VonMaximilian Gangschließen
Seit 12 Jahren vertritt Michael Thews den Wahlkreis Hamm-Unna II im Bundestag. Nun hofft er auf das Vertrauen der Wähler für vier weitere Jahre.
Hamm – Mit seiner Bilanz hält Michael Thews nicht lange hinterm Berg. Im Gespräch holt der Sozialdemokrat ein Bündel Zettel aus seiner knallroten Umhängetasche und trägt vor: fünfeinhalb Millionen Euro für den Maxipark, knapp sechs Millionen Euro für die Revitalisierung des Rangierbahnhofs, zusammengerechnet knapp fünf Millionen aus dem Krankenhausfond für das Evangelische Krankenhaus und das St.-Marien-Hospital in Hamm.
Insgesamt seien in der aktuellen Legislaturperiode fast 150 Millionen Euro aus den Fördertöpfen des Bundes in seinen Wahlkreis geflossen. Als Mitglied des Haushaltsausschusses habe er sich „gekümmert“, sagt Thews. Und wenn es nach ihm geht, soll es nach der Bundestagswahl nahtlos so weitergehen.
Wahlkreis Hamm-Unna II: SPD-Direktkandidat Michael Thews will erneut nach Berlin
Man merkt schnell, dass Thews mit seiner Arbeit in Berlin zufrieden ist. Und seiner Meinung nach sind es viele der rund 230 000 Wahlberechtigten, die er im Parlament vertritt. Am 23. Februar stellt er sich bereits zum vierten Mal als Direktkandidat der SPD zur Wahl.
Und bereits zum dritten Mal muss er es schaffen, die Menschen in Hamm, Lünen, Werne und Selm von seinem Wirken in der Hauptstadt zu überzeugen. Platz 43 auf der Landesliste macht einen Einzug über die Zweitstimme alles andere als wahrscheinlich. Das ist ihm klar: „Ich bin aber auch stolz darauf, dass ich immer direkt von den Menschen in meinem Wahlkreis gewählt wurde und bleibe optimistisch.“
Zwischen Hausmann und Haushaltsausschuss: „Kochen, putzen, Kindertheater“
Dieser Grundoptimismus könnte der Vita des heute 60-Jährigen entspringen, irgendwie ist es immer gut gegangen: Angefangen im Elternhaus, als ein Experimentierbuch sein Kinderzimmer zum Labor für „vielleicht auch gefährliche Experimente“ machte. Passend dazu folgte später das Studium zum Diplom-Chemieingenieur, Thews ist einer der ersten Akademiker in seiner Familie.
Mit 22 Jahren wurde er Vater. Vor dem politischen Parkett war er unter anderem als Umweltbeauftragter und Prokurist bei der Innovatherm GmbH in Lünen tätig. Zwei Jahre aber auch Hausmann: „Kochen, putzen, Kindertheater, Vorsitzender des Elternrats im Kindergarten. Diese Zeit beeinflusst noch heute das Verhältnis zu meinem Sohn.“
Schloss Oberwerries als Foto in Thews‘ Büro in der Hauptstadt
Anders als sein Vater ist der Sprössling kein Politiker geworden, schraubt als Mechatroniker-Meister lieber an Technik statt an den Geschicken der Bundesrepublik herum. Ganz anders seine Ehefrau Michaela Engelmeier. Die 64-Jährige saß zwischen 2013 und 2017 selbst für die SPD im Bundestag und ist heute Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland.
Kennengelernt haben sich die beiden auf einer Dampferfahrt, nach zehn Jahren Partnerschaft folgte im vergangenen Jahr die Hochzeit in Lünen. Gerne hätte er auch im Schloss Oberwerries geheiratet, erzählt Thews. In Berlin habe er das historische Bauwerk immer dabei – als Foto an der Wand seines Büros.
