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Nach Explosion in Ratingen: Polizistin und Rettungshelfer weiter im künstlichen Koma

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Eine Woche nach der Explosion in Ratingen ist der Zustand der Verletzten weiter sehr ernst. Zwei Einsatzkräfte liegen immer noch im künstlichen Koma.

  • Ein vermeintlicher Routineeinsatz von Polizei und Feuerwehr ist eskaliert: Zahlreiche Einsatzkräfte wurden bei einer Explosion in einer Hochhauswohnung in Ratingen im Kreis Mettmann am Donnerstag (11. Mai) teils lebensgefährlich verletzt. Zwei liegen im künstlichen Koma.
  • Der 57 Jahre alte Sohn einer dort wohnenden Frau soll die Explosion ausgelöst haben. Gegen ihn wurde nun ein Haftbefehl wegen versuchten Mordes in neun Fällen erlassen. In dem Wohnhaus wurden auch zwei Todesopfer gefunden.
  • In der Wohnung des Mannes wurden handschriftlich verfasste Texte auf Zetteln gefunden, die Einblicke in die Gedankenwelt des mutmaßlichen Täters zulassen.
  • Alle Informationen im News-Ticker.

Update vom 18. Mai, 14:28 Uhr: Genau eine Woche nach der Explosion in Ratingen schweben zwei der verletzten Einsatzkräfte immer noch in Lebensgefahr. Wie NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in einem Interview mit der Rheinischen Post sagte, befänden sich eine Polizistin und ein Rettungshelfer immer noch auf der Intensivstation im künstlichen Koma. Beide trugen bei der Explosion schwerste Verletzