Mammutprojekt im Rheinischen Revier

Tiefster See Deutschlands entsteht in NRW – ab wann man darin schwimmen kann

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Bis der Tagebau Hambach zu einem Riesensee in NRW wird, kann es noch einige Jahre dauern. Menschen sollen ihn allerdings schon deutlich früher nutzen können.

Hambach – Es erfordert eine gehörige Portion Fantasie, um zu glauben, dass hier jemals wieder Leben einkehren wird. Doch genau das hat RWE am Tagebau Hambach vor: Nach dem Braunkohleausstieg 2020 soll die umgangssprachlich als „größte Loch Europas“ bezeichnete Grube mit 4,3 Billionen Litern Wasser geflutet werden, größtenteils aus dem Rhein. Aus dem Nichts soll so der tiefste See Deutschlands mitten in NRW entstehen. Ein solches Großprojekt benötigt Zeit, laut RWE wird die Fertigstellung mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Menschen können es aber wohl schon deutlich früher nutzen.

RWE will Tagebau Hambach zum tiefsten See Deutschlands umfunktionieren

Bis zum Jahr 2070 soll der Tagebau Hambach in einen riesigen See umgewandelt sein, so Boris Linden, Geschäftsführer der Neuland Hambach GmbH, vor einiger Zeit im Podcast Revier.Geschichten. Dieser Podcast wird vom Projektträger Jülich im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen produziert und behandelt Themen rund um den Strukturwandel im Rheinischen Revier. 2070 höre sich erstmal wahnsinnig lang an, so Linden, „Aber, weil die Mulde eine Trichterform hat, geht es die ersten Jahre sehr schnell.“

Bis 2070 will RWE den Tagebau Hambach in NRW zu einem riesigen See umfunktionieren.

Bereits 2040 soll man im tiefsten See Deutschlands schwimmen können

Bereits im Jahr 2040 soll sich die Wasseroberfläche auf rund 1.200 Hektar erstrecken. Zwar wird er zu diesem Zeitpunkt noch nicht seine endgültige, rekordverdächtige Tiefe von 360 Metern erreicht haben. Aber an einigen Stellen soll er dann bereits bis zu 200 Meter tief sein, so Linden. Schon dann, so der Chef der Neuland Hambach GmbH, wird der See nutzbar sein, etwa für Wassersportarten – und somit auch zum Schwimmen. „Wir planen jetzt die sicheren Seezugänge, damit diese wasserbezogene Nutzung dann auch stattfinden kann“.

Neuland Hambach GmbH

Die Neuland Hambach GmbH wurde von den sechs Anrainerkommunen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz ins Leben gerufen. Die Gesellschaft vertritt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Umkreis, kümmert sich um die strukturpolitische Entwicklung und die Koordination der Zukunftsperspektiven sowie um die Akquise von Fördermitteln und Investitionen.

Pipeline vom Rhein zum Tagebau Hambach sorgte für Streit

Die Dauer der Füllphase des geplanten Hambachsees hängt maßgeblich von der Menge des aus dem Rhein entnommenen Wassers ab. Um den Wasserstand des Flusses nicht zu stark zu beeinflussen, wird nur eine geringe Menge abgepumpt. Der NRW-Braunkohleausschuss hat die dafür benötigte Leitung bereits beschlossen. Unumstritten ist sie jedoch nicht: In Dormagen, wo die Pipeline zwischen Rhein und Tagebau beginnen wird, sorgte das Mammutprojekt in der Vergangenheit bereits für reichlich Unmut. Der örtliche Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) drohte zwischenzeitlich sogar mit rechtlichen Schritten.

Was hat RWE mit dem Tagebau Hambach vor?

Im und um den Tagebau Hambach – der 2018 durch die Räumung vom Hambacher Forst für Aufsehen sorgte – soll eine attraktive Wald-Seen-Landschaft entstehen, mit Badegewässer, Segelrevier und Erholungsgebiet. Die Flächen um das Gewässer könnten nach Vorstellung von RWE für Solaranlagen genutzt werden, um damit grünen Strom zu erzeugen. Auf dem See soll es schwimmende Fotovoltaikanlagen geben. Neben dem Tagebau Hambach sollen auch die Tagebauen Garzweiler und Inden in Seen umgewandelt werden. Schiffbare Kanäle sollen die Tagebauseen Inden und Hambach verbinden.

Ab 2030, wenn in NRW Schluss ist mit der Braunkohlegewinnung, sollen deshalb drei unterirdische Rohre das Flusswasser vom Rhein im Dormagener Stadtteil Rheinfeld in das rund 26 Kilometer entfernte Grevenbroich-Frimmersdorf leiten. Dort befindet sich der Tagebau Garzweiler. Von dort soll das Wasser auf die Tagebauen Inden und Hambach weitergeleitet werden.

Die Verantwortlichen vor Ort haben jedoch keine Zeit für Zweifel. Das Gebiet des Tagebaus erstreckt sich über 8.500 Hektar – das entspricht in etwa der Größe der Stadt Düren. Wenn der letzte Braunkohlebagger in Hambach stillsteht, müssen auch für das Gebiet rund um das Lach Pläne für neue Landschaften für Einwohner und Touristen stehen. Denn die Kommunen sind es, die einen Plan für das Umland des neuen Riesensees erarbeiten müssen, so Linden. Auch der Weiterbetrieb liegt in ihren Händen. Im Gegensatz dazu ist RWE zur Rekultivierung der Braunkohleregion verpflichtet.

Rubriklistenbild: © RWE

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