- VonFrank Lahmeschließen
Die Ausländerkriminalität hat (auch) in Hamm stark zugenommen, und zwar um fast 20 Prozent. Im Jahr 2023 wurden rund 7000 Tatverdächtige in Hamm ermittelt, 3000 davon hatten keinen deutschen Pass.
Hamm – Die Ausländerkriminalität steigt und ist (auch) in Hamm offenbar auf einem Allzeithoch angelangt. Hatte ein durchaus besorgter NRW-Innenminister Herbert Reul vor einer Woche bekannt gegeben, dass der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen bei den aufgeklärten Straftaten im Jahr 2023 um 10,4 Prozent gegenüber 2022 angestiegen ist, so ist die Entwicklung in Hamm noch einschneidender. „Wir liegen signifikant über dem Landesmittel“, räumt Polizeipräsident Thomas Kubera ein.
Ausländerkriminalität legt um 19,9 Prozent zu
Die Steigerungsrate bei den Tatverdächtigen mit ausländischen Wurzeln liegt Kubera zufolge in Hamm bei exakt 19,9 Prozent. Anders ausgedrückt: Von den im Jahr 2023 ermittelten 6965 Tatverdächtigen hatten 2980 keinen deutschen Pass (42,8 Prozent). Im Jahr zuvor wurden in Hamm „nur“ 6471 Tatverdächtige ermittelt. Davon waren 2486 Personen nichtdeutscher Herkunft (40,3 Prozent).
Darum liegt Hamm überm Landesschnitt
Dass die Hammer Zahlen deutlich über dem Landesschnitt liegen, ist allerdings nur auf den ersten Blick überraschend. Hamm ist eine Großstadt, und in denen gibt es seit jeher mehr Kriminalität und andere Täterstrukturen als in ländlichen Regionen. Auch in den übrigen Ruhrgebietsstädten werden die Steigerungsraten ähnlich wie die in Hamm sein. Diese Zahlen sind allerdings noch nicht bekannt. Am 3. April, wenn landesweit die Kriminalstatistiken vorgestellt werden, wird sich das ablesen lassen. „Die Großstädte liegen immer über dem Landesschnitt“, weiß Hamms Polizeipräsident Kubera aus jahrelanger Erfahrung.
Der Bahnhof als Hotspot
Die mit Abstand meisten Straftaten werden in Hamm traditionell in der Innenstadt begangen. Die Täter stammen dabei längst nicht immer aus Hamm. Gerade der Bahnhofsbereich hat sich Kubera zufolge in 2023 zu einem Hotspot entwickelt. Die dort ermittelten Straftäter stammten zum Teil aus auswärtigen Unterbringungseinrichtungen für Flüchtlinge.
Rund 2100 Straftaten – ganz überwiegend Diebstähle – wurden übrigens allein im Hauptbahnhof und in den Zügen registriert. Das entsprach einer Steigerung von 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Möglicherweise war dies ein Nebeneffekt des 9-Euro-Tickets und der national gesteigerten Reiseaktivitäten. Jede fünfte in der Stadtmitte registrierte Straftat fand im Hauptbahnhof oder in den Zügen statt. Der Hammer Bahnhof hat als Umsteigebahnhof nationale Bedeutung.
Türkei liegt an der Spitze
Etwa 33.000 Ausländer leben in Hamm, was einem Anteil an der Gesamtpopulation von 18 Prozent entspricht. Hamm ist damit internationaler als Gesamt-NRW, wo der Ausländeranteil bei 15,6 Prozent liegt. Gemessen an ihrem Anteil in der Bevölkerung der Stadt Hamm geraten nichtdeutsche Tatverdächtige etwa dreimal häufiger mit dem Gesetz in Konflikt als deutsche Tatverdächtige. Rund 3000 der 7000 im Vorjahr in Hamm ermittelten Tatverdächtigen hatten keinen deutschen Pass.
Die größte Gruppe der nichtdeutschen Hammer stammt aus der Türkei. Das spiegelt sich auch bei den ermittelten Tatverdächtigen wider. Mit 13 Prozent bilden türkische Landsleute hier die größte Gruppe. EU-Ausländer – insbesondere aus Rumänien, Bulgarien und Polen – haben bei den Tatverdächtigen einen Anteil von rund 23 Prozent. Syrische Flüchtlinge (7 Prozent), Algerier (6 Prozent), Marokkaner (5 Prozent) und Serben (4 Prozent) folgen.
Flüchtlinge als Tatverdächtige
Laut Polizeipräsident Kubera ist Kriminalität bei den Menschen besonders stark verbreitet, bei denen die Integration noch gar nicht begonnen hat – vielfach bei Flüchtlingen im Anerkennungsverfahren. Weitere Steigerungen seien in Hamm durch die Inbetriebnahme der zweiten ZUE nicht auszuschließen. Gleichwohl gebe es auch positive Entwicklungen, zum Beispiel bei den unter 21-Jährigen. Unter den ausländischen Tatverdächtigen lag der Anteil in dieser Altersgruppe unter denen mit deutscher Herkunft. Rohheitsdelikte werden zudem anteilig seltener von Ausländern begangen als Eigentumsdelikte.
In Berlin forderte die frühere Linken-Ikone Sahra Wagenknecht jetzt gemeinsame Anstrengungen von Bund und Ländern gegen Straftaten von Ausländern und für eine bessere Ausstattung der Polizei. Nötig sei ein „Innenministergipfel im Kanzleramt“.
Rubriklistenbild: © Rother (Symbolbild)