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Nach dem Anschlag: Neue Polizei-Ermittlungen in Solingen

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Solingen steht unter Schock: Bei einem Anschlag wurden drei Menschen mit einem Messer getötet. Am Montag besucht der Bundeskanzler Solingen.

  • Beim Stadtfest in Solingen wurden drei Menschen getötet. Acht weitere wurden teils schwer verletzt.
  • Am späten Samstagabend hat sich ein Verdächtiger der Polizei gestellt. Er sitzt in Untersuchungshaft.
  • Bundeskanzler Olaf Scholz besuchte Montag Solingen. Er kündigte unter anderem mehr Abschiebungen von Flüchtlingen ohne Aufenthaltsrecht an.
  • Dieser Ticker wird fortwährend aktualisiert.

Update vom 26. August, 21.40 Uhr: Am Abend ist es in Solingen erneut zu Demonstrationen gekommen. Dabei habe es auch Rangeleien gegeben, sagte ein Polizeisprecher. „Das ist sehr emotional und laut da.“ Die Polizei habe Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Demonstranten unterbunden. 

Update vom 26. August, 20 Uhr: Wie der Spiegel berichtet, haben Ermittler Spuren des mutmaßlichen Attentäters von Solingen an der Tatwaffe, einem 15 Zentimeter langen Messer, entdeckt. Außerdem hätten sie ein Mobiltelefon und ein Tablet in der Nähe des Tatorts gefunden.

Update vom 26. August, 17.30 Uhr: Die Polizei hat einen Bereich in der Nähe der Flüchtlingsunterkunft in Solingen abgesucht, in der der mutmaßliche Täter des tödlichen Messerangriffs gewohnt hat. Man habe neue Hinweise erhalten und wolle bestimmte Bereiche noch einmal neu in Augenschein nehmen, sagte ein Sprecher der Polizei Düsseldorf. Laut dpa wurde unter anderem ein Fußgängertunnel in der Nähe der Flüchtlingsunterkunft abgesperrt worden.

Nach dem Anschlag: Neue Polizei-Ermittlungen in Solingen

Update vom 26. August, 16 Uhr: Der mutmaßliche Täter von Solingen hat sich nach Angaben aus Behördenkreisen wohl gezielt seiner Überstellung nach Bulgarien entzogen – und kam damit durch. Das für Flucht und Integration zuständige Ministerium in NRW machte zu möglichen Versäumnissen bei Ausländerbehörden keine Angaben.

Update vom 26. August, 11.15 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ist am Montagmorgen in Solingen eingetroffen. Die erste Station seines Besuchs war der Tatort des Messer-Anschlags am Freitagabend. Dort hat der Kanzler eine weiße Rose niedergelegt. Er kündigt eine rasche Verschärfung des Waffenrechts und mehr Abschiebungen von Flüchtlingen ohne Aufenthaltsrecht an.

Polizeibeamte sperrten am Montag einen Fußgängertunnel in der Nähe der Flüchtlingsunterkunft ab, in der der mutmaßliche Täter des tödlichen Solinger Messerangriffs gewohnt hat.

Mehrere Demos nach Anschlag in Solingen – Olaf Scholz legt weiße Rose am Tatort nieder

Update vom 25. August, 20.49 Uhr: Nach dem Anschlag in Solingen kam es am Sonntagabend zu mehreren Demonstrationen in der Stadt. Insgesamt habe es drei verschiedene Versammlungen rund um die Innenstadt und den Tatort gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei. Nachdem zunächst alles friedlich verlaufen sei, hätten einige Teilnehmer einer Demonstration von linken Gruppierungen eine Polizeikette durchbrochen. Die Beamten seien dadurch genötigt gewesen, sich mit Schlagstöcken zu wehren.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) legt eine Blume an einer Kirche in der Nähe des Tatorts ab.

Die Polizei sei mit entsprechenden Kräften vor Ort gewesen, um für Sicherheit zu sorgen. Wie viele Menschen sich insgesamt jeweils versammelten, war zunächst unklar. Bei einer Trauerkundgebung, zu der das von linken und bürgerlichen Organisationen getragene Bündnis „Wuppertal stellt sich quer“ aufgerufen hatte, rechnete die Polizei im Vorfeld mit rund 100 bis 200 Teilnehmern. Zu einer Kundgebung der Jungen Alternative, der Jugendorganisation der AfD, wurden laut Polizei 50 Teilnehmer angemeldet.

