Junge Intensivtäter im Visier

Handel begrüßt hartes Vorgehen in Hamm - Hausverbote im Allee-Center

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In der Geschäftswelt stößt die konzertierte Aktion von Polizei, Stadt Hamm und Staatsanwaltschaft gegen minderjährige Intensiv- und Mehrfachtäter auf Zustimmung.

Hamm – Die Strategische Fahndung, die Polizeipräsident Thomas Kubera in Hamm sowohl für einen ausgewählten Bereich der Innenstadt als auch für Teile des Bezirks Bockum-Hövel als Reaktion auf das Plus von Straftaten und das gewaltbereite Verhalten von minderjährigen Mehrfach- und Intensivtätern angeordnet hat, gilt zunächst bis zum 30. Mai. Danach ziehe man eine erste Bilanz und entscheide, ob der Einsatz dieses Instruments verlängert werde, sagte Polizeisprecherin Hannah Reineke.

Das Landespolizeigesetz erlaubt 28 Tage als maximalen ersten Zeitrahmen. Die Polizei werde mit dieser Maßnahme gezielten Fahndungsdruck ausüben. Reineke: „Dadurch sollen potenzielle Täter frühzeitig erkannt und daran gehindert werden, Straftaten zu begehen.“

Ein weiteres Ziel der Strategischen Fahndung sei die Suche nach Geschädigten. „Wir gehen davon aus, dass es ein Dunkelfeld gibt. Daher bittet die Polizei Personen, die Opfer von Straftaten geworden sind oder Erziehungsberechtigte, Taten zur Anzeige zu bringen“, so Reineke.

Junge Intensivtäter in Hamm: Handel findet neue Maßnahmen gut

Dem Sprecher des Beirats Einzelhandel, Matthias Grabitz, sind zwar aus den Inhaber geführten Betrieben der Innenstadt keine Übergriffe bekannt, wohl aber provokantes und flegelhaftes Verhalten im öffentlichen Raum und vor den Läden. „Der Aufenthalt ist an sich ja nicht verboten, aber ein solches Verhalten ist unangenehm für Passanten und Kunden“, sagte Grabitz. Mehr „Strenge“, die frühzeitig Einhalt gebiete, sei zu begrüßen.

Grundsätzlich halte ich das Vorgehen von Polizei und Stadt für richtig. Es sollte aber nicht der Eindruck entstehen, dass Hamm ein Einzelfall wäre.

Markus Haas, Allee-Center-Manager

Center-Manager Markus Haas bestätigte gegenüber dem WA für die Ladenzeile Platzverweise und Hausverbote im Allee-Center nach Pöbeleien und Herumschreien. Dies seien Verstöße gegen die Hausordnung. Der Sicherheitsdienst gehe konsequent vor und ziehe gegebenenfalls die Polizei hinzu. „Grundsätzlich halte ich das Vorgehen von Polizei und Stadt für richtig“, so Haas. „Es sollte aber nicht der Eindruck entstehen, dass Hamm ein Einzelfall wäre.“ Seiner Einschätzung nach handle es sich im Allee-Center zumeist um denselben Personenkreis. „Allein sind sie friedlich, in der Gruppe auffällig.“

Junge Intensivtäter in Hamm: Aus Angst werden Taten nicht angezeigt

80 Taten ordnete die Polizei in einer Auswertung von März 2022 bis März 2023 jugendlichen Intensiv- und Mehrfachtätern zu, 58 davon allein in der Innenstadt. Das Dunkelfeld dürfte um einiges größer sein. Aus Angst würden Taten nicht zur Anzeige gebracht.

Wie viele Fälle jugendlicher Intensivtäter die Stadt in den vergangenen Jahren selbst und durch private Träger betreuen ließ, wie erfolgreich dies war und in wie vielen Fällen auch von Hilfsangeboten an weiter entfernt gelegenen Orten Gebrauch gemacht wurde, will Oberbürgermeister Marc Herter terminlich bedingt erst in den kommenden Tagen persönlich erläutern.

Während der laufenden Abschlussprüfung hat eine Schülerin in Hamm einen Feueralarm ausgelöst. Einen akuten Anlass gab es dafür nicht. Aber eine schnelle Evakuierung und später eine hitzige Diskussion.

Rubriklistenbild: © Reiner Mroß

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