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Die marode A45-Brücke bei Lüdenscheid wird gesprengt. Live-Übertragung, Termin, Sprengstoff - alle Infos zum Fall des 17.000 Tonnen schweren Autobahn-Bauwerks.
Lüdenscheid - Sie ist 453 Meter lang, steht auf zehn gigantischen Füßen, wiegt 17.000 Tonnen - und ist seit dem 2. Dezember 2021 komplett nutzlos: An jenem Tag wurde die marode Talbrücke Rahmede in Lüdenscheid ohne Vorankündigung gesperrt. Seither ist die A45, eine der Hauptverkehrsadern von Nordrhein-Westfalen, durchtrennt. Am 7. Mai 2023 wird der Koloss aus Beton und Stahl gesprengt – um punkt 12 Uhr mittags. Highnoon sozusagen. Wir berichten am Sonntag live im Newsticker und übertragen die Sprengung im Stream.
Termin, Sprengstoff, Live-Übertragung: Alles zur Sprengung der A45-Brücke in Lüdenscheid
Die Rahmedetalbrücke ist mehr als ein sanierungsbedürftiges Autobahn-Bauwerk – davon gibt es eine ganze Reihe in NRW und im Rest von Deutschland. Die A45-Brücke bei Lüdenscheid wurde in den 17 Monaten des Stillstands zu einem Symbol für die marode Infrastruktur der Republik. Eine ganze Wirtschaftsregion leidet unter den Folgen, der permanente Schwerverkehr auf den Umleitungsstrecken in Lüdenscheid macht die Menschen krank. Mit großer Wehmut ist also nicht zu rechnen, wenn die A45-Brücke am ersten Mai-Sonntag fällt. Die Sprengung ist das Signal zum Neuaufbau.
Die Sprengung der etwa 75 Meter hohen A45-Brücke ist kein 08/15-Job, sogar für einen erfahrenen Sprengmeister wie Michael Schneider. Er sagt: „Die Hangneigungen hier an der Talbrücke Rahmede sind schon eine besondere Herausforderung. Wir müssen vermeiden, dass die Brücke nach dem Aufprall ins Rutschen gerät.“ Das ist der Grund, warum unter der Brücke ein besonders hohes Fallbett angelegt wurde. Seit Wochen und Monaten wird hier gearbeitet.
Sprengung der A45-Brücke in Lüdenscheid: 150 Kilogramm Sprengstoff
Mit 150 Kilogramm Sprengstoff, die in mehr als 2000 Löchern in den Pfeilern stecken, soll das Bauwerk präzise zu Fall gebracht werden. Viel Spielraum nach rechts und links gibt es nicht, wie ein Drohnenvideo der Rahmedetalbrücke kurz vor der Sprengung eindrucksvoll verdeutlicht. Weitere Fakten zur Sprengung der A45-Talbrücke in Lüdenscheid liefert wa.de im Überblick:
- Die Bohrlöcher werden verschlossen, um die Sprengwirkung zu erhöhen.
- 1000 Meter Sprengschnur werden verlegt.
- In die Pfeiler werden keilförmige Ausschnitte („Sprengmäuler“) angelegt, um steuern zu können, in welche Richtung die Pfeiler einknicken.
- Die Gebäude im Umfeld werden von 50 aufgetürmten Seecontainern geschützt. Außerdem werden zusätzliche Verbauungen an den Fenstern der umliegenden Häuser angebracht.
- Vor der eigentlichen Sprengung um 12 Uhr wird eine sogenannte Vergrämungssprengung ausgelöst. Sie soll Tiere, vor allem Vögel, verscheuchen.
Sprengung der A45-Brücke in Lüdenscheid: Evakuierung und Sperrung
Das Gelände rund um die Talbrücke wird umfangreich abgesperrt. Es gibt drei Evakuierungsbereiche unmittelbar neben der Brücke. In einem Radius von etwa 100 Metern um jeden Pfeiler herum gilt am Sonntag, 7. Mai, ab 9 Uhr morgens ein Betretungsverbot, auch für den Sprengmeister selbst.
So sieht es im Moment an der Talbrücke Rahmede aus.




Aus Angst vor hartnäckigen Sprengungstouristen wird der Sperrbereich streng überwacht. Spürhunde und Wärmebildkameras werden zum Einsatz kommen.
Die wichtige Altenaer Straße, die unter der Brücke herführt, ist bereits gesperrt - und wird es auch noch lange bleiben. Für den Abtransport der Brückentrümmer sowie der Erd- und Schottermassen hat die Autobahn GmbH einen Zeitraum von fünf Wochen einkalkuliert. Erst am 10. Juni soll die Vollsperrung wieder aufgehoben werden.
Sprengung der A45-Brücke in Lüdenscheid: Minister Volker Wissing kommt aus Berlin
Die Stadt Lüdenscheid wird die Sprengung auf einer Großleinwand in der Innenstadt übertragen, viele Kilometer entfernt vom Geschehen. wa.de wird die Sprengung am 7. Mai live im Stream übertragen – auch der WDR ist vor Ort und sendet live. Bundesverkehrsminister Volker Wissing wird ins Sauerland kommen und die Sprengung dort verfolgen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hat sich nicht angekündigt. Er steht wegen des Umgangs mit der Brückensanierung in seiner Zeit als Verkehrsminister in der Kritik.
Im Schatten der Sprengung der Rahmedetalbrücke läuft die Planung für den nächsten großen Fall an der A45, nur wenige Kilometer weiter in Richtung Dortmund: Ende Mai wird ein Teilbauwerk der Talbrücke Sterbecke gesprengt.
Rubriklistenbild: © C. Popovici