Wie das Solinger Tageblatt berichtet, wird am Montag Bundeskanzler Olaf Scholz in Solingen erwartet. Um 9.30 Uhr soll er eintreffen. Geplant seien unter anderem ein Gedenken an die Opfer am Ort des Anschlags sowie Gespräche mit Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) und mit Einsatzkräften. In der Innenstadt dürfte daher erneut mit erhöhter Polizeipräsenz und möglichen Sperrungen zu rechnen sein.

Teilnehmer einer Demonstration, die von linken Organisationen initiiert wurde, stehen in der Solinger Innenstadt.

Tödlicher Messer-Anschlag in Solingen: Verdächtiger in U-Haft

Update vom 25. August, 16.53 Uhr: Die Bundesanwaltschaft hat am Sonntag beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Messer-Angreifer von Solingen erwirkt. Der Syrer Issa Al H. werde Mord in drei Fällen, versuchter Mord und gefährliche Körperverletzungen in acht weiteren Fällen sowie die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland vorgeworfen.

Der mutmassliche Täter des Messerangriffs von Solingen wurde von einem Hubschrauber zu einer Wagenkolonne geführt. Diese brachte ihn zum Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshof (BGH).

In einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft heißt es, Issa Al H. teile „die Ideologie der ausländischen terroristischen Vereinigung ,Islamischer Staat‘ (IS) und schloss sich der Vereinigung zu einem derzeit nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt vor dem 23. August 2024 an“. Er habe aufgrund seiner „radikal-islamistischen Überzeugungen“ den Entschluss gefasst, auf dem Stadtfest in Solingen „eine möglichst große Anzahl aus seiner Sicht ungläubiger Menschen zu töten“. Hinterrücks habe er wiederholt und gezielt auf den Hals- und Oberkörperbereich von Besuchern eingestochen.

Am Samstagabend hatte sich nach Polizeiangaben der 26-jährige Syrer den Ermittlern gestellt. Er habe angegeben, für den Anschlag verantwortlich zu sein. Eine Abschiebung des verdächtigen Asylbewerbers aus Syrien war im vergangenen Jahr gescheitert. 

Tödlicher Messer-Anschlag in Solingen: Hunderte besuchen Trauergottesdienst

Update vom 25. August, 11.11 Uhr: Am Sonntagmorgen, 25. August, gedenken in Solingen hunderte Menschen in einem Trauergottesdienst den Opfern des Messerangriffs. Der Sonntag war eigentlich ganz anders geplant: Anstelle eines Trauergottesdiensts hätte es einen Festgottesdienst anlässlich der 650-Jahr-Feier von Solingen geben sollen.

Der Tatort, der sich in Sichtweite der Kirche befindet, bleibt weiterhin abgesperrt. Am Sonntagmorgen war der Bereich in der Innenstadt mit Gittern blockiert und mehrere Einsatzwagen der Polizei waren laut eines dpa-Reporters vor Ort.

Polizeibeamte waren am Sonntag vor der evangelischen Stadtkirche in Solingen postiert.

Tödlicher Messer-Anschlag in Solingen: Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Update vom 25. August, 9.51 Uhr: Wie der Spiegel berichtet, soll der Tatverdächtige, ein 26-jähriger Syrer, im Laufe des Sonntags einem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden. Der Richter soll über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden.

Bei dem Angriff in Solingen am Freitagabend starben zwei Männer im Alter von 67 und 56 Jahren. Auch eine 56-jährige Frau überlebte die Messerattacke nicht. Laut Zeugenaussagen soll der 26-jährige Tatverdächtige „Allahu Akbar“ (“Gott ist groß“) gerufen haben, so der Spiegel.

Update vom 25. August, 9.15 Uhr: Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft hat die Bundesanwaltschaft als oberste deutsche Anklagebehörde die Ermittlungen nach der Attacke in Solingen übernommen, so die Deutsche Presse-Agentur. Die Bundesanwaltschaft ermittele nun auch wegen Verdachts der Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat gegen den mutmaßlichen Täter.

Tödlicher Messer-Anschlag in Solingen: Tatverdächtiger stellt sich der Polizei

Update vom 25. August, 0.05 Uhr: NRW-Innenminister Herbert Reul bestätigte am späten Samstagabend, dass ein dringend Tatverdächtiger festgenommen worden sei. Offenbar handelt es sich dabei nicht um die Person, die bei der Durchsuchung der Flüchtlingsunterkunft in Gewahrsam genommen worden war. Stattdessen hatte sich der Tatverdächtige am Samstagabend wohl freiwillig gestellt. Nach Informationen des Spiegel sei der mutmaßliche Attentäter von sich aus auf eine Polizeistreife zugekommen und gab sich als Angreifer zu erkennen.

