VonEva Burghardtschließen
Der Kaisergarten in Oberhausen ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Der Esel Fritz spielt in dessen Geschichte eine besondere Rolle.
Oberhausen – Eigentlich hätte Fritz sterben sollen. Der Esel stand schon auf dem Schlachthof, als er gerettet wurde. Sein Gnadenbrot erhielt er an einem besonderen Ort für die Stadt Oberhausen (NRW): Fritz war der erste offizielle Bewohner des Tiergeheges Kaisergarten nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwar stehen dort nicht wie in Wesel hunderte Esel im Stadtgebiet, aber noch heute hat Fritz für die Stadt eine besondere Bedeutung.
Esel Fritz hatte für den Kaisergarten in Oberhausen eine besondere Bedeutung
Über Fritz haben einige Oberhausener viel zu erzählen. So gibt es im Jahrbuch der Stadt aus dem Jahr 1985 einen Bericht über den Kaisergarten, der von dem Esel handelt. Der Campingplatz am Kaisergarten erzählt auf seiner Website von dem Esel und die Facebook-Seite „Oberhausener Geschichten“ berichtet in einem eigenen Beitrag vom Leben des Tieres. Im Ruhrgebiet wird das Leben von Huftieren offenbar sehr geschätzt: In Gelsenkirchen hat ein Pferd sogar ein eigenes Denkmal.
Bis heute leben im Kaisergarten in Oberhausen Tiere – heimische Haustierrassen und europäische Wildtiere. Manche von ihnen dürfen die Besucher sogar füttern. Das Tiergehege gilt als Publikumsmagnet in der großen Parkanlage mit den Wald- und Wiesenflächen.
Kaisergarten wurde während des Krieges zum Gemüseanbau genutzt
Den Kaisergarten gab es schon vor dem Zweiten Weltkrieg, heißt es in dem Beitrag „Unser kleiner Zoo“ im Jahrbuch der Stadt Oberhausen aus dem Jahr 1985. Demnach lebten damals mehr als 100 einheimische Tiere auf den 16 Hektar im Kaisergarten.
Doch mit dem Krieg kam die Armut. Die Gehege wurden abgerissen und das Gelände in kleinere Parzellen eingeteilt. „Viele Bürger sicherten mit dem Anbau von Gemüse das Überleben ihrer Familien“, heißt es in dem Bericht. Damit war der Kaisergarten für einige Jahre kein Naherholungsort mehr für die Oberhausener: Er sicherte vielmehr ihre Existenz.
So kam Fritz in den Kaisergarten nach Oberhausen
► Der Esel war eigentlich bereits zum Schlachter gegeben worden.
► Ein Politiker aus Oberhausen soll ihn dort entdeckt und Mitleid gehabt haben.
► Er nahm den Esel mit und brachte ihn in den Stadtgarten.
► Dort lebte Fritz ab dem Jahr 1954 und arbeitete für die Gärtner.
► Mit den Jahren wurde er immer anfälliger für Krankheiten, die Arbeit fiel ihm schwer.
► So bekam er sein eigenes Gehege und musste nicht mehr arbeiten.
► In einem Bericht heißt es, die Streicheleinheiten der Kinder in Oberhausen ließen ihn wieder aufblühen.
► Fritz starb 1974 im Alter von 50 Jahren.
Die ersten Tiere, die nach dem Krieg wieder im Kaisergarten grasten, waren Ajax und Lotte. Zumindest inoffiziell. Die beiden Pferde waren Nutztiere für die Mitarbeiter des Gartenbauamtes. An den Wochenenden waren sie auf ihren Koppeln und die „Lieblinge vieler kleiner und großer Bewohner“, heißt es in dem Bericht.
Esel Fritz wird der erste Bewohner im Kaisergarten nach dem Krieg
Dann kam das Jahr 1954 und mit ihm der Esel Fritz. Er war der erste offizielle Bewohner des Kaisergartens und erhielt in dem neuen Gehege sein Gnadenbrot. Wie es auf dem Facebook-Kanal von „Historisches Oberhausen“ heißt, wurde Fritz von einem Politiker der Stadt auf dem Schlachthof entdeckt.
Das Tiergehege im Kaiserpark
► Das Tiergehege ist Kaiserpark ist jeden Tag im Jahr geöffnet.
► Mit Beginn der Sommerzeit öffnet das Gehege um 10 Uhr und schließt um 19 Uhr.
► In der Winterzeit sind die Öffnungszeiten von 10 bis 17 Uhr.
► Die Eingangstore werden 30 Minuten vor Ende der Öffnungszeiten geschlossen.
► Der Eintritt ist kostenlos. Hunde müssen angeleint werden.
(Quelle: Tiergehege Kaisergarten)
Wie es in dem Beitrag heißt, hatte er Mitleid mit dem Tier und ließ es in den Kaisergarten bringen. Dort sollte Fritz den Gärtnern bei der Arbeit helfen. Doch das Wesen des Tieres ließ sich offenbar nicht immer mit dem Arbeitspensum vereinbaren. Fritz hatte keine Lust und verweigerte den Dienst. „Dann blieb nichts weiter übrig, als den beladenen zweirädrigen Eselkarren abzuspannen und längere Ruhepausen einzuschieben.“
Als Fritz stirbt, trauen viele Kinder um den Esel aus dem Kaisergarten
Mit den Jahren wurde Fritz aber immer anfälliger für Krankheiten. Die Arbeit fiel ihm schwer. Deswegen entschloss man sich damals, ihm im Kaisergarten ein eigenes Gelände einzurichten. „Hier blühte er unter den Streicheleinheiten der Oberhausener Kinder förmlich wieder auf“, heißt es bei „Historisches Oberhausen“.
Fritz wurde fast 50 Jahre alt. Er starb im Jahr 1974. „Es trauerten sehr, sehr viele Kinder um Fritz.“ Doch das sollte nicht das Ende der Esel-Ära im Kaisergarten sein. Heute leben dort Zwergesel, die nach Angaben des Kaisergartens zäh und gutmütig sind. Sie gelten als geduldig und besonders freundlich. (ebu)
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