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Hannah Decke
Nina Wette
Simon Stock
Nach dem Anschlag auf dem Stadtfest in Solingen ist der mutmaßliche Täter festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft gibt erste Details bekannt.
Update vom 25. August, 16.33 Uhr: Die Bundesanwaltschaft hat am Sonntag beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Messer-Angreifer von Solingen erwirkt. Der Syrer Issa Al H. werde Mord in drei Fällen, versuchter Mord und gefährliche Körperverletzungen in acht weiteren Fällen sowie die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen.
In einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft heißt es, Issa Al H. teile „die Ideologie der ausländischen terroristischen Vereinigung ,Islamischer Staat‘ (IS) und schloss sich der Vereinigung zu einem derzeit nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt vor dem 23. August 2024 an“. Er habe aufgrund seiner „radikal-islamistischen Überzeugungen“ den Entschluss gefasst, auf dem Stadtfest in Solingen „eine möglichst große Anzahl aus seiner Sicht ungläubiger Menschen zu töten“. Hinterrücks habe er wiederholt und gezielt auf den Hals- und Oberkörperbereich von Besuchern eingestochen.
Anschlag mit drei Toten in Solingen: Tatverdächtiger sollte abgeschoben werden
Update vom 25. August, 12.08 Uhr: Der mutmaßliche Täter sollte Deutschland eigentlich wieder verlassen, berichtet der Spiegel. Dem Medienbericht zufolge sollte der 26-Jährige aus Syrien eigentlich im Juni 2023 nach Bulgarien abgeschoben werden. Zuvor war demnach sein Asylantrag abgelehnt worden. Gemäß des sogenannten Dubliner Übereinkommens ist das Land, das zuerst von einem Asylbewerber betreten wird, für das Asylverfahren zuständig. Der Deutschen Presse-Agentur wurden diese Angaben bestätigt.
Demnach war der gebürtige Syrer über Bulgarien in die Europäische Union eingereist. Da er allerdings in Deutschland zwischenzeitlich untergetaucht sei, sei die Abschiebung vorerst hinfällig gewesen und der Syrer nach Solingen überstellt worden, schrieb die „Welt“.
Messer-Anschlag von Solingen: Wurde der Täter festgenommen?
Update vom 25. August, 8.16 Uhr: Eine weitere Person wurde festgenommen: Dieses Mal soll es sich um den Mann handeln, der verantwortlich für den Anschlag ist, so gibt er es zunächst selbst an. Denn der 26-Jährige, der aktuell als Tatverdächtiger für die schockierende Tat in Solingen gilt, hat sich selbst der Polizei gestellt. Seine Tatbeteiligung werde derzeit intensiv geprüft.
Laut dem Spiegel handele es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Mann aus Syrien, der Ende Dezember 2022 nach Deutschland gekommen sei. Der Mann sei den Sicherheitsbehörden bislang nicht als islamistischer Extremist bekannt.
Bei der festgenommenen Person aus der Solinger Flüchtlingsunterkunft handelt es sich nach aktuellem Stand um einen Zeugen, so die Polizei.
Solingen – Es begann als fröhliches Fest und endete im kollektiven Schock: Ein Mann hat am Freitagabend (23. August) in Solingen mit einem Messer drei Menschen – zwei Männer und eine Frau – getötet und mehrere weitere schwer verletzt. Er stach gegen 21.40 Uhr offenbar wahllos und plötzlich auf seine Opfer ein.
Messer-Anschlag von Solingen: Was über den Täter bekannt ist
Nach der unfassbaren Tat stellt sich die große Frage nach dem Warum, vor allem aber zunächst die nach dem „Wer“. Der Täter nutzte den Tumult und die sich anfangs ausbreitende Panik nach seiner Tat, um zu entkommen. Hat seine Flucht am Samstagabend ein Ende genommen?
Zunächst gab es bereits am frühen Samstagmorgen eine Festnahme: Ein 15-Jähriger wird verdächtigt, mit einer anderen Person über die Tat gesprochen zu haben und die Informationen für sich behalten zu haben. Aufmerksam geworden auf den Jugendlichen sind die Ermittler durch zwei Frauen, die das Gespräch mitgehört haben sollen.
Am Abend stürmte die Polizei dann eine Flüchtlingsunterkunft in der Innenstadt von Solingen. Eine Person wurde festgenommen. Aber handelt es sich dabei wirklich um den Täter? Ein Sprecher der Polizei sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass Zusammenhänge mit der Tat nun geprüft werden würden.
Täter von Solingen: IS bekennt sich zum Anschlag
Das Motiv scheint einen terroristischen Hintergrund zu haben. Am Samstagabend hat der Islamische Staat in einem Bekennerschreiben die Tat für sich beansprucht.
Der gebürtige Solinger DJ Topic stand beim Stadtfest auf der Bühne, als er vom tödlichen Anschlag nur wenige Meter entfernt erfuhr. Auf Instagram reagiert er emotional.
Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet, über das Zeugen des Geschehens Handyfotos und Videos hochladen können. Die Hoffnung ist, dass Besucher des Stadtfests Aufnahmen von der Bühne gemacht haben, vor der sich die Bluttat ereignet hat, und dabei zufällig den Täter im Bild haben.
Messer-Anschlag von Solingen: Erschütterung und Schock
Die Erschütterung über die Bluttat auf der Solinger 650-Jahr-Feier geht weit über die Stadt und Nordrhein-Westfalen hinaus. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sprach von einem „Akt brutalster und sinnloser Gewalt“. Innenminister Herbert Reul, der noch in der Nacht am Tatort eintraf, sagte: „Aus dem Nichts sticht jemand wahllos auf Menschen ein. Wir in Nordrhein-Westfalen, wir sind tief erschüttert und in Trauer vereint.“ Bundesinnenministerin Nancy Faeser bezeichnete den Anschlag als „erschütternd“ und sagte der NRW-Polizei jede Unterstützung zu.
Als Reaktion auf den Anschlag in Solingen wird in Soest die Polizei-Präsenz erhöht, wie soester-anzeiger.de berichtet. Dort wird an diesem Wochenende ebenfalls ein Stadtjubiläum gefeiert, das 1400.
Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa





