Berîvan Aymaz

Kölner Neumarkt in der Kritik – Aymaz fordert Wandel

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Berîvan Aymaz sieht dringenden Handlungsbedarf am Neumarkt. Die Drogenproblematik wächst, sagt sie. Ein Zürcher Modell soll Abhilfe schaffen.

Köln – Noch ist sie direkt gewählte NRW-Landtagsabgeordnete (Wahlkreis 18 Köln VI) und zweite Vizepräsidentin des NRW-Landtags, doch Mitte September 2025 will Berîvan Aymaz Geschichte schreiben: als erste Oberbürgermeisterin in Köln mit grünem Parteibuch, als Nachfolgerin der parteilosen Henriette Reker. Im Interview mit Ippen.Media zeigt die 53-Jährige klare Kante bei wichtigen Problemen der Domstadt – und sorgt mit kontroversen Vorschlägen für Diskussionsstoff. Zum Beispiel zur geplanten Ost-West-U-Bahn oder zur Drogenproblematik am Kölner Neumarkt.

Ost-West-Achse Köln: „Es hätte eine kostengünstigere Alternative gegeben“

Berîvan Aymaz (Grüne) will im September Oberbürgermeisterin von Köln werden.

Berîvan Aymaz positioniert sich sehr deutlich gegen das umstrittene Tunnel-Projekt auf der Ost-West-Achse. „Ich finde die Entscheidung zum Tunnel problematisch“, sagt sie im Gespräch mit Ippen.Media. „Auch wenn sie förderfähig sein sollte, sind hohe Folgekosten damit verbunden, die die Stadt dann selbst tragen muss.“

Stattdessen hätte es „eine schnellere, kostengünstigere Alternative gegeben: den oberirdischen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.“ Diese Position könnte bei Befürwortern des bereits beschlossenen Millionenprojekts auf Widerstand stoßen. Aymaz begründet ihre Haltung mit der angespannten Haushaltslage: „In den nächsten Jahren müssen wir darauf achten, dass wir nicht in die Haushaltssicherung kommen.“

Neumarkt: Drogenhilfe 24 Stunden, sieben Tage die Woche

Auch mit ihren Maßnahmen gegen Drogen-Elend und Verwahrlosung am Neumarkt dürfte sich Berîvan Aymaz nicht nur Freunde machen. Wer in Köln lebt, kennt diesen zentralen Ort – sei es als Platz, als Zugang zur Schildergasse oder als ober- unterirdischer Knotenpunkt der KVB. Es gibt Müll, die Zahl der Obdachlosen scheint zu steigen, auch die Drogenszene wird größer. Die Kandidatin fordert eine komplette Neuausrichtung der städtischen Drogenhilfe.

„Der Drogenkonsumraum am Neumarkt reicht nicht aus“, erklärt Aymaz. „Er hat sonntags nicht geöffnet, aber die Sucht der Menschen macht sonntags nicht Feiertag.“ Ihre Lösung: „Wir brauchen eine Ausweitung auf sieben Tage, 24 Stunden, ärztliche Versorgung.“ Als Vorbild für Köln nennt sie das „Zürcher Modell“ mit bedarfsgerechten Konsumräumen und engmaschigen sozialen Angeboten. „Ich möchte ein Pilotprojekt in Köln schaffen, um das Problem schnell und nachhaltig in den Griff zu bekommen.“

Baustellen-Chaos: „Rathausbarometer“ soll Transparenz schaffen

Ein zentrales Wahlkampfthema für Aymaz ist das Management von Bauprojekten. „Es gibt Baumaßnahmen, die viel zu lange dauern“, kritisiert sie. Ihre Antwort: „Optimierung von Prozessen und Controlling-Systeme, damit sie im Zeit- und Finanzplan bleiben.“

Konkret will sie ein „Rathausbarometer“ einführen, das Bürgern zeigt, wo die Stadt bei wichtigen Projekten steht. Ob Aymaz es schaffen würde, die Ansprüche von Bevölkerung mit dem mitunter schwer nachvollziehbaren Eigenleben der Verwaltung unter einen Hut zubringen? Sie will der Stadt einen Kulturwandel verordnen: „Ich will weg von einem ‚ist nicht machbar‘ hin zu einer Kultur ‚wie machen wir es gemeinsam möglich?‘“

Sparpolitik: Verzicht auf „unnötige Großprojekte“

Bei der Finanzpolitik zeigt sich Aymaz pragmatisch. Große Infrastrukturprojekte wird es „so pauschal nicht“ mehr geben, sagt sie. Ihre Priorität: „Erst einmal das zu unternehmen, was dringend notwendig ist und bei vielen Menschen ankommt – und auf unnötige Großprojekte zu verzichten.“ Das mag ein wenig an die Situation anderer Kommunen erinnern, die unter der Schuldenbremse ächzen. Der Unterschied: Aymaz will trotz knapper Kassen investieren – nur eben gezielter.

Köln als vielfältige Metropole: „Unfassbare Stärken“

Trotz aller Probleme sieht Aymaz Köln positiv. „Diese Stadt hat unfassbare Stärken – das haben wir zuletzt beim Christopher Street Day gesehen“, sagt sie. Ihre Vision für die Domstadt fasst sie in einem Slogan zusammen: „Eine funktionierende Stadt: Lebendig, vielfältig, respektvoll – mitten im Herzen Europas.“

Noch zeichnet sich keine klare Favoritin, kein klarer Favorit für die OB-Wahl in Köln am 14. September 2025 ab. Berîvan Aymaz werden zumindest Chancen zugerechnet. Entscheidend wird sein, wie viele Kölner in Aymaz‘ Vision der „funktionierenden Stadt“ eine reale Option sehen. Oder eher einen fernen Wunschtraum. (IDCGN/ZRQA)

Rubriklistenbild: © Peter Sieben

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