VonEva Burghardtschließen
Kurz nach Ostern sperrt die KVB die Mülheimer Brücke für den Stadtbahnverkehr. Das hat erhebliche Auswirkungen – vor allem für Pendler. Ein Überblick.
Köln – Der Frühling beginnt, Ostern steht vor der Tür. Doch in diesem Jahr gibt es für die Kölner, die rechtsrheinisch wohnen, erst einmal wenig Grund zur Freude. Denn am Abend des 1. April beginnt um 22 Uhr eine umfangreiche Baumaßnahme der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Für rund sieben Monate wird dann die Mülheimer Brücke für den Auto- und Bahnverkehr gesperrt. Für Pendler bedeutet das eine große Umstellung. Aus kurzen Wegen, die nur wenige Minuten dauern, werden lange Strecken mit Umstiegen und Schienenersatzverkehr. Erst vor wenigen Tagen hatte die KVB ihre Fahrgastbilanz für das Jahr 2023 gezogen.
Brücke über den Rhein muss aufwändig saniert werden
Was steckt dahinter? Die Brücke zwischen dem rechtsrheinischen Köln-Mülheim und dem linksrheinischen Köln-Riehl muss saniert werden. Das sei „unvermeidbar“, wie die KVB mitteilt. „Wir müssen Teile des rund einen Kilometer langen Brückenzuges abbrechen und komplett erneuern“, heißt es in einer Mitteilung. Zuletzt war bereits bekannt geworden, dass der Umbau deutlich teurer wird als geplant. Die Sanierung ist in drei Phasen unterteilt.
In der ersten Phase hat die KVB nach eigenen Angaben den südlichen Bereich der Brücke saniert und verstärkt. Anfang des Jahres hat nun die zweite Phase der Sanierung begonnen. Dabei wird der gesamte Überbau der Stadtbahn erneuert. Seit Februar ist die Mülheimer Brücke für Autofahrer bereits einspurig. Sie ist nur für die Fahrtrichtung von Mülheim nach Riehl geöffnet. Der Verkehr wird über die rund drei Kilometer entfernte Zoobrücke am Kölner Zoo umgeleitet.
Sperrung ab Ostern – das sind die KVB-Einschränkungen
Ab dem 1. April um 22 Uhr wird der Bahnverkehr über die Brücke eingestellt. Das bedeutet, dass die KVB-Linie 13 und die KVB-Linie 18 zwischen den Haltestellen Slabystraße auf der linken Rheinseite und der Haltestelle Wiener Platz auf der rechten Rheinseite getrennt werden. Die KVB informiert über die konkreten Auswirkungen:
- Die KVB-Linie 13 fährt nur auf der linken Rheinseite zwischen den Haltestellen Sülzgürtel und Slabystraße. Rechtsrheinisch fährt die Linie 13 gar nicht.
- Die KVB-Linie 18, die sonst zwischen dem Stadtgebiet von Bonn und Brühl bis ins rechtsrheinische Mülheim fährt, verkehrt während der Baumaßnahme linksrheinisch nur bis zur Haltestelle Slabystraße und rechtsrheinisch zwischen der Haltestelle Wiener Platz und Thielenbruch.
- Die KVB-Linie 3 der Stadtbahn fährt während des gesamten Zeitraums der Baumaßnahme durchgehend zwischen der Haltestelle Görlinger Zentrum im Kölner Westen bis zur Haltestelle Thielenbruch in Köln-Mülheim.
- Die KVB-Linie 4 zwischen Leverkusen-Schlebusch und Köln-Bocklemünd fährt wieder im regulären Takt.
Für die Dauer der Baumaßnahme an der Mülheimer Brücke setzt die KVB außerdem zusätzliche Stadtbahnlinien ein. Wer zwischen April und November also eine Linie 14 oder 19 entdeckt, muss sich nicht wundern. Die sollen dazu dienen, das Verkehrsaufkommen abzufangen. Auch ein Ersatzbus wird eingesetzt.