Update vom 24. August, 21.45 Uhr: Bei der Durchsuchung der Flüchtlingsunterkunft in der Innenstadt von Solingen hat die Polizei eine Person festgenommen. Ein Sprecher der Polizei sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass nun ein Zusammenhang mit dem brutalen Messerangriff am Freitagabend geprüft werde.

Tödlicher Messer-Anschlag in Solingen: Polizei nimmt weitere Person fest

Update vom 24. August, 20.42 Uhr: Laut mehreren übereinstimmenden Medienberichten hat die Terrormiliz Islamischer Staat eine Stellungnahme veröffentlicht. In dieser beansprucht der IS den Messerangriff für sich. Und auch bei der Suche nach dem Täter scheint sich etwas zu tun: Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, durchsucht die Polizei mit starken Kräften eine Flüchtlingsunterkunft in der Innenstadt von Solingen. Auch ein Spezialeinsatzkommando ist vor Ort.

Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei führt einen Einsatz bei einer Flüchtlingsunterkunft durch.

Update vom 24. August, 19.51 Uhr: Solange der Täter nicht gefasst ist, soll die Polizeipräsenz bei größeren Veranstaltungen im Land erhöht werden. Da kündigte NRW-Innenminister Herbert Reul an. Gleichzeitig bat er mit Blick auf viele Spekulationen über die Hintergründe des Messerangriffs in Solingen, sich zurückzuhalten und abzuwarten. Es sei wichtig, der Polizei jetzt die notwendige Zeit für die Untersuchungen zu geben.

Tödlicher Messer-Anschlag in Solingen: Reul fordert höhere Polizeipräsenz

Update vom 24. August, 19.35 Uhr: Laut Informationen von Spiegel soll es sich bei dem festgenommenen 15-Jährigen um einen Kirgisen handeln, der in einer Flüchtlingsunterkunft lebt. Das Gespräch zwischen dem Jugendlichen und dem Täter soll sich auf dem Stadtfest ereignet haben. Der Teenager soll bislang die Aussage verweigern. Wie wiederum Welt am Sonntag berichtet, soll der mutmaßliche Täter während seines Messer-Angriffs „Allahu Akbar“ gerufen haben.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) kündigte an, die Polizeipräsenz im Land zu erhöhen.

Update vom 24. August, 18.05 Uhr: Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat allen beteiligten Einsatzkräften in Solingen ihren großen Dank ausgerichtet, gleichfalls den Angehörigen der Opfer ihr tief empfundenes Beileid bekundet. „Wir lassen uns in solchen Zeiten nicht spalten, sondern stehen zusammen“, so die Ministerin. Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gibt eine ähnliche Botschaft: „Wir werden unsere Art zu leben verteidigen.“

Update vom 24. August, 17.30 Uhr: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, Landes-Innenminister Herbert Reul und Bundesinnenministerin Nancy Faeser besuchen aktuell den Tatort. Laut Informationen von focus.de sind an diesem Wochenende auch zwei Trauerfeiern in Solingen geplant.

Tödlicher Messer-Anschlag in Solingen: Blutiges Messer in Mülleimer entdeckt

Ebenfalls der Focus berichtet, dass ein blutverschmiertes Messer in einem Mülleimer in der Nähe des Tatorts gefunden wurde. Auf diesen Fund würden die Ermittler große Hoffnungen setzen. Die Sonderkommission, die mit dem Fall betraut ist, besteht mittlerweile aus rund 250 Beamten.

Nach dem Anschlag mit mehreren Toten auf dem Solinger Stadtfest kommen Hendrik Wüst, Nancy Faeser und Herbert Reul in der Stadt an.

Update vom 24. August, 15.37 Uhr: Der leitende Oberstaatsanwalt Markus Caspers gibt ein etwas genaueres Bild, wie man auf den 15-jährigen Verdächtigen aufmerksam geworden ist. So hätten zwei Zeuginnen ein Gespräch über den Angriff zwischen dem Jugendlichen und einer anderen Person mitgehört. Die Frauen haben sich nach der Attacke bei der Polizei gemeldet.

