VonJonah Reuleschließen
Das erste orientalische Einkaufscenter Deutschlands soll im ehemaligen Hansa-Center in Bottrop entstehen. Das sorgt für Diskussionen. Die Projekt-Entwickler reagieren darauf.
Bottrop – Ein orientalisches Einkaufscenter mitten in NRW – genialer Einfall oder Schnapsidee? Diese Frage wird seit der Vorstellung der Pläne zum neuen Merhaba-Center in Bottrop in der Region immer wieder diskutiert. Entstehen soll das orientalische Einkaufszentrum im Gebäude des ehemaligen Hansa-Centers in der Innenstadt von Bottrop. Ende 2024 soll das „Merhaba im Hansa-Center“ dann als erstes orientalisches Einkaufscenter in Deutschland eröffnet werden. Erste Bilder und Entwürfe zeigen, wie es in dem Merhaba-Center mal aussehen soll. Passt das Konzept nach NRW? Die Projektentwickler selbst haben dazu eine klare Meinung.
Orientalisches Merhaba-Center in Bottrop
► In Bottrop soll im ehemaligen Hansa-Center in der Innenstadt das neue Merhaba-Center entstehen. Das Hansa-Center stang jahrelang leer, das Themen-Einkaufszentrum soll dem Gebäude neues Leben einhauchen
► Die Projektentwickler betonen, dass jeder unabhängig von Konfession und Herkunft willkommen ist – passend zum Namen, denn Merhaba ist der arabische Ausdruck für „Guten Tag“ oder „Willkommen“
► Im Merhaba Center soll es unter anderem einen Basar mit orientalischen Lebensmitteln, Juweliere, arabische Restaurants und einen Spa-Bereich samt Hamam (eine orientalische öffentliche Badeanstalt) geben. Die Eröffnung ist für Ende des Jahres 2024 geplant.
► Entwickelt wird das Center aktuell von der Düsseldorfer SI&AM Sustainable Investment & Asset Management GmbH
Orientalisches Einkaufszentrum Merhaba Center in Bottrop: Klassisches Shoppingcenter „nicht nachhaltig“
Auf die Frage, ob ein orientalisches Einkaufscenter nach Bottrop und damit nach NRW passe, antworten die Entwickler des Methaba Centers auf ihrer Webseite mit einem eindeutigen „Ja“. „Die Einzelhandelskonkurrenz in unmittelbarer Nähe ist sehr stark, sodass ein weiteres klassisches Shoppingcenterkonzept für die Bürger*innen weder dauerhaft noch nachhaltig wäre“, so die Begründung. Im Einzugsgebiet befinden sich unter anderem das Centro Oberhausen und das Einkaufszentrum Limbecker Platz in Essen.
Zwei Drittel aller Einkaufscenter in Deutschland hätten einem bundesweiten Trend zufolge mit Leerstand zu kämpfen. Der Shopping-Center-Report des EHI Retail Instituts (EHI) bestätigt eine Zunahme des Leerstands in deutschen Einkaufszentren seit der Corona-Pandemie. Demnach stehen allein in 43 Prozent aller Einkaufszentren mindestens drei Prozent der Ladenflächen leer.
Orientalisches Einkaufscenter in Bottrop soll Trend umkehren
Durch viele ähnliche Angebote würden die Geschäfte in den Innenstädten laut den Entwicklern unter dem Wettbewerb leiden. „Genau das wollen wir nicht“, sagen die Projektentwickler. Vielmehr soll das Merhaba-Center als erstes Themeneinkaufscenter seine eigene Frequenz nachhaltig generieren und sich so von der Konkurrenz abheben. Ziel sei es, die Bottroper Innenstadt so wieder mit neuem Schwung und Leben zu erfüllen. „Eine Win-Win-Situation für alle“, wie die Entwickler meinen.
Einkaufscenter soll Erlebnis für die ganze Familie werden – kein Marxloh 2.0
Neben zahlreichen Waren und Produkten aus der orientalischen Welt, soll das Einkaufszentrum laut den Entwicklern noch weitaus mehr zu bieten haben. So sei unter anderem ein Kinderland, ein Wellnessbereich und ein Multifunktionssaal mit Platz für bis zu 500 Menschen geplant. Und auch Hochzeitsmodegeschäfte. Doch ein „Marxloh 2.0“, wie die Planer es formulieren, werde es nicht geben. Im Duisburger Stadtteil hat sich auf der Weseler Straße ein deutschlandweit und international bekanntes Zentrum für Brautmode etabliert, vor allem Menschen aus der Türkei oder mit türkischen Wurzeln kaufen dort ein.
Das Merhaba-Center werde aber kein Marxloh, betonen die Projektmacher. Dort seien die einzelnen Geschäfte in unterschiedlichen privaten Händen, das Merhaba Center hingegen habe ein einheitliches Konzept. Zuletzt hatten die Planungen des orientalischen Einkaufscenters für Bedenken unter den Anwohnern in Bottrop gesorgt, denn im Multifunktionssaal könnten künftig auch große Hochzeiten stattfinden. Mancher fürchten Auto-Korsos in der Innenstadt. (jr)
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