VonCedric Sporkertschließen
Wo genau die viel diskutierte K35n künftig herführen wird, ist zwar noch nicht entschieden. Die Bürger haben aber bereits einen klaren Favoriten unter den möglichen Varianten.
Hamm - Mit der K35n soll zwischen der Kamener Straße und der Rathenaustraße in Pelkum in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts eine komplett neue Straße gebaut werden. Während eines ersten öffentlichen Workshops in der Bürgerhalle wurden jetzt das Planungsverfahren, erste Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung und der angrenzende Multi Hub sowie der mögliche Verlauf der Straße vorgestellt. Der Überblick.
K35n: Nicht mehr nur Entlastungsstraße
Bereits 2009 hat der Rat den Bau der Straße beschlossen. Damals sollte der nördliche Teil der Weetfelder Straße entlastet werden. Mittlerweile kommt der K35n eine größere Bedeutung zu. Über die neue Straße soll das Millionenprojekt Multi Hub ans Straßennetz angebunden werden.
Auch für das künftige Creativ-Revier Heinrich Robert ist die neue Achse wichtig. Absehbar war das vor 14 Jahren noch nicht. Der Rangierbahnhof galt als Bahnknoten ohne Zukunft, politisch wurde bereits über Wohnen und Gewerbe auf der Fläche diskutiert. Auf Heinrich Robert wurde noch Kohle gefördert.
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Bis zu 10.500 Fahrzeuge am Tag
Dass trotz aller Bemühungen um eine Verkehrswende auch künftig neue Straßen benötigt werden, betonte Stadtbaurat Andreas Mentz. „Wir wünschen uns alle abnehmende Verkehre. Von der Realität ist das aktuell ein ganzes Stück weit entfernt. Das Gegenteil ist sogar der Fall. In Hamm steigen die Zulassungszahlen von Pkw.“
Im Mai oder Juni soll ein Verkehrsgutachten für die K35n vorliegen. Aktuell gehen die Planer davon aus, dass pro Tag zwischen 6.500 (ohne B63n) und 10.500 Fahrzeuge (B63n bis Hafenstraße) über die K35n rollen werden. Neun Prozent davon als Schwerlastverkehr.
Die Kosten für den Straßenbau werden zu 80 Prozent gefördert, den Rest zahlt die Stadt.
Multi Hub: 2026 soll der Teilbetrieb beginnen
DB Cargo, Stadt und ein Netzwerk weiterer Partner planen bekanntlich die Reaktivierung des brachliegenden Rangierbahnhofs als Logistikdrehscheibe zwischen Straße, Schiene und Wasserweg. Thomas Hesse, Geschäftsführer der Entwicklungsagentur, stellte das Projekt vor. Im südwestlichen Teil des 60 Hektar großen Areals soll ein Kranverladeterminal für Container entstehen.
Im nördlichen Teil sind ein Container-Depot, eine Instandhaltung für Lokomotiven und Wagen sowie Flächen für bahnaffine Unternehmen vorgesehen.
2026 soll der Teilbetrieb starten, 2028 nach dem Anschluss der K35n der Vollbetrieb. In der Zukunft soll die B63n neben der K35n die Verkehre zum Multi Hub lenken.
Vom Hafen aus sollen Güter über die Hafenbahn auf das Areal geschafft werden. Für die Querung der Hafenstraße, die in dem Zuge angesichts deutlich mehr Frequenz und nur eines verfügbaren Gleises umgeplant werden muss, gebe es aktuell verschiedene Varianten.
Planungen für K35n noch ganz am Anfang
Verschiedene Varianten gibt es auch für die K35n. Aktuell befindet sich das Projekt noch ganz am Anfang – in der Vorplanung. Bis die ersten Autos rollen, folgen drei weitere Planungsverfahren, das Genehmigungsverfahren und verschiedene Beteiligungen der Öffentlichkeit.
Für die nächsten Verfahrensschritte sind unterschiedliche Varianten identifiziert worden, die miteinander verglichen und auch mit Blick auf die Umweltverträglichkeit abgewogen werden sollen. Es gelte, den geringstmöglichen Eingriff vorzunehmen, betonten Mentz und Oberbürgermeister Marc Herter.
