Agaplesion-Krankenhaus Holzminden

Krankenhaus-Insolvenz hat Auswirkungen auf NRW: „Keinerlei Perspektiven“

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Erst Salzkotten und Paderborn, jetzt Holzminden: Erneut hat ein Krankenhaus Insolvenz angemeldet. Besonders ein Landkreis in NRW wird die Folgen spüren. 

Holzminden - Der Schock über den Insolvenzantrag der St.-Vincenz-Krankenhaus GmbH in Paderborn ist kaum verdaut, da gibt es die nächste schlechte Nachricht für Menschen in Ostwestfalen: Das evangelische Agaplesion Krankenhaus im niedersächsischen Holzminden hat Insolvenz angemeldet.

LandkreisHöxter
RegionOstwestfalen-Lippe
BundeslandNordrhein-Westfalen

Insolvenz des Krankenhauses in Holzminden hat Auswirkungen auf NRW

Das Krankenhaus ist nur einen halben Kilometer von der Weser und damit von der Grenze zu Nordrhein-Westfalen entfernt und eine wichtige Säule der Gesundheitsversorgung auch für Bewohner im angrenzenden NRW-Landkreis Höxter. Bedeutung für die Region entfaltet die Klinik auch als Arbeitgeber. Mehr als 400 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen.

„Leider können wir unter den aktuellen gesundheitspolitischen Voraussetzungen, die keinerlei Perspektiven bieten, den Krankenhausbetrieb in Holzminden nicht länger aufrechterhalten.“ Mit diesen Worten wird Dr. Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender des Mehrheitsgesellschafters Agaplesion gAG, in einer Mitteilung von Montag (21. August) zitiert. Der Insolvenzantrag wurde demnach bereits am Samstag beim Amtsgericht Holzminden eingereicht.

Das ist Agaplesion

Zum Agaplesion-Konzern gehören nach eigenen Angaben deutschlandweit mehr als 100 Einrichtungen, darunter 22 Krankenhausstandorte mit 6.443 Betten, 39 Wohn- und Pflegeeinrichtungen mit 3.524 Pflegeplätzen, fünf Hospize, 34 Medizinische Versorgungszentren, sieben Ambulante Pflegedienste und eine Fortbildungsakademie. Die alleinigen Aktionäre der Agaplesion gAG mit Sitz in Frankfurt/Main sind verschiedene traditionsreiche Diakoniewerke und Kirchen.

Krankenhaus-Insolvenz in Holzminden: Konzern sieht „keinerlei Perspektiven“

„Wir haben in den letzten Jahren nichts unversucht gelassen, um unser Krankenhaus in Holzminden unter schwierigsten Bedingungen wirtschaftlich zu stabilisieren“, heißt es in der Agaplesion-Mitteilung weiter. Eigenen Angaben zufolge hat der Gesundheitskonzern in den vergangenen Jahren mehr als 15 Millionen Euro in das Krankenhaus in Holzminden investiert. In den vergangenen Monaten habe sich aufgrund der inflationsbedingten Kostensteigerungen die wirtschaftliche Situation enorm zugespitzt.

Der Gang in die Insolvenz bedeutet nicht automatisch das Aus für ein Unternehmen, wie das Beispiel des Schuhhändlers Reno zeigt. Der Landkreis möchte helfen, das Krankenhaus im Zuge des Insolvenzverfahrens zu retten. Agaplesion versprüht in seiner Mitteilung wenig Hoffnung. Holzminden sei vom „Krankenhaussterben“ betroffen, heißt es darin.

Die Lage der St.-Vincenz-Krankenhaus GmbH in Paderborn, die Ende Juli einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung stellte, ist hoffnungsvoller. Dort will sich das Unternehmen mit seinen Kliniken in Paderborn und Salzkotten neu aufstellen und spätestens im Laufe der ersten Jahreshälfte 2024 über ein sogenanntes Planverfahren „vollständig sanieren“.

Rubriklistenbild: © Patrick Seeger/dpa/Illustration

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