VonBenjamin Strokaschließen
Die Massenschlägerei in Castrop-Rauxel soll laut Staatsanwaltschaft keinen Clan-Hintergrund gehabt haben. Vielmehr war wohl ein Streit unter Kindern der Auslöser.
Castrop-Rauxel – Sie gingen mit Eisenstangen, Dachlatten, Baseballschlägern und Messern aufeinander los. Mindestens sieben Menschen wurden verletzt, einer schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Die Massenschlägerei in Castrop-Rauxel hat in der vergangenen Woche bundesweit Schlagzeilen gemacht. Ein zunächst vermuteter Clan-Hintergrund soll aber nicht der Grund für die brutale Schlägerei mit über 50 Beteiligten gewesen sein.
Das teilte der zuständige Dortmunder Oberstaatsanwalt Carsten Dombert am Dienstag (20. Juni) mit. Den bisherigen Ermittlungen zufolge soll vielmehr ein Streit zwischen zwei elfjährigen Kindern der Auslöser für die Gewalt gewesen sein.
Kinderstreit sorgte für Gewalt-Eskalation in Castrop-Rauxel
Dombert zufolge sollen die beiden Kinder, ein elf Jahre alter Libanese und ein Syrer im gleichen Alter, im selben Mietshaus leben und aus einem banalen Alltagsanlass aneinandergeraten sein. Dieser Streit sorgte dann am 15. Juni aber für eine schockierende Eskalation, griff auf die libanesischen und syrischen Familien über und soll zu dem Massenkonflikt geführt haben. Er sehe hingegen keine Hinweise für einen Clan-Hintergrund – etwa Verteilungskämpfe im Milieu krimineller Familien, sagte Dombert.
Von 52 mutmaßlich Beteiligten seien Personalien festgestellt worden. Unter anderem würden zahlreiche Videos zum Ablauf ausgewertet, sagte der Staatsanwalt. Ein Syrer wurde bei der Massenschlägerei lebensgefährlich verletzt. Er befinde sich nach Angaben des Staatsanwalts aber nach einer Not-OP auf dem Weg der Besserung.
Staatsanwalt: Keine Hinweise auf Zusammenhang zwischen Essen und Castrop-Rauxel
Nur einen Tag nach der Gewalt-Eskalation in Castrop-Rauxel gab es auch eine Massenschlägerei im rund 30 Kilometer entfernten Essen. Es habe sich um gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen größeren Personengruppen mit syrischer und libanesischer Nationalität „an wechselnden Örtlichkeiten“ gehandelt, hatte die Essener Polizei mitgeteilt. Die Ermittlungen dazu laufen nach Angaben eines Polizeisprechers vom Dienstag noch.
Laut Oberstaatsanwalt Dombert sollen die Ermittlungen in Castrop-Rauxel bislang keine Hinweise für einen Zusammenhang mit den Schlägereien in Essen ergeben haben. Nur ein einziger mutmaßlicher Teilnehmer aus Castrop-Rauxel sei auch am Folgetag in Essen gesehen worden, so der Staatsanwalt.
NRW will nach Massenschlägereien härter durchgreifen
Am Mittwoch werden die Gewaltausbrüche im Ruhrgebiet, auch die Landespolitik in NRW beschäftigen. Im Innenausschuss des Düsseldorfer Landtags ist eine Sondersitzung geplant. Das Innenministerium hat die Massenschlägereien zusätzlich auf die Tagesordnung gehoben. NRW-Innenminister Herbert Reul hatte nach den Vorfällen angekündigt, jetzt stärker durchgreifen zu wollen.
„Es ist nicht hinnehmbar, wenn sich Männerhorden zusammenrotten und teils sogar bewaffnen, um andere einzuschüchtern oder anzugreifen“, sagte er der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Einmal mehr müsse die Polizei klarmachen: „Bei uns gilt das Recht des Staates und nicht das Recht der Familie“, sagte Reul. Bereits am Wochenende hatte es eine deutlich erhöhte Polizeipräsenz gegeben. Allein in Essen wurden nach Angaben der Polizei am Wochenende über 250 Menschen und mehrere Dutzend Fahrzeuge kontrolliert. Dabei wurden den Angaben zufolge Messer und Schlagwerkzeuge sichergestellt, die Polizei leitete mehrere Strafverfahren ein. (bs mit dpa-Material)
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