Update vom 24. August, 15.24 Uhr: Die Stadt Solingen hat eine Hotline eingerichtet. Wer Angehörige oder Freunde vermisst, die am Freitagabend auf dem Stadtfest waren und sich bislang nicht gemeldet haben, kann die Telefonnummer 0212/2902000 anrufen. Des Weiteren bittet die Polizei darum, Bild- und Videomaterial nicht in den sozialen Netzwerken zu teilen, sondern nach wie vor nrw.hinweisportal.de zu nutzen.

Thorsten Fleiß, Leiter der Polizeiinspektion Mitte, spricht bei einer Pressekonferenz im Polizeipräsidium über den Messerangriff in Solingen.

Tödlicher Messer-Anschlag in Solingen: „Terroristischer Akt nicht ausgeschlossen“

Update vom 24. August, 15.20 Uhr: Einsatzleiter Thorsten Fleiß gibt bekannt, dass am Tatort mehrere Messer gefunden wurden. Es werde geprüft, inwiefern welches Messer mit der Attacke zu haben könnte. Bildmaterial zu dem Täter gebe es nach aktuellem Stand nicht. Zum Gesundheitszustand der Schwerstverletzten könne ebenfalls derzeit nichts gesagt werden.

Update vom 24. August, 15.16 Uhr: Staatsanwalt Markus Caspers erläutert, dass dem 15-Jährigen lediglich die Nicht-Anzeige einer angekündigten Straftat zur Last gelegt wird. Der Jugendliche soll vor dem Angriff mit dem mutmaßlichen Täterüber die Tat gesprochen haben. Weitere Details dazu werden aktuell nicht bekannt gegeben. Nach allen bisher bekannten Indizien könne „ein terroristischer Akt nicht ausgeschlossen werden“, so Caspers.

Nach der Messerattacke auf dem Solinger Stadtfest legen Menschen in der Nähe des Tatortes Blumen neben einer Regenbogenflagge nieder.

Update vom 24. August, 15.12 Uhr: Die Pressekonferenz von Polizei und Generalstaatsanwalt hat begonnen. Bei den Todesopfern soll es sich laut Einsatzleiter Thorsten Fleiß von der Polizei Düsseldorf um einen 67-jährigen und einen 56-jährigen Mann sowie um eine 56-jährige Frau handeln. Der Verdächtige, der am frühen Samstagmorgen festgenommen worden war, soll ein 15-Jähriger sein. Aktuell werde geprüft, ob er mit dem Messerangriff in Verbindung steht.

Update vom 24. August, 14.10 Uhr: Die Polizei äußert sich erstmals zu der am Morgen festgenommenen Person. Bei ihr „geprüft wird, ob es möglicherweise Tatzusammenhänge gibt“, heißt es in einer Mitteilung. „Parallel laufen diverse Polizeimaßnahmen, unter anderem Durchsuchungen an verschiedenen Örtlichkeiten“. Die Ermittlungs- und Fahndungsmaßnahmen nach möglichen weiteren Tätern- und Tathintergründen laufen demnach auf Hochtouren.

Update vom 24. August, 12.55 Uhr: Die nahegelegenen Städten Hilden und Haan haben als Reaktion auf die Tat in Solingen reagiert und ebenfalls für dieses Wochenende geplante Feste kurzfristig abgesagt. Dabei spielt neben großer Betroffenheit und Trauer um die Opfer in Solingen auch die Sicherheitslage eine Rolle.

Bericht über Festnahme nach tödlichem Anschlag in Solingen – weitere Feste abgesagt

Update vom 24. August, 12.20 Uhr: Die Suche nach dem Täter von Solingen geht unvermittelt weiter. Er gilt weiterhin als flüchtig. Die Polizei rief die Bevölkerung in Solingen weiter zur Vorsicht und Wachsamkeit auf. Sie hält sich aktuell bedeckt, will sich aber um 15 Uhr in einer Pressekonferenz äußern.

Hinweis-Portal und Bürger-Hotline

Die Polizei hat ein Hinweisportal eingerichtet, über das Zeugen des Geschehens Handyfotos und Videos hochladen können. Die Polizei warnt die Bürger davor, selbst zu handeln, wenn sie Verdächtiges beobachten. Stattdessen sollten sie den Notruf 110 wählen. Die Polizei hat für sachdienliche Hinweise mittlerweile auch ein Hinweistelefon unter der Rufnummer 0800 9009000 geschaltet. Die Stadt Solingen hat für Bürger eine Hotline für Fragen nach Vermissten eingerichtet (0212 - 290-2000).