Das sind die zusätzlichen KVB-Bahnen, die während der Baumaßnahmen im Einsatz sind
► Zur Verstärkung der KVB-Linie 4 fährt die KVB-Linie 14 zwischen der Haltestelle Keupstraße in Köln-Mülheim über die Severinsbrücke und die Haltestelle Neumarkt bis zum Ebertplatz.
► Montag bis Freitag (außer an Feiertagen) von 6 Uhr bis 9 Uhr fährt zusätzlich die KVB-Linie 19 zwischen der Haltestelle Klettenbergpark und dem Babarossaplatz sowie weiter über die Ringe (u.a. (H) Zülpicher Platz, Rudolfplatz und Friesenplatz) bis zur (H) Ebertplatz.
► Der Ersatzbus fährt als Linie 118 zwischen dem Wiener Platz in Köln-Mülheim, der Haltestelle Stegerwaldsiedlung, über die Zoobrücke zur Haltestelle Zoo/Flora sowie Neusser Str./Gürtel im 10-Minuten-Takt.
(Quelle: Kölner Verkehrs-Betriebe)
Die KVB zeigt sich also bemüht, das drohende Verkehrschaos durch die Sperrung der Mülheimer Brücke abzuwenden. Doch für die Anwohner in Köln Mülheim hat die Maßnahme dennoch drastische Auswirkungen. Wege, die sonst nur wenige Minuten dauern, werden durch die Sperrung deutlich länger.
Für Pendler verlängern sich die Wege innerhalb der Stadt
Ein Beispiel aus der Praxis: Wer derzeit vom Wiener Platz zum Kölner Hauptbahnhof möchte, nutzt vor allem die Linie 18. Die Fahrtzeit zwischen den beiden Haltestellen beträgt zwölf Minuten. Die 18 fährt regulär alle zehn Minuten und ist damit die schnellste und sicherste Verbindung.
Doch ab April fällt diese Verbindung weg. Reisende, die zum Hauptbahnhof wollen, müssen dann etwa vom Bahnhof-Mülheim zum Hauptbahnhof fahren. Damit sind sie aber nicht mehr auf die KVB, sondern auf die Deutsche Bahn angewiesen. Verspätungen und Ausfälle gehören dort zur Tagesordnung. Wer einen Anschlusszug am Kölner Hauptbahnhof erreichen möchte, sollte also zur Sicherheit einige Minuten mehr einplanen.
Deutlich längere Fahrtzeiten durch Sperrung der Mülheimer Brücke
Natürlich gebe es vom Wiener Platz auch die Möglichkeit den Ersatzbus der Linie 18 zu nehmen. Das würde bedeuten, zunächst mit dem Bus über die Zoobrücke auf die andere Rheinseite zu fahren, dort noch einmal in die 18 zu steigen und von dort zum Hauptbahnhof zu fahren. Wie lange die Fahrt dauert, ist nicht sicher vorherzusagen. Die KVB schlägt aber auch vor, einfach vom Wiener Platz in Mülheim bis zur Haltestelle Slabystraße zu laufen. Dort kann man wieder in die 18 steigen. Dauer des Fußwegs: Rund 20 Minuten.
Ähnlich unkomfortabel wird es auch für Personen, die von Mülheim etwa mit der Linie 13 bis nach Köln-Ehrenfeld fahren möchten. Momentan dauert eine Fahrt vom Wiener Platz bis zur Haltestelle Venloer Straße/Gürtel rund 16 Minuten. Doch die Linie 13 wird ausfallen. Also bleibt nur noch die Linie 4, die ebenfalls nach Ehrenfeld fährt. Fahrtzeit: 26 Minuten. Fast doppelt so lang.
Wie sich zeigt, bringt die siebenmonatige Sperrung der Mülheimer Brücke zahlreiche Unannehmlichkeiten für Pendler mit sich. So auch für Studierende, die etwa mit der 18 ins Univiertel fahren wollen. Normalerweise dauerte eine Fahrt mit der 18 dorthin knapp eine halbe Stunde. Jetzt ist der Weg nicht ohne Umstieg möglich. Dass sich auch hier die Fahrtzeit verlängert, ist wahrscheinlich.(ebu)
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