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Am Freitag rutschte in der Romecke ein Betonmischer in den Graben. Westfalenwind erklärt nun, dass es bereits ein ähnliches Ereignis dieser Art gab, das aber glimpflicher ausging. Derweil wurden an Halteverbotsschildern für die Windpark-Transporte Grabkerzen aufgestellt.
Warstein/Allagen - Die Spuren sind anhand von zerborstenem Baum- und Buschwerk noch immer zu sehen: Am Freitagmorgen kam ein Betonmischer, der voll beladen in Richtung Windpark Rennweg unterwegs war und damit wohl etwa 30 Tonnen wog, einige hundert Meter hinter der Warsteiner Wohnbebauung vom Romeckeweg ab. Vermutlich aufgrund von Schneeglätte und dem aufgeweichten Boden rutschte er erst in die Bankette, daraufhin einen knapp drei Meter tiefen Abhang hinab, wo er auf der Seite beziehungsweise dem Dach liegen blieb. Sowohl der jugendliche Beifahrer, als auch der Fahrer mussten von der Feuerwehr befreit werden, waren aber nach Erkenntnissen vor Ort nicht beziehungsweise nicht schwerer verletzt.
Das Unternehmen Krüger aus Anröchte bereitete ab Freitagmittag die Bergung vor und konnte diese mit nächtlicher Unterbrechung am Samstagvormittag erfolgreich abschließen. Weitere Details zur Bergung wollen das Abschleppunternehmen sowie das Unternehmen des verunfallten Betonmischers auf Nachfrage aber nicht nennen.
Nach Betonmischer-Unfall in Warstein: Lerneffekte für die Zukunft
Dass es nicht das erste Unfallereignis dieser Art war, erläuterte Donat Ahle als Leiter der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Warstein noch am Unfallort. Das bestätigte am Montagvormittag auch Westfalenwind-Unternehmenssprecher Björn Theis: „Es gab bislang einmal zuvor ein ähnliches Ereignis, allerdings nicht in diesem Ausmaß. Wir sind froh, dass der betreffende Unfall relativ glimpflich ausgegangen ist und wünschen Vater und Sohn gute Genesung.“ Zu Verzögerungen im Windpark – dort sollte auch mittels des verunfallten Betonmischers das insgesamt achte Fundament gegossen werden – sei es durch den Zwischenfall am Freitag laut Theis nicht gekommen: „Es wurde kurzfristig auf eine andere Zuwegung umgeschwenkt. Der betroffene Weg wurde in der Zwischenzeit hergerichtet und kann wieder genutzt werden.“
Es gab bislang einmal zuvor ein ähnliches Ereignis, allerdings nicht in diesem Ausmaß. Wir sind froh, dass der betreffende Unfall relativ glimpflich ausgegangen ist und wünschen Vater und Sohn gute Genesung.
Sicherheit habe sowieso oberste Priorität, deshalb sei der Windpark auch mit einigen sogenannten Notfallpunkten markiert, so Theis. Gemeinsam mit der Polizei, der Feuerwehr, dem Warsteiner Ordnungsamt sowie dem Landesbetrieb Wald und Holz habe Westfalenwind bereits im vergangenen Sommer jene Punkte sowie Rettungszufahrten gesetzt. „Diese Maßnahme soll sowohl für die Bauphase als auch die Zeit danach dienen, wenn der Windpark in Betrieb ist. Im Falle eines Unfalls oder Notfalls im Umfeld der Windenergieanlagen wird so sichergestellt, dass die Rettungskräfte nach der Alarmierung standortgenau und schnell das Ziel erreichen“, hieß es damals in einer Mitteilung. An den Notfallpunkten seien auch entsprechende Koordinaten angegeben, um schnellstmöglich den Standort zu übermitteln. Schon kurz nach dem Anbringen seien einige Schilder Diebstahl und Vandalismus zum Opfer gefallen. „Das passiert immer noch“, erklärt nun Theis: „Schilderklau und Vandalismus sind leider nach wie vor an der Tagesordnung. Zuletzt wurde eine Baustellenampel im Bereich ‚Wanderparkplatz Eisenberg‘ umgeschubst.“
In der Nacharbeitung des Unfalls vom Freitagmorgen befindet sich derzeit Ahle. Insbesondere die Koordination der Zufahrt zum Unfallort sei eine Herausforderung gewesen, die Absicherung des Fahrzeugs und die Befreiung der Unfallopfer sei anschließend „relativ schnell von der Hand“ gegangen: „Man lernt aus jedem Ereignis, das kann uns für die Zukunft nur helfen.“ Für Notfälle mit dem Stichwort „Windpark Rennweg“ gebe es eine spezielle Ausrückeordnung, die Löschgruppen Mülheim/Sichtigvor, Waldhausen und Allagen seien immer dabei, bei Brandereignissen auch das Tanklöschfahrzeug aus Belecke, wenn technische Hilfe nötig werde, komme der Rüstwagen aus Warstein – zusätzlich zu Rettungsdienst, Notarzt, Polizei und Co., falls nötig: „Deshalb sind auch die Notfallpunkte im Windpark so wichtig.“
Die Baustellenzeit sehe ich mit Blick auf Einsätze als anspruchsvoller an als die Zeit, in der der Windpark tatsächlich in Betrieb sein wird.
Viele Wege zum Windpark, wie der Romeckeweg, werden sowohl von Transportfahrzeugen als auch Rettungsfahrzeugen genutzt, einige sind aber auch ausschließlich Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei vorbehalten, so Ahle. Damit es im Notfall besonders schnell geht. Einer dieser Wege führe vom Sportplatz in Allagen zum Windpark, ein anderer gehe von Sichtigvor aus: „Wir arbeiten weiterhin daran, im Notfall bestmöglich agieren zu können.“ Es werde in Zukunft auch Übungen, unter anderem mit dem Höhenrettungsteam des Kreises Soest, im Windpark geben, so Ahle. Gerate eine Windenergieanlage sogar in Brand, seien die Löschmöglichkeiten sowieso begrenzt. Dann gelte ein entsprechender Sperrradius. Dass so etwas passiere, sei aber äußerst unwahrscheinlich, fügt Ahle an: „Die Baustellenzeit sehe ich mit Blick auf Einsätze als anspruchsvoller an als die Zeit, in der der Windpark tatsächlich in Betrieb sein wird.“
Zudem erklärt der Windpark-Betreiber, dass seit Montag, 6. Januar, bis zum 10. Januar Betonturmteile für eine Windenergieanlage angeliefert werden. Einfahrt sei von der Sauerlandstraße über den Kellerweg und Ausfahrt über den Wanneweg und die St. Georg Straße. Die Anlieferung erfolge mittels normaler LKW. Auf Nachfrage erklärt Theis, dass dies auch der Grund für die Beschilderung absoluter Halteverbote in dem Straßenumfeld sei. Solche Halteverbots-Schilder stehen im Bereich der Romecke in Warstein bereits länger. Seit kurzer Zeit haben sie im Bereich des Taubenheims ein „Accessoire“: Bislang Unbekannte haben an fünf Füßen der Schilder rote Grabkerzen aufgestellt und entzündet.


