auch deshalb, weil sie naturgemäß oft weit weniger spektakulär wirken. Doch auch hier verbergen sich hinter vielen dieser Vorfälle mitunter Dramen und Schicksalsschläge. Um auch diese einmal öffentlichkeitswirksam zu dokumentieren, hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Hamm eine eindrucksvolle Karte erstellt und veröffentlicht.

Diese Karte ist im Internet abgelegt und interaktiv nutzbar. Heißt: Dort werden Unfallschauplätze im ganzen Hammer Stadtgebiet mit Markierungen dargestellt, und wenn man eine solche anklickt, öffnet sich ein Textfeld mit den dazu passenden Informationen (was, wo, wann, wie etc.). Allein für das Jahr 2022 sind 176 Fahrradunfälle erfasst, 2 von ihnen gingen demnach sogar tödlich aus. Auch für die Jahre 2021, 2020 und 2019 gibt es jeweils eine eigene Karte mit allen erfassten Daten. Alle Karten lassen sich zur besseren Orientierung im Stadtgebiet zoomen.

Fahrradunfälle in Hamm: hohe Dunkelziffer

Wichtig: Diese „erfassten Daten“, die auf Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts basieren, sind sogar nur die Spitze des Eisbergs. So sind schon die Zahlen der Polizei - also alle dort angezeigten Unfälle - größer als die in der Karte gezeigten. Das liege daran, dass für diese nur Unfälle verwendet wurden, „die sich eindeutig georeferenzieren lassen“, erklärt Walter Hupfeld vom Hammer ADFC.

Er sagt auch: „Die Dunkelziffer gerade bei Alleinunfällen ist vermutlich sehr groß.“ Darüber könne er aber wenig sagen. „Ich habe von einer Studie der Universität Münster gelesen, dass die Anzahl der Fahrradunfälle dreimal so groß ist wie die polizeiliche erfassten Unfälle.“ Laut Polizei verunglückten übrigens 2022 in Hamm mehr Senioren mit dem Rad oder Pedelec als mit dem Auto.

Fahrradunfälle in Hamm: Beispiel Wilhelmstraße

Die ungewöhnlich detaillierte Aufarbeitung ermögliche „eine differenzierte Analyse der Unfälle und eine gezielte Priorisierung von Maßnahmen zur Verkehrssicherheit“, benennt der ADFC die Zielsetzung seiner Fleißarbeit. Sie könne „Grundlage für präventive Maßnahmen zur Unfallvermeidung sein”, so Hupfeld. Er benennt auch ein konkretes Beispiel: „Man betrachte nur das Unfallgeschehen auf der Wilhelmstraße - an der Kreuzung Lange Straße gab es 2022 zwei Abbiegeunfälle. Hier besteht aus Sicht des ADFC dringender Handlungsbedarf.“ Überhaupt passieren die meisten Fahrradunfälle im Bezirk Mitte, wie die Karten eindrucksvoll zeigen.

Eine Differenzierung nach Fahrradtypen erfolgt übrigens nicht. Ob Unfälle mit E-Scootern in der Statistik enthalten sind, sei unklar - „wahrscheinlich nicht“. Doch nicht nur für Radfahrer aller Art bietet die Kartenseite des ADFC erschreckend spannende Einblicke. Auf weiteren Ebenen schlüsselt der Club auch Unfälle mit den Schwerpunkten Pkw, Lkw, Kraftrad und Fußgänger auf. In der nächsten Version der App soll es für eine noch bessere Orientierung Filter für die in der Zahlenspalte angegebenen Kategorien geben, verspricht Hupfeld.

Die Stadt will den Radverkehr in Hamm massiv verbessern. Dazu sollen die elf Rad-Hauptrouten von der Innenstadt in alle Ortsteile mit Blick auf Sicherheit und Komfort überplant und aufgewertet werden.

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