Update vom 24. August, 11.40 Uhr: Im Fall der tödlichen Messerattacke in Solingen ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am frühen Samstagmorgen ein Mann festgenommen worden. Er sitzt in Gewahrsam. Es handelt sich nach ersten Ermittlungen aber wohl nicht um den Täter. Die Beschreibung des Mannes durch Zeugen vor Ort soll demnach nicht mit dem Festgenommenen übereinstimmen.

Solingen unter Schock: Vor dieser Bühne auf dem Stadtfest wurden drei Menschen mit einem Messer getötet.

Update vom 24. August, 10.10 Uhr: Nach der unfassbaren Tat von Solingen stellt sich die Frage nach dem Wer und nach dem Warum. Wir fassen zusammen, was über den flüchtigen Täter, sein Motiv und die Tatwaffe bekannt ist. DJ Topic stand auf der Bühne, als er von dem Anschlag nur wenige Meter entfernt erfuhr. Bei Instagram äußerte er sich emotional.

Anschlag in Solingen: Große Suche nach dem Täter läuft

Update vom 24. August, 8.15 Uhr: Der Täter von Solingen ist weiterhin nicht identifiziert. „Die Ermittlungen dazu laufen“, sagte eine Sprecherin der zuständigen Düsseldorfer Polizei am Samstagmorgen. Ein Großaufgebot sei im Einsatz, um nach dem Täter zu fahnden.

Täter auf der Flucht, Spezialeinheiten in der Stadt: Die Bilder aus Solingen nach dem Anschlag

Schockierende Tat am Freitagabend (23. August) in Solingen. Gegen 21.45 Uhr zog ein Mann auf dem Stadtfest plötzlich ein Messer und stach wahllos auf Gäste ein. Er tötete drei Menschen und verletzte acht weitere schwer.
Schockierende Tat am Freitagabend (23. August) in Solingen. Gegen 21.45 Uhr zog ein Mann auf dem Stadtfest plötzlich ein Messer und stach wahllos auf Gäste ein. Er tötete drei Menschen und verletzte acht weitere schwer. © Gianni Gattus/picture alliance/dpa
Nach dem Messerangriff auf dem Stadtfest löste direkt Großalarm in Solingen aus. Die Polizei war mit schwer ausgerüsteten Einsatzkräften vor Ort, ein Helikopter kreiste über die Stadt.
Nach dem Messerangriff auf dem Stadtfest löste direkt Großalarm in Solingen aus. Die Polizei war mit schwer ausgerüsteten Einsatzkräften vor Ort, ein Helikopter kreiste über die Stadt. © Gianni Gattus/picture alliance/dpa
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul machte sich zeitnah ein Bild der Lage in Solingen.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul machte sich zeitnah ein Bild der Lage in Solingen.  © Thomas Banneyer/picture alliance/dpa
Notärzte kümmern sich um die Verletzten am Stadtfest. Der Angreifer habe gezielt auf den Hals der Opfer eingestochen, teilte die Polizei noch in der Nacht mit. Den Messerangriff bewerten die Behörden deshalb als Anschlag.
Notärzte kümmern sich um die Verletzten am Stadtfest. Der Angreifer habe gezielt auf den Hals der Opfer eingestochen, teilte die Polizei noch in der Nacht mit. Den Messerangriff bewerten die Behörden deshalb als Anschlag. © Thomas Banneyer/picture alliance/dpa
Der Tatort von Solingen. Eine Drohnenaufnahme zeigt die Bühne, vor der der Messerangreifer um sich gestochen hat.
Der Tatort von Solingen. Eine Drohnenaufnahme zeigt die Bühne, vor der der Messerangreifer um sich gestochen hatte.  © Christoph Reichwein/picture alliance/dpa
DJ Topic, bürgerlich Tobias Topic, kommt aus Solingen. In seiner Heimatstadt legte er am Freitagabend auf, währenddessen stach ein Mann wahllos auf Menschen ein.
DJ Topic, bürgerlich Tobias Topic, kommt aus Solingen. In seiner Heimatstadt legte er am Freitagabend auf, als sich der Anschlag ereignete. Um eine Massenpanik zu verhindern, bat die Security den DJ, einfach weiterzuspielen. Das hat er getan. © Montage: Instagram/@topic/Christoph Reichwein/dpa
Am Morgen nach dem Messerangriff in Solingen sind noch viele Fragen offen – und der Täter auf der Flucht.
Am Morgen nach dem Messerangriff in Solingen sind noch viele Fragen offen – und der Täter auf der Flucht.  © Thomas Banneyer/picture alliance/dpa
Am Samstag blieb die Innenstadt von Solingen teils gesperrt. Die Polizei fahndet mit einem Großaufgebot nach dem flüchtigen Messerangreifer. Er hatte laut Berichten den Tumult und die Panik nach der Attacke genutzt, um vom Tatort zu entkommen.
Am Samstag blieb die Innenstadt von Solingen teils gesperrt. Die Polizei fahndet mit einem Großaufgebot nach dem flüchtigen Messerangreifer. Er hatte laut Berichten den Tumult und die Panik nach der Attacke genutzt, um vom Tatort zu entkommen. © Christoph Reichwein/picture alliance/dpa
Eine Beschreibung des Täters veröffentlichte die Polizei vorerst nicht, Zeugenangaben seien widersprüchlich, heißt es. Dennoch eine dringende Warnung an die Bürgerinnen und Bürger von Solingen: Sie sollen vorsichtig bleiben, mahnt die Polizei. Und verdächtige Personen keinesfalls ansprechen.
Eine Beschreibung des Täters veröffentlichte die Polizei vorerst nicht, Zeugenangaben seien widersprüchlich, heißt es. Dennoch eine dringende Warnung an die Bürgerinnen und Bürger von Solingen: Sie sollen vorsichtig bleiben, mahnt die Polizei. Und verdächtige Personen keinesfalls ansprechen. © Christoph Reichwein/picture alliance/dpa
Der Schock sitzt tief in Solingen nach dem Anschlag auf das „Fest der Vielfalt“ zum 650-jährigen Stadtjubiläum. Anders als auf diesem Aushang geschrieben, spricht die Polizei allerdings nicht von einem „Terroranschlag“, sondern von einem „Anschlag“. Die Hintergründe der Tat sind am Samstag (24. August) noch völlig offen.
Der Schock sitzt tief in Solingen nach dem Anschlag auf das „Fest der Vielfalt“ zum 650-jährigen Stadtjubiläum. Anders als auf diesem Aushang geschrieben, spricht die Polizei allerdings nicht von einem „Terroranschlag“, sondern von einem „Anschlag“. Die Hintergründe der Tat sind am Samstag (24. August) noch völlig offen. © Christoph Reichwein/picture alliance/dpa

[Ursprungsmeldung] Solingen – Eine Stadt unter Schock: In Solingen hat ein Mann mit dem Messer drei Menschen, zwei Männer und eine Frau, getötet und fünf weitere zum Teil lebensgefährlich verletzt. Der Täter ist auf der Flucht. Seit den späten Abendstunden des Freitags (23. August) läuft die intensive Suche nach dem flüchtigen Täter. Die Polizei stuft die Tat als Anschlag ein, da der Mann gezielt vorging. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sprach von einem „Akt brutalster und sinnloser Gewalt“.

Drei Tote bei Anschlag auf Stadtfest in Solingen – „Akt brutalster Gewalt“

Solingen war in Feierlaune, denn von Freitag bis Sonntag sollte das 650. Jubiläum der Stadt gefeiert werden. In der Innenstadt sind mehrere Bühnen aufgebaut, doch sie werden nun nicht mehr bespielt. Das Stadtfest wurde nach dem Messeranschlag abgesagt. Die Tat ereignete sich am Freitag gegen 21.37 Uhr direkt vor der Bühne auf dem Fronhof, einem gut besuchten Marktplatz, während eines Konzerts.

Polizei und Rettungswagen stehen in der Nähe des Einsatzortes in Solungen. Bei einer Attacke auf der 650-Jahr-Feier der Stadt wurden drei Menschen getötet.

Der WDR zitiert einen Zeugen der Gewalttat: „Wir sind von der großen Bühne zur kleinen. Ich nahm mein Handy raus, dann packte mich meine Freundin am Arm und schrie: Lauf!“ Immer wieder gibt es Messer-Attacken in NRW. Erst kürzlich stach im Kreis Soest ein 13-Jähriger auf einen 14 Jahre alten Jungen ein und verletzte ihn lebensgefährlich.