Bürger sprechen sich für Damm-Variante aus
Mit Abstand am besten kam bei den anwesenden Bürgern am Dienstagabend eine Variante an, die über den Damm des Lippeverbands verläuft, der den Wiescher Bach bis zur Kamener Straße führt. Der Lippeverband wird in den kommenden Jahren in dem Areal der Überflutungsflächen ohnehin Renaturierungsmaßnahmen durchführen, in deren Zuge der Damm verfüllt werden soll.
Dass auch eine Ertüchtigung der alten Weetfelder Straße samt möglicher Umgehung und eine Variante direkt durch die Wohnbebauung auf dem Daberg eingezeichnet sind, hat eher verfahrenstechnische Gründe. Diese Varianten dürften bei der weiteren Prüfung als erstes durchs Raster fallen.
Zwölf Fledermausarten und Kammmolche gefunden
Volker Stelzig vom gleichnamigen Büro in Soest stellte erste Ergebnisse der Umweltverträglichkeitsprüfung vor. Demnach gibt es in der Landschaft zwischen Kamener Straße und Rathenaustraße kaum Bereiche, die nicht in eine von drei Raumwiderstandsklassen eingeordnet sind.
Zwölf Fledermausarten seien gesichtet worden. In einem zusammenhängenden Cluster ist der Kammmolch zuhause. Außerdem gibt es etliche seltene Vogelarten, die dort brüten und Landschaftsschutzgebiete sowie wertvolle Böden.
Stelzig: „Einen Tod muss man sterben“
Das wichtigste Schutzgut sei allerdings der Mensch. „Wir gucken nicht als erstes nach dem Kammmolch“, versicherte Stelzig. „Es geht zuerst um die Belastung für die Menschen, die dort leben.“ Durch Ausgleichsmaßnahmen könne versucht werden, den Einfluss der Straße auf die Umwelt in vertretbarem Rahmen zu halten.
Stelzig betonte aber auch, dass man keine Straße durch die freie Landschaft bauen könne, ohne Konflikte auszulösen. „Einen Tod muss man sterben.“
Temporeduzierung auf Kamener Straße denkbar
Auch an den beiden Straßen, die die K35n verbinden soll, werden bauliche Veränderungen nötig sein. 600 weitere Lkw werden nach Angaben der Planer pro Tag zusätzlich über die Kamener Straße in Richtung A1 und A2 rollen, wenn die K35n gebaut ist. Die meisten davon wohl durch den Pelkumer Ortskern. Und das mindestens bis die B63n gebaut wird.
Wann das sein wird? Darauf haben die Verantwortlichen noch keine klare Antwort. Angesichts dieser zusätzlichen Belastung soll die Kamener Straße so modernisiert werden, dass die Lärmimmissionen so gering wie möglich ausfallen. Auch Temporeduzierungen sind denkbar.
Die Rathenaustraße muss in ähnlicher Bauweise wie die K35n ausgebaut werden. Diese sieht einen Fuß- und Radweg sowie eine Gesamtbreite von 16,5 bis 20 Meter vor. Der Ausbau soll von der alten Weetfelder Straße bis zum Anschlusspunkt des Multi Hubs erfolgen, der sich sehr wahrscheinlich in Höhe der Straße auf dem Daberg befinden soll.
Herter: „Es soll nichts hinter der Gardine bleiben“
Am Dienstag kamen rund 80 Anwohner und Interessierte in die Bürgerhalle. Nach der Vorstellung des Projektes war Zeit für Diskussionen und die Arbeit an Kartentischen. Mit bunten Pfeilen wurden Anmerkungen festgehalten. Regelmäßig sollen die Bürger über die weiteren Entwicklungen informiert werden. „Es soll nichts hinter der Gardine bleiben“, erklärte Herter.
Man wolle so transparent wie möglich sein, bekundete Mentz. Der Prozess solle auf Augenhöhe mit den Bürgern ablaufen. „Sie sollen erfahren, wo Sie sich einbringen und auch wehren können“, sagte der Stadtbaurat direkt an die Anwohner gerichtet.




