VonFrank Zachariasschließen
Die Vielzahl mutmaßlicher Wolfsrisse im Märkischen Sauerland hat nun doch Folgen: Ab sofort sind auch Meinerzhagen, Halver und Lüdenscheid Teile eines „Wolfsgebiets“
Meinerzhagen/Lüdenscheid – Am Mittwoch teilte das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr in Düsseldorf mit, dass auch Halter von Herden in dieser Region künftig von Förderangeboten für den Herdenschutz profitieren sollen. Hierzu hat das Umweltministerium nun unter anderem das neue Fördergebiet „Märkisches Sauerland“ ausgewiesen. Zusätzlich wird eine großräumige Pufferzone eingerichtet, in der ebenfalls Herdenschutzzäune gefördert werden.
Für Halter bedeutet das konkret, dass das Land bis zu 100 Prozent der Kosten für investive Herdenschutzmaßnahmen übernimmt. Das können Zäune sein, kann aber auch – unter bestimmten Voraussetzungen – die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden beinhalten. Auch in diesem Jahr stünden bis zu zwei Millionen Euro für Maßnahmen nach den Förderrichtlinien für den Herdenschutz zur Verfügung. Um Tierhalter über Herdenschutzmaßnahmen und Förderangebote zu informieren, seien in den neuen Fördergebieten – neben dem Märkischen Sauerland wurde auch die Dümmer-Geest-Niederung ausgewiesen – Informationsveranstaltungen geplant.
Wolfsriss zuletzt im August
Umweltminister Oliver Krischer verspricht aber mehr: „In Nordrhein-Westfalen werden wir die Wolfsverordnung und die Herdenschutz-Förderung zeitnah weiterentwickeln und praxisgerechtere Regelungen schaffen.“ Eine Ankündigung, die auch Landwirte wie Horst Klinker aus Meinerzhagen zur Kenntnis nehmen dürfte, wenngleich er sich nach dem Fund eines gerissenen Jungtieres Anfang August skeptisch gegenüber jeglichen Schutzvorrichtungen zeigte. Damals sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wenn ich meine fast 13 Hektar große Fläche komplett einzäunen würde, würde da kein Rehwild und kein Hase mehr durchkommen. Da muss sich auch der Naturschutz die Frage gefallen lassen, ob wir Zäune bauen wollen wie in der DDR. Im Endeffekt müssten die Zäune nämlich genauso aussehen.“
Klinker hält – wie so viele andere Landwirte in der Region – Milchvieh. Priorität soll laut Umweltminister Krischer aber zunächst die Unterstützung der Schäfer beim Herdenschutz haben. Was genau das bedeutet, bleibt in der Stellungnahme des Ministeriums unklar. Das alleine reicht aber offenbar nicht. „Wir müssen aber auch zu praxisgerechteren Regelungen im Umgang mit problematischen Wölfen kommen“, so Krischer, der eine entsprechende Initiative des Bundes begrüßt. „Wir haben es mit einzelnen Tieren zu tun, die sehr geschickt Herdenschutzmaßnahmen überwinden. Dagegen müssen wir etwas tun, um die Akzeptanz für den Wolf insgesamt zu erhalten.“
Fördergebiete für die Herdenschutzförderung werden ausgewiesen, wenn Wölfe in einer Region mehrfach nachgewiesen wurden und ein Territorium gebildet haben. Im Monitoringjahr 2022/2023 wurden in Nordrhein-Westfalen fünf besetzte Wolfsterritorien registriert, darunter auch das Ebbegebirge. Damit lebe in NRW rund ein Prozent des deutschlandweiten Wolfsbestandes, wie es vonseiten des Ministeriums heißt. Wie für alle Bundesländer sei auch für Nordrhein-Westfalen davon auszugehen, dass zusätzlich sporadisch einzelne durchwandernde Wölfe auftreten, die tage- oder wochenweise in Nordrhein-Westfalen verbleiben.
Allein im Märkischen Kreis gab es eine ganze Reihe von Vorfällen und Sichtungen, zuletzt eben jenen Riss auf dem Land von Horst Klinker in Werkshagen in der Nacht vom 3. auf den 4. August, nur fünf Wochen nach einer Sichtung an derselben Stelle. Am 1. Mai hatte ein Jäger an der Jubachtalsperre in Kierspe ein Tier beobachtet, woraufhin das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) anhand vorliegender Fotos bestätigte, dass es sich um einen Wolf handelte. Am 16. April wurde ein Wildriss in Herscheid nachweislich von einem Wolf verursacht, und am 4. April wurde in Plettenberg Damwild gerissen. Auch hier gilt der Wolf nachgewiesenermaßen als Verursacher. Hinzu kommen Vorfälle aus dem Jahr 2022: Am 3. und 17. November waren Wildtierrisse in Halver und Meinerzhagen gemeldet worden, am 15. September wurde der Wolfs-Nachweis anhand eines Schafsrisses in Lüdenscheid erbracht. Nach Angaben des Lanuv konnte bei allen Fällen (mit Ausnahme der reinen Sichtung in Kierspe) DNA einer Wölfin mit der Kennung GW2856f nachgewiesen werden. Nach den bundeseinheitlichen Monitoringstandards gilt das Tier jetzt als territorial, weil es länger als sechs Monate im selben Gebiet individuell nachgewiesen wurde.
In einer ersten Stellungnahme begrüßte der CDU-Landtagsabgeordnete Ralf Schwarzkopf die Maßnahme. Zugleich mahnte er aber auch, einen Schritt weiterzudenken. „Die Förderrichtlinie muss praktikabler werden und sich den Bedürfnissen der Tierhalter in unserer Region anpassen“, sagte Schwarzkopf, der sich über eine entsprechende Ankündigung des Umweltministeriums aber freut. Schwarzkopf wolle sich dafür einsetzen, dass die Population des Wolfes in NRW besser reguliert und auffällige „Problemwölfe“ rechtssicher „entnommen“ werden können.
