VonTamara Buckenauerschließen
Ein Weihnachtsbaum ohne Tanne? In Soest sorgt die neue Lichtinstallation auf dem Marktplatz für Gesprächsstoff. Doch die Meinungen der Besucher sind gar nicht so negativ.
Soest – Nachdem bekannt wurde, dass es in diesem Jahr keinen echten Tannenbaum auf dem Weihnachtsmarkt geben wird, sondern „nur“ eine Lichtinstallation, gab es viele Diskussionen. Die Empörung über diese unechte Alternative war im Vorfeld bei vielen Soestern groß. Wie wird der neue Baum nun, da er steht und leuchtet, von den Besuchern angenommen?
Mehr Charme als erwartet: Positives Feedback zu Ersatz-Tannenbaum
Wer hier vorbeikommt, wirft einen Blick auf die helle Lichtinstallation. Immer wieder werden Handys gezückt, Handschuhe für ein Foto ausgezogen, Kinder werden zum Posieren aufgestellt. Ein beliebtes Fotomotiv ist der Ersatztannenbaum also durchaus. „Guck mal, der Baum, über den ganz Soest diskutiert hat“, sagt eine Besucherin im Vorbeigehen zu ihrer Begleitung. Ständig bleiben Gruppen vor der 14,5 Meter-hohen Alternative stehen und beraten sich eifrig. Der Ersatzbaum bleibt also offenbar ein Thema. Doch von den negativen Wellen, die die Diskussion im Vorfeld geschlagen hat, ist am Donnerstagabend auf dem Marktplatz wenig zu spüren. „Ich finde ihn schön“, ist der kurze und eindeutige Satz, der am häufigsten von den Weihnachtsbaum-Besuchern zu hören ist.
Maike Trompeter aus Iserlohn ist an diesem Abend mit ihrem Mann auf dem Weihnachtsmarkt zu Besuch. Von der Empörung über die Alternative hat sie nichts mitbekommen und schüttelt nur den Kopf, als sie davon hört. „Ist es ein echter Baum, meckern die einen, ist es kein echter Baum, meckern die anderen. Man kann es nie allen recht machen“, bringt es die Iserlohnerin auf den Punkt. Die Lichtinstallation gefällt ihr, sie werfe ein schönes Licht auf die umliegenden Fachwerkhäuser.
Die Gründe überzeugen
Ähnlich sieht es eine Gruppe von vier Freunden aus Soest, die die Unruhe zwar mitbekommen und auch einige kritische Stimmen aus dem Bekanntenkreis gehört hat. Doch die Gründe für die Entscheidung überzeugen sie. „Diese Installation ist einfach zeitgemäß und modern“, sagt einer aus der Gruppe, ein anderer pflichtet ihm bei: „Das hier ist doch nachhaltiger und man spart eine Menge Geld.“ Dabei spielt er auf die fünfstellige Summe an, die für Baum, Kran, Transport und dessen Absicherung mit Polizeibegleitung in den vergangenen Jahren fällig war.
Doris Herting und Anika Leuthardt arbeiten in Soest und schlendern nach Feierabend über den Marktplatz. Auch sie bleiben vor der großen Ersatztanne stehen und begutachten sie. Als eine „schöne Lösung“ bezeichnen sie diese. Sie sehe zum einen gut aus, leuchte schön und sei auch nachhaltig. „Für das fehlende Grüne sind ja einige Tannen um den Ständer platziert.“
Im ersten Moment gewöhnungsbedürftig
Im ersten Moment irritiert von dem neuen Anblick war Michael Lütge-Hedtmann. Der Schausteller ist mit seinem historischen Karussell mitten auf dem Marktplatz platziert, erlebt den Baum also tagtäglich aus nächster Nähe. „Als ich den Aufbau gesehen habe, habe ich mich schon ein wenig erschrocken. Es sah sehr gewöhnungsbedürftig aus“, gibt er zu. Der graue Stab hätte schließlich nicht gerade weihnachtlich gewirkt. „Doch jetzt, wo er steht, gewöhne ich mich langsam dran.“ Zwar würde ein echter Tannenbaum schon nochmal anders wirken, doch „man muss neuen Dingen manchmal auch einfach erstmal eine Chance geben.“
„Mir persönlich fehlt einfach ein bisschen Farbe. Zu Hause hänge ich ja auch nicht nur die Lichterkette an den Weihnachtsbaum und bin fertig mit Schmücken. Vielleicht ein paar rote Kugeln oder gelbe Sterne zwischen die Lichterketten, das fände ich schön“, sagt der Schausteller. „Aber daran kann man ja noch arbeiten. Auf jeden Fall ist die Alternative nachhaltig und spart Geld, das ist ja im Sinne aller.“ Feedback von Besuchern habe er bisher nicht bekommen, weder positiv noch negativ.
Vor allem in den sozialen Medien, aber auch in Leserbriefen an die Redaktion war die Empörung teilweise groß, viele Soester waren im Vorfeld verärgert über den fehlenden Weihnachtsbaum. Am Donnerstagabend zeigte sich die Mehrheit der Besucher angetan. Ein Effekt übrigens, den die Veranstalterin des Weihnachtsmarkts, die WMS, genau so hat kommen sehen...

