VonFrank Zachariasschließen
Melita Alzorba hat kein Parteibuch und tritt bei der Kommunalwahl im September doch als CDU-Bürgermeisterkandidatin in Lüdenscheid an. Auf Anfrage erklärt sie, warum das so ist.
Unabhängigkeit ist ihr wichtig. „Politik bedeutet für mich nicht, parteipolitische Interessen zu verfolgen“, wird Melita Alzorba denn auch auf ihrer Internetseite zitiert. Das soll sich auch nach einer möglichen Wahl zur Bürgermeisterin der Stadt nicht ändern, sagt die Kandidatin auf die Nachfolge Sebastian Wagemeyers (SPD). Viele ihrer potenziellen Wähler jedoch dürften also umso überraschter sein, wenn sie spätestens am 14. September den Stimmzettel zur Kommunalwahl 2025 in Augenschein nehmen. Denn dort wird Alzorba nicht als parteilos, sondern als Kandidatin der CDU aufgeführt.
„Wir haben Frau Alzorba aufgestellt und auch im Rathaus als unsere Kandidatin benannt“, sagt Christoph Weiland, Vorsitzender der Lüdenscheider CDU, auf Anfrage der Redaktion. Dass durch dieses Manöver die Letter der Christdemokraten hinter ihrem Namen stehen, ist für ihn kein Problem. Ganz im Gegenteil. „Melita Alzorba ist ja auch auf uns zugekommen, um ihre Kandidatur anzubieten. Wir haben andere Parteien eingeladen, dies auch zu tun, so wie es die AfL auch tut.“ Und Weiland ergänzt: „Sie ist ja trotzdem kein Mitglied der CDU.“
Melita Alzorba: „Es kann natürlich sein, dass sich jemand wundert“
Die Kandidatin selbst räumt indes ein, dass das Label der CDU von manchem unentschlossenen Wähler durchaus kritisch aufgenommen werden könnte. „Es kann natürlich sein, dass sich jemand wundert, wenn er den Wahlschein sieht“, sagt Melita Alzorba. Dass sie parteilos sei („und auch bleibe“), würde nun auf dem Stimmzettel nicht deutlich. „Aber es handelt sich hier um eine reine Formalität“, betont die Verwaltungsfachwirtin, die in der Nominierung durch die CDU aber auch einen Vorteil sieht – und der ist optischer Natur: „So stehe ich direkt in einer der oberen Zeilen des Wahlscheins. Sonst wäre ich als Parteilose möglicherweise sehr viel weiter unten auf dem Zettel gelandet.“
Nach jetzigem Stand wäre Alzorba dann allerdings nur um eine Position nach unten gerutscht: Neben der SPD schickt lediglich die AfD bislang einen Kandidaten ins Rennen. Die Frist für die Abgabe aller notwendigen Unterlagen endet jedoch erst am kommenden Montag um 18 Uhr.
Unabhängigkeit trotz vieler Gemeinsamkeiten
Gemeinsame Plakataktionen, Auftritte an Wahlständen, Videos auf Social-Media-Kanälen: Dass eine Nähe Alzorbas zur CDU nicht nur auf dem Papier besteht, wird im Wahlkampf durchaus sichtbar. Probleme hat sie damit nicht, wie sie sagt. „Maximal in sozialen Netzwerken wirft man mir vor, ich würde die Überparteilichkeit nur heucheln. Direkt angesprochen werde ich darauf aber nur selten, und wenn, dann freue ich mich darüber, weil ich dann detailliert erklären kann, worum es mir geht.“ Und das sei eben trotz aller CDU-Unterstützung vor allem die Unabhängigkeit.
„Wir kooperieren, wir arbeiten zusammen – mehr haben wir bislang nicht gemeinsam gemacht. Das habe ich den anderen Parteien auch angeboten, außer natürlich der SPD, die ja einen eigenen Kandidaten hat.“ Ohne Zweifel hätten die CDU und sie in vielen Bereichen dieselben Interessen, räumt Alzorba ein. Durch die Unterstützung der Christdemokraten habe sich die Frage nach einer Unterschriftensammlung, wie sie für Einzelbewerber notwendig ist, nie gestellt. Dass sie durch das nun gewählte Prozedere nicht als parteilose Bewerberin auf dem Stimmzetteln steht, nimmt sie in Kauf.
Alzorba: Parteibuch „würde meine Arbeit verkomplizieren“
Mit Gesprächen und – natürlich – Social-Media-Videos will sie dem Verdacht der Parteilichkeit entgegentreten, sagt Melita Alzorba, die in jedem Fall parteilos bleiben wolle, wie sie erneut betont. Sie wolle sich, ganz im Wahlkampf-Modus, als Bürgermeisterin „nur den Lüdenscheider Bürgern verpflichtet fühlen“. Und das funktioniert für sie einzig ohne Parteizugehörigkeit. „Bürgermeister mit Parteibuch haben sicher gute Vorsätze, aber das würde meine Arbeit verkomplizieren, weil im Hintergrund eben doch eine Partei steht.“
Nun gilt es für Alzorba allerdings, auch jene Wähler von sich zu überzeugen, die angesichts dieser Aussage über die „CDU“ hinter ihrem Namen stolpern.
