- VonStefan Gehreschließen
Die Bruchstücke von Kühlturm auf Heinrich Robert wurden noch in zwei Kilometer Entfernung gefunden. Bürger kritisieren auf einer Dialogveranstaltung die Informationspolitik von Stadt und RAG.
Herringen - So deutlich hatte es bislang noch niemand gesagt: Angesichts der Tragweite des Kühlturm-Brandes auf Heinrich Robert sprach Dr. Adrian Lux, Leiter des Sondereinsatzes beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv), von einem ungewöhnlichen, extremen Ereignis – und zwar deshalb, weil asbestbelastete Bruchstücke und Partikel auch noch zwei Kilometer vom Brandherd entfernt niedergegangen waren.
Nach Kühlturm-Brand spricht Landesamt von einem „extremen, ungewöhnlichen Ereignis“
„Normalerweise sprechen wir von einem Freisetzungsradius von 150 bis 200 Metern“, so Lux am Freitag auf einem Bürgerdialog im Gemeindehaus St. Victor, zu dem mehr als 150 besorgte Bürger erschienen waren. Grund dafür, dass die Bruchstücke so weit getragen wurden, sei vermutlich der sogenannte „Kamin-Effekt“ gewesen. Dadurch sei die Wolke vergleichsweise hoch gewesen, so Lux, der seit zehn Jahren im Amt ist und den Hammer Fall bezüglich der Asbest-Ausweitung zu den „Top 3 in NRW“ zählte.
Vor diesem Hintergrund stellten sich viele der Anwesenden die Frage, warum man die Bevölkerung nicht über die Nina-WarnApp informiert und vor der asbesthaltigen Asche-Wolke gewarnt habe. Am Montagnachmittag sei das Wetter schön gewesen. Viele Menschen hätten sich im Garten aufgehalten, Kinder hätten draußen gespielt. . Hamms Umweltdezernent Volker Burgard verwies darauf, dass die Aktivierung der WarnApp Sache der Feuerwehr sei. Im Nachgang werde man sicher darüber reden müsse, wann in solchen oder ähnlichen Fällen künftig die App zu aktivieren ist.
Kühlturm-Brand: Sorgen um die Gesundheit
Im Laufe der rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung stellten die Bürger viele Fragen, beispielsweise zu möglichen gesundheitlichen Auswirkungen oder zu den Verhaltensweisen. Ein konkreter Rat vom Lanuv war, dass die Menschen in den betroffenen Bereichen vorsichtshalber kein Gemüse aus ihren Gärten essen sollten. Viele kritisierten die Informationspolitik der Stadt und der RAG, die die Bürger über die lokalen und sozialen Medien informiert hatte. Das ging vielen nicht weit genug. Sie regten, wie auch Bezirksbürgermeister Franz Tillmann, das Verteilen von Flugblättern an.
RAG und Stadt nahmen das mit und kündigten an, dass man die Informationspolitik optimieren wolle. Ein konkretes Ergebnis war, dass sich Bürger mit ihren Fragen nicht nur an die Hotline der RAG wenden können, sondern diese auch im Bürgeramt Herringen abgeben können, wo sie dann an die RAG weitergeleitet werden, wie es in der anschließenden Pressekonferenz hieß. Außerdem kündigte Tillmann dort an, dass er eine seiner nächsten Sprechstunden mittwochs von 16.30 und 17.30 Uhr mit einem Mitarbeiter der RAG abhalten werde.
„Normalerweise sprechen wir von einem Freisetzungsradius von 150 bis 200 Metern.
Kühlturm-Brand: Hotline weiter freigeschaltet
An alle Bürger erging der Appell, ihre Grundstücke auf verdächtige Objekte hin zu überprüfen. Das beauftragte Gutachterbüro geht jeder Meldung nach und überprüft die Fundstücke. Bei positivem Befund wird direkt ein Auftrag zur Beseitigung an Spezialfirmen weitergegeben. Bürger sollten die Bruchstücke nicht anfassen und von einer eigenständigen Reinigung und Entsorgung absehen – auch wenn grundsätzlich aufgrund des feuchten Bodens laut Einordnung des Lanuv „keine unmittelbare Gefahr besteht“.
Fundstücke sollen möglichst per Foto dokumentiert und an die E-Mail-Adresse bergschaeden@rag.de geschickt werden. Zudem ist montags bis freitags zwischen 8 und 14 Uhr weiterhin die Hotline der RAG unter der Telefonnummer 0800-27 27 271 erreichbar.
Rubriklistenbild: © Andreas Rother
