Bundestagswahl 2025

„Mehr NRW in Berlin“: Arnd Hilwig (CDU) nimmt zum zweiten Mal Anlauf auf den Bundestag

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Lieblingsort Lippeaue: Der Erlebensraum gefällt Hilwig in Hamm besonders gut. Das Foto entstand aber ein paar Meter stadteinwärts auf dem Chattanoogaplatz, mit Blick auf den Pauluskirchturm.
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Zum zweiten Mal stellt sich Arnd Hilwlg als Direktkandidat im Wahlkreis Hamm-Unna II zur Wahl. Nach der Niederlage 2021 soll es dieses Mal klappen.

Hamm – Es ist sein zweiter Versuch. Schon vor vier Jahren wollte Arnd Hilwig in den Bundestag. Damals war der Abstand zu Michael Thews deutlich. Das soll dieses Mal anders werden. Der Unions-Kandidat rechnet sich gute Chancen aus, bei der Bundestagswahl am 23. Februar vorne zu liegen.

Der Bundestrend spricht zumindest für die Union. „Die allgemeine Unzufriedenheit mit der Ampel müsste sich ja durchaus im Wahlergebnis widerspiegeln“, meint Hilwig. „Auch in einer traditionell sozialdemokratisch regierten Gegend wie dieser hier.“

Wahlkreis Hamm-Unna II: CDU-Direktkandidat Arnd Hilwig will in den Bundestag

Hilwig hat da Erfahrung. Der 51-Jährige stammt aus dem tiefroten Nordhessen, ist auf einem Bauernhof aufgewachsen. Er habe „gestalten und mitentscheiden wollen“, und zwar in der CDU. Die ersten Schritte machte er damals noch in Hessen. Dann kamen Wehrdienst, Jura-Studium und Referendariat in Niedersachsen.

Nach Hamm hat es ihn seiner Ehefrau wegen verschlagen; die beiden leben mit vier Kindern in Heessen. Von dort ist er zunächst nach Münster gependelt, wo er an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung gelehrt hat. Seit 2023 leitet er das Hauptzollamt in Bielefeld.

Hilwig bereits seit 15 Jahren in der Politik in Hamm aktiv

In der Hammer Politik mischt Hilwig seit mehr als 15 Jahren mit. Erst in der Heessener Bezirksvertretung, dann im Rat und als Kreisvorsitzender seiner Partei. Den Fraktionsvorsitz im Rat hatte Hilwig 2023 niedergelegt, aber praktisch läuft dort wenig ohne ihn. Bei der Landtagswahl 2017 ging er leer aus, hält sich aber zugute, den Abstand auf den damaligen Landtagsabgeordneten Marc Herter halbiert zu haben.

Und warum jetzt nach Berlin? Hilwig fällt natürlich auf Anhieb einiges ein, was er in der Hauptstadt für Hamm tun könnte. Die Ruhrgebiets-Städte von ihren Altschulden zu befreien. Mehr Geld für die Städtebauförderung lockermachen. Und die großen Infrastrukturprojekte umsetzen: Autobahn 445, Bundesstraße 63n und die Reaktivierung des Rangierbahnhofs.

In Sachen Wirtschaft hat Hilwig das klassische CDU-Wahlkampfrepertoire parat: mehr Wachstum, dafür weniger Steuern und Bürokratie. Und er will wieder mehr Bundesmittel für die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen bereitstellen. Die waren von der Ampel-Regierung zusammengestrichen worden, was Hilwig bereits als Ratsherr gegeißelt hatte.

Arnd Hilwig gehörte zum Merkel Flügel der CDU – aber verteidigt Merz

Arnd Hilwig im Gespräch in der WA-Redaktion.

Wachstum ist für Hilwig auch der Hebel, um all diese Dinge bezahlen zu können. Die deutsche Wachstumsschwäche hat für ihn gar nicht so viel mit den großen globalen Themen zu tun. Sondern mit den schlechten Rahmenbedingungen hierzulande – Stichwort Energiekosten, Planungszeiten, Steuerbelastung. Dass die Wirtschaft in Nachbarländern wie Frankreich, den Niederlanden und Polen zuletzt um 4 Prozent zugelegt hatte, zeige doch nur, dass es untern den richtigen Bedingungen in Europa eben doch gehe.

Das Bürgergeld will Hilwig nochmal genau unter die Lupe nehmen, der Abstand zwischen Lohn und Leistungsbezug stimmt für ihn nicht. Und auch eine Eindämmung der illegalen Migration würde seiner Einschätzung nach Kosten im Milliardenbereich senken.

Hilwig gehörte immer zum liberalen CDU-Flügel um Angela Merkel und Thomas Hunsteger-Petermann. Friedrich Merz‘ Kurswechsel und die umstrittene Abstimmung im Bundestag, bei der der Kanzlerkandidat die Stimmen der AfD in Kauf nahm, verteidigt er trotzdem.

Rund 300 Zuschriften habe er in den folgenden Tagen bekommen, sagt Hilwig. Überwiegend zustimmende. Auch an den Wahlkampfständen sei es das beherrschende Thema. Lehrer und Erzieherinnen sprächen ihn darauf an, ganz oft auch junge Frauen. Kritik gebe es wohl an Merz‘ Zuspitzung, aber nicht am Ziel, einen anderen Weg in der Migrationspolitik einzuschlagen.

„Für mich in besonderer Weise“: Hilwig unterstreicht AfD-Unvereinbarkeit

Zur AfD will er dann doch noch etwas sagen: Eine Partei, die Björn Höcke in ihren Reihen halte, die Gleichberechtigung ablehne, aus Europäischer Union und Nato austreten wolle, könne niemals Kooperationspartner der Union sein, ein Koaltionspartner schon gar nicht. Er habe den Unvereinbarkeitsbeschluss mit beschlossen. Der gelte, „und das gilt für mich in besonderer Weise.“

Dass die Diskussion um die Migrationsfrage zuletzt sehr hitzig war, findet Hilwig gar nicht so schlecht. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Parteien seien da noch einmal deutlich geworden. Wobei sich die Wählerinnen und Wähler aus seiner Sicht ohnehin weniger für das Abstimmungsverhalten im Bundestag als für konkrete Problemlösungen bei Wohnungsbau und Wirtschaftslage interessieren.

„Mehr Nordrhein-Westfalen in Berlin“: Lobende Worte für Schwarz-Grün im Land

Und mit wem könnte die Union all diese Probleme lösen? Zuletzt hatten mehrere Parteien ja vor allem definiert, mit wem sie garantiert nicht zusammengehen wollen. Hilwig sagt, den Wählerinnen und Wählern sei wohl klar, dass die Welt nach dem Wahltag anders aussehe. Die Union müsse dann sehen, mit wem die Schnittmengen am größten seien.

Und Arnd Hilwig spricht anerkennend über die schwarz-grüne Koalition in der Landeshauptstadt Düsseldorf, die ruhige Arbeitsatmosphäre und das Vertrauen dort. Dass die bayerische Schwesterpartei eine Koalition mit den Grünen ausgeschlossen hat, ficht Hilwig nicht an. Man brauche „mehr Nordrhein-Westfalen in Berlin“.

Direktkandidaten für die Bundestagswahl 2025

Ein Porträt über Michael Thews (SPD), dem aussichtsreichsten Mitbewerber im Wahlkreis Hamm-Unna II, finden Sie hier.

Einen Überblick über alle Direktkandidaten des Wahlkreises finden Sie hier.

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