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[Update] Mit mobiler Videoüberwachung startet die Polizei in Hamm in eine neue Ära. Ab sofort ist die Anlage am Bahnhof aktiv. Es gibt jedoch feste Regeln.
Hamm - Mit dem „digitalen Streifengang“ per Videobeobachtung kommt ab sofort ein ergänzendes Instrument in der Hammer Innenstadt zum Einsatz, das für mehr Sicherheit sorgen soll. Die Videobeobachtung der Polizei im Bahnhofsviertel sendet seit Mittwochmittag Live-Bilder in die Leitstelle an der Grünstraße. Eine zweite mobile Anlage wird am Wochenende ab 19. April im Bereich der der Südstraße („Meile“) in Betrieb gehen.
„Wir wollen die Möglichkeiten der Gefahrenabwehr damit weiter ausnutzen“, sagte Polizeipräsident Thomas Kubera. Die Videobeobachtung solle ein rechtzeitiges Eingreifen ermöglichen, das Sicherheitsgefühl stärken und bei begangenen Straftaten zur Aufklärung beitragen und eine Rechtsgrundlage liefern.
Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) hatte Hamm die angefragten zwei mobilen Anlagen zugeteilt. Insgesamt zehn davon gibt es für 47 Kreispolizeibehörden in NRW. Die Polizeibehörde in Hamm gehörte zu den ersten, die einen Antrag eingereicht hatten. Die Anordnung der Videobeobachtung durch Polizeipräsident Thomas Kubera ist zunächst ein Jahr gültig. Voraussetzung sind Kriminalitätsbrennpunkte mit wesentlich höherer Kriminalitätsdichte und „Qualität“ als in anderen Bereichen der Stadt.
Weitere Infos
Über Beobachtungszeiten und -zonen sowie den Schutz ihrer Daten können sich Bürger unter https://hamm.polizei.nrw informieren. Dazu sind Karten und Hinweise zum Datenschutz hinterlegt.
Bilder von beeindruckender Schärfe
Laut Kubera belief sich die Zahl unterschiedlicher Delikte im Bahnhofsviertel 2023 auf 513. Im ersten Quartal 2024 seien es 180 gewesen. Er hoffe, dass im Zusammenwirken mit anderen Maßnahmen die Videobeobachtung zu sinkenden Zahlen beitrage. Die Beobachtungszeiten (siehe Kasten unten) seien dem Fallaufkommen angepasst.
Die Aufnahmen, die die Kameras vom Standort am Platz der Deutschen Einheit auf die Monitore in der Polizei-Leitstelle senden, sind auch im Zoom-Bereich von beeindruckender Schärfe. Sie zeigen den öffentlichen Raum, private Bereiche sind automatisch verpixelt. Vier jeweils um 360 Grad schwenkbare Kameras erfassen aus etwa sechs Metern Höhe den Fußgängerbereich, zwei weitere Kameras dienen der Beobachtung des Anhängers selbst. Auch nachts liefern die Kameras scharfe Bilder.
In der Leitstelle verfolgen „Videobeobachter“ das Geschehen auf den Monitoren. Mittels Joystick, Maus und Tastatur können sie Bereiche heranzoomen oder die Blickrichtung verändern. Sollten sich Konflikte oder eine Straftat andeuten, alarmieren sie die Beamten im SiKo-Point nebenan oder eine eigens für diesen Fall eingesetzte Fahrzeugbesatzung, ein sogenanntes Interventionsteam.
Die Anhänger sind alarmgesichert. Sie arbeiten autark im Akku-Betrieb. Sie sind zudem mit einer Brennstoffzelle versehen, wodurch ein Laden der Akkus erst nach Tagen erforderlich wird.
Standorte, Zeiten, Datenschutz
Standorte (wechselnd): Bahnhofsquartier: Willy-Brandt-Platz (Bahnhofsvorplatz), Platz der Deutschen Einheit/Bahnhofstraße; Bahnhofstraße/Luisenstraße (Fußgängerzone)
Südstraße: Südstraße (Nassauerstraße); Südstraße (Königstraße Höhe nördlicher Teil Santa-Monica-Platz); Martin-Luther-Straße/Marktplatz
Zeiten: Bahnhofsquartier: mo. bis fr. 12 – 20 Uhr; Südstraße: fr., sa. und vor Feiertagen in der Woche, 23 – 6 Uhr
Datenschutz: Aufbewahrung der Aufnahmen für 14 Tage, dann automatische Löschung; Ausweisung der Videozonen durch Schilder; Verpixelung privater Bereiche
In Essen dürfen Mitarbeiter des Ordnungsamts (KOD) inzwischen Bodycams tragen. Für den Einsatz der Kameras gelten aber besondere Regeln.
Rubriklistenbild: © Reiner Mroß

