VonMarkus Hannekenschließen
Die Umstände des Kirmes-Unfalls in Hamm auf dem Stunikenmarkt 2022 sind nach wie vor offiziell ungeklärt. Wir haben bei der Polizei nachgefragt.
Hamm - Ein 58-jähriger Mann wurde am 16. September in Hamm auf dem Stunikenmarkt aus einer Gondel des „Love Express“ geschleudert und dabei schwer verletzt. Das habe nur passieren können, weil er während einer schnellen Rückwärtsfahrt unter der Sicherheitsstange seiner Gondel her gerutscht sei, sagt der Mann. Unterstützung für diese These erhält er zwar von seinen Begleitern. Doch auch einen Monat später ist diese durch Ermittlungen der Polizei offiziell noch nicht belegt.
Wie Polizeisprecherin Hannah Reineke am Mittwoch auf Nachfrage sagte, laufen die Ermittlungen und die Auswertungen noch. Man könne „aktuell noch keinen genauen Zeitraum nennen“, wann mit einer vorläufigen Bewertung zu rechnen sei.
Nach einem entsprechenden Zeugenaufruf vom 21. September hatten sich bei der Polizei mindestens sieben Personen gemeldet, die zum Geschehen Auskunft geben wollten. Die Vernehmungen ergaben aber offenbar kein einheitliches Bild, wie kürzlich zu erfahren war. Ausgewertet wurde zudem ein längeres Video, das laut Polizei zwar die betreffende Rückwärtsfahrt zeigt und dass der Mann tatsächlich aus dem Wagen „flog“ - nicht aber, wie das genau passierte.
Kirmes-Unfall in Hamm: Zeugin widerspricht Polizei
Eine Zeugin, die sich zwischenzeitlich beim WA meldete, widerspricht der Aussage der Polizei, dass die Qualität des besagten Videos „schlecht“ sei; ganz im Gegenteil sei sie sogar „super“. Sie habe es selbst professionell nachbearbeitet: In starker Verlangsamung sei immerhin deutlich zu sehen, dass das spätere Unfallopfer sich während zweier schneller Rückwärtsrunden „krampfhaft festhält“ und nicht während der Fahrt aufgestanden sei. Der Zeitpunkt des Unfall sei auf dem Video tatsächlich gar nicht zu sehen.
Eine 47-jährige Begleiterin hatte zwischenzeitlich Strafanzeige gegen den Betreiber des Karussells erstattet. Der „Love Express“ ist baugleich mit dem in Deutschland zig Mal eingesetzten „Musik-Express“ - eine Variante der früher sehr beliebten „Raupe“. Auf der „Sim-Jü“ 2022 in Werne wird der „Love Express“ wieder im Einsatz sein.