Der gebürtige Bremerhavener kehrt nach harten Arbeitswochen in der Hauptstadt gerne zu den westfälischen Gepflogenheiten zurück. Seit dem Kindesalter ist Thews Mitglied in Schützenvereinen, noch heute in Nord-Lünen. „Am Anfang habe ich auch sportlich geschossen und hin und wieder auch gewonnen. Wenn ich jetzt zum Beispiel zu einem Schützenfest gehe, bin ich dort in der offiziellen Funktion als Abgeordneter und trage bewusst keine Uniform.“
Thews zeigt klare Kante gegen AfD: „Hat sich auch für Herrn Höcke entschieden“
In den vergangenen Wochen verbrachte der 60-Jährige naturgemäß deutlich mehr Stunden in seinem Wahlkreis. Ganz klassisch klapperte er Haustür um Haustür ab, um Wähler von seinen Plänen zu überzeugen. Bei den meisten kommen seine Ideen für die Region auch gut an, sagt der Sozialdemokrat. Hier und da gebe es zwar einen abfälligen Spruch, wirkliche Anfeindungen seien trotz der gesellschaftlich aufgeladenen Stimmung aber selten.
Anders die Erfahrungen, die seine Ehefrau 2017 machen musste. Nach einem Interview zum Wahlerfolg der AfD war Engelmeier damals massiv angegangen worden, erhielt gar Morddrohungen. Abgeschreckt hat Thews das nicht. Auch er zeigt klare Kante gegen die Rechtspopulisten: „Wer Funktionär in dieser Partei ist, hat sich auch für Herrn Höcke entschieden, der hat sich auch für eine Frau Weidel entschieden und für die ganzen rechtsradikalen und rassistischen Gruppen, mit denen die AfD gemeinsame Sache macht.“
Sollte es zu einem weiteren Mandat kommen, will der 60-Jährige erneut in den Haushaltsausschuss und sich dort dafür einsetzen, dass auch in Zukunft Bundesgelder in seinen Wahlkreis fließen. Wofür konkret, entscheide in erster Linie die Politik vor Ort und die Verwaltung. „Am Anfang der Legislatur habe ich immer ein Gespräch mit den Bürgermeistern geführt und meine Unterstützung angeboten.“ Gerade bei stark nachgefragten Fördergeldern sei es nicht immer leicht, eine Zusage zu erreichen, betont Thews. „Das war für mich aber immer ein Ansporn, hier am Ball zu bleiben.“
Staatssekretär oder Minister? „Herausforderungen nehme ich gerne an“
Neben Themen wie einer Verlängerung der Mietpreisbremse, einem Mindestlohn von 15 Euro und dem Altschuldenschnitt sei auch sein Steckenpferd, die Kreislaufwirtschaft, weiterhin ein Kernaspekt für ihn. Hier hat sich Thews zum Berichterstatter, also einem Fachmann seiner Fraktion hochgearbeitet. Aus seiner Sicht wäre deshalb auch eine Mitgliedschaft im Umweltausschuss richtig. Vielleicht sogar noch mehr: „Das Umweltministerium wäre schon gut. Mein Thema Kreislaufwirtschaft könnte aber nicht nur dort, sondern auch beim Wirtschafts- und Energieministerium landen.“ Staatssekretär oder Minister also? „Hierfür wird man [...] benannt, und das wird sich zeigen. Herausforderungen nehme ich aber gerne an.“
Doch erstmal muss er hoffen, dass die Wähler am 23. Februar mehrheitlich ihr Kreuz bei ihm statt bei seinen Mitbewerbern Arnd Hilwig und Co. setzen. „Wenn es bei der Wahl nicht funktionieren sollte, werde ich mich neu orientieren und das braucht dann auch etwas Zeit“, sagt der SPD-Politiker. Doch völlig gleich, ob Sieg oder Niederlage: Am Tag nach der Bundestagswahl geht es für Thews zur Fraktionssitzung nach Berlin. Und am 25. Februar wird seine Mutter 80 Jahre alt – „und da bin ich auf alle Fälle bei ihr.“