Dort, wo am Freitag noch ausgelassen gefeiert wurde, beherrschte die Nacht über und auch am Samstagmorgen die Polizei das Bild: Absperrungen, ernste Gesichter bei den Beamten. Kräfte einer Spezialeinheit (SEK) befinden sich seit der Nacht im Dauereinsatz. Der Täter ist noch auf der Flucht. „Wir haben derzeit keinen Hinweis auf seinen Aufenthaltsort“, sagte ein Sprecher der Polizei. Es gibt keine gesicherten Informationen über das Aussehen des Flüchtigen, wie fr.de schreibt. „Ich glaube, das ist unser Riesenproblem. Wir haben noch nicht so viele Angaben zum Täter“, sagte Alexander Kresta, Sprecher der Polizei Wuppertal.

Zeugen, die sich in unmittelbarer Nähe zum Tatort befanden, sind unter Schock. „Die werden von uns im Augenblick professionell betreut und wir vernehmen diese natürlich, um da jetzt genauere Angaben zu bekommen.“

Als Reaktion auf den Anschlag in Solingen wird in Soest die Polizei-Präsenz erhöht, wie soester-anzeiger.de berichtet. Dort wird an diesem Wochenende ebenfalls ein Stadtjubiläum gefeiert, das 1400.

Anschlag in Solingen: Täter stach gezielt auf die Hälse der Opfer ein

Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen geht die Polizei davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt. Dies wird durch alle bisher aufgenommenen Zeugenaussagen gestützt. „Von weiteren Personen ist uns nichts bekannt.“ Der Täter konnte im Chaos und der anfänglichen Panik nach der Tat fliehen, so ein Sprecher des NRW-Innenministeriums. Laut Polizei griff der Täter wahllos Passanten an, wählte seine Opfer also zufällig aus. Das Innenministerium berichtete zunächst, dass er gezielt auf die Hälse seiner Opfer einstach. Gesicherte Erkenntnisse zum Tathergang gebe es noch nicht, sagte eine Polizeisprecherin am Samstagmorgen gegenüber wa.de.

Laut Polizei griff der Angreifer gegen 21.37 Uhr an. Kurz darauf wurde Großalarm ausgelöst. Mindestens ein Hubschrauber war in der Luft, zahlreiche Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Rettungswagen waren im Einsatz, Straßen wurden weiträumig abgesperrt. Bewaffnete Beamte sicherten den Tatort.

Laut Solinger Tageblatt folgten tausende Besucher der Aufforderung, den Platz ruhig zu verlassen und nicht in Panik zu geraten. „Die Menschen sind geschockt, aber friedlich vom Platz (gegangen)“, wurde Philipp Müller zitiert, einer der Mitorganisatoren des Festes. Später herrschte eine gespenstische Stimmung in der fast menschenleeren Innenstadt.

Anschlag in Solingen: Erschütterung bei Bürgermeister und NRW-Innenminister

Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach reagierte erschüttert. „Heute Abend sind wir alle in Solingen in Schock, Entsetzen und großer Trauer“, schrieb der SPD-Politiker auf der Facebook-Seite der Stadt. „Es zerreißt mir das Herz, dass es zu einem Attentat auf unsere Stadt kam. Ich habe Tränen in den Augen, wenn ich an diejenigen denke, die wir verloren haben. Ich bete für alle, die noch um ihr Leben kämpfen.“

Erschütterung bei NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Er traf in der Nacht in Solingen ein.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) traf in der Nacht am Tatort ein und zeigte sich tief betroffen. „Aus dem Nichts sticht jemand wahllos auf Menschen ein“, sagte Reul. „Wir in Nordrhein-Westfalen, wir sind tief erschüttert und in Trauer vereint.“ Bundesinnenminister Nancy Faeser sagte der NRW-Polizei Unterstützung zu, berichtet merkur.de.

Das „Festival der Vielfalt“ in Solingen hatte am Freitag begonnen. Es sollte bis Sonntag dauern. In der Ankündigung hieß es: „Solingen Mitte wird dabei zur großen Festmeile: Vom Neumarkt über den Fronhof bis zum Mühlenplatz wird gefeiert.“ In den Straßen erwartete die Besucher ein Programm mit Musik, Kabarett, Akrobatik, Kunsthandwerk, Unterhaltung für Kinder und vielem mehr. (sst/dpa)

Rubriklistenbild: © Christoph Reichwein/dpa

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