VonMarkus Hannekenschließen
Fünf Tage nach dem folgenreichen, aber im Ablauf ungeklärten Unfall im „Love Express“ auf dem Stunikenmarkt hat die Polizei Hamm Ermittlungen aufgenommen. Es werden nun Zeugen gesucht.
Hamm - Ein 58-jähriger Hammer soll bei einer schnellen Rückwärtsfahrt im „Love Express“ - auch bekannt als „Musik-Express“ - am Freitagabend aus dem Wagen geschleudert worden sein; noch vor Ort wurde er mit einer schweren, blutenden Kopfverletzung behandelt. Mit ihm darin saßen eine 47-jährige und eine 21-jährige Frau, denen zufolge der Mann unter dem geschlossenen Sicherheitsbügel hergerutscht sein soll. Nachdem die Nachricht nun mehrere Tage öffentlich heiß diskutiert wurde, hat nun die Polizei die Aussagen des Unfallopfers und der älteren Begleiterin aufgenommen. Diese stellte auch Strafanzeige.
Um eine mögliche strafrechtliche Relevanz prüfen zu können, braucht die Polizei aber Aussagen eventueller Augenzeugen des Vorfalls auf dem Stunikenmarkt. Konkret: Wer am Freitag, 16. September, zwischen 21.30 und 22 Uhr am oder im „Love Express“ war und gesehen oder sogar gefilmt hat, wie der Mann aus dem Wagen geschleudert wurde, soll sich bei der Polizei melden. Die Telefonnummer lautet 02381/916-0, die Mailadresse hinweise.hamm@polizei.nrw.de. Der Fall ist aber auch deshalb ziemlich tricky, weil der eigentliche Vorgang nur einen Sekundenbruchteil dauerte und das Fahrgeschäft offenbar vernebelt war.
Unfall im „Love Express“: Ermittlungen mit Verzug
Der Verletzte wurde kurz nach dem Unfall von Sanitätern zur Versorgung seiner Verletzungen ins Marienhospital gebracht; er verblieb dort aber nicht stationär. Auch die 47-Jährige ließ sich ihre infolge des starken Fliehkraft-Drucks erlittenen schmerzhaften Prellungen tags drauf ärztlich bescheinigen.
Wie schnell die Bahn zum besagten Zeitpunkt tatsächlich unterwegs war, ist nicht bekannt. Den Worten von Betreiber Mischa Kreft zufolge befand sie sich bereits im Bremsmodus, zudem könne das vom TÜV zugelassene Tempo technisch nicht getoppt werden. Die Maximalgeschwindkeit sei ihm in km/h-Angaben nicht bekannt.
Ihre strafrechtlichen Ermittlungen nimmt die Polizei mit Verzug auf, weil die an jenem Abend anwesenden Beamten zwar zum Unglücksort gerufen worden waren, aber mangels entsprechender Informationen zunächst keine Hinweise oder Veranlassung hatten, die oben geschilderte These zu hinterfragen. Das erklärte Polizeisprecher Hendrik Heine gegenüber wa.de.
Unfall im „Love Express“: Was sagt der TÜV zu all dem?
Eine weitere Kernfrage gilt es überdies noch zu klären: Ist es tatsächlich möglich, dass unter besonderen Bedingungen eine normal gewachsene Person tatsächlich - so der Vorwurf - „wie ein Blatt Papier“ unter dem Sicherheitsbügel wegrutschen kann? Medienberichte über einen vergleichbaren Fall in einem der rund 50 aktiven baugleichen „Musikexpresse“ ließen sich mittels intensiver Onlinerecherche zumindest nicht finden.
Die relevanten Sicherheitsprüfungen sowohl im Vorfeld als auch jeweils vor Ort sind Sache der Experten des TÜV Nord. Die von der Redaktion angefragte Einschätzung der Sachverständigen ist aber erst am Donnerstag zu erwarten. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müsste ihr Vorgehen angesichts der Vielzahl dieser Fahrgeschäfte wohl auf ein neues Level gehoben werden.
Bei einem weiteren, besonders tragischem Unfall in Kirmes-Fahrgeschäft „Ghost“ wurde ein Besucher am Sonntag schwerst verletzt worden. Das wurde am Tag nach dem Ende der Innenstadtkirmes bekannt.
