Mammutprojekt von RWE

„Größtes Loch Europas“: Neuer Riesensee entsteht in NRW

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Derzeit ist der Möhnesee der größte See in NRW. Doch RWE will den Tagebau in Hambach mit Wasser fluten und so einen noch viel größeren See entstehen lassen.

Hambach – NRW kann nicht unbedingt mit großen Seen glänzen. In Deutschlands Top Ten findet sich keiner aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland. Der Spitzenreiter – der Möhnesee im Kreis Soest – landet mit einer Wasseroberfläche von fast elf Quadratkilometern lediglich auf Platz 34. Doch zukünftig könnte NRW Plätze im Ranking gut machen: Der Energiegigant RWE will den Tagebau Hambach nach dem Kohleausstieg 2030 zu einem der größten Seen Deutschlands umfunktionieren.

RWE plant, den Tagebau Hambach in NRW zu einem Riesensee zu machen

Laut den Planungen von RWE soll sich der neue Hambachsee auf etwa 42 Quadratkilometer erstrecken. Nach Volumen soll das Gewässer gar das zweitgrößte Deutschlands werden. Das ist hauptsächlich auf die Tiefe des „größten Lochs Europas“ zurückzuführen. Mit rund 360 Meter würde der See, in dem man auch schwimmen könnte, den derzeitigen Spitzenreiter – den Bodensee mit 254 Meter – locker in die Tasche stecken. Nur auf die Wasseroberfläche bezogen, würde der geplante See deutschlandweit auf Rang sieben landen.

  1. Bodensee (535,9 Quadratkilometer)
  2. Müritz (109,2 Quadratkilometer)
  3. Chiemsee (79,9 Quadratkilometer)
  4. Schweriner See (61,5 Quadratkilometer)
  5. Starnberger See (56, 4 Quadratkilometer)
  6. Ammersee (46,6 Quadratkilometer)
  7. Plauer See (38,4 Quadratkilometer)
  8. Kummerower See (32,5 Quadratkilometer)
  9. Steinhuder Meer (29,1 Quadratkilometer)
  10. Großer Plöner See (29,1 Quadratkilometer)

    Quelle: Statistisches Bundesamt

Derzeit erinnert am Tagebau jedoch nur wenig an eine Naturlandschaft, geschweige denn einen See. Um das zu ändern, will der Energiekonzern die graubraunen Mulden mit insgesamt 4,3 Milliarden Kubikmeter Wasser fluten, vornehmlich aus dem Rhein. Nach dem auch der größte Bagger der Welt in Hambach in Rente geht – also 2030 – soll das Wasser bereits fließen. Bis 2040 soll das Loch so weit gefüllt sein, dass man darin schwimmen kann. RWE rechnet mit einer Fertigstellung des Projekts bis 2070.

Der Möhnesee im Kreis Soest ist der größte See in NRW – doch nicht mehr lange. (Archivbild)

Wasser für neuen Riesensee soll aus dem Rhein entnommen werden

Damit ein solches Mammutvorhaben gelingt, brauch es laut den Berechnungen der Planer drei unterirdische Rohre, die das Flusswasser aus dem Dormagener Stadtteil Rheinfeld zum nahegelegenen Tagebau Garzweiler in das etwa 26 Kilometer entfernte Grevenbroich-Frimmersdorf leiten. Von dort soll das Wasser im Anschluss weiter in Richtung Hambach fließen. Wegen der umfangreichen Baumaßnahmen sorgte das Projekt in Dormagen in der Vergangenheit bereits für Unmut.

Zwischen Köln und Aachen soll im Tagebau Hambach der tiefste See Deutschlands entstehen. (Visualisierung)

Die Flutung des Tagebaus ist Teil des Strukturwandels im rheinischen Revier. RWE ist nach Jahrzehnten des Braunkohleabbaus zur Renaturierung der Region verpflichtet. Deshalb wird sich auch das Umfeld des Tagebaus Hambach stark verändern. Schon jetzt arbeiten zahlreiche Menschen daran, Ideen für die Zukunft des Areals zwischen Köln und Aachen zu entwickeln. Neben dem in Hambach sollen auch die Tagebaue in Garzweiler und Inden in riesige Seen verwandelt werden.

Rubriklistenbild: © RWE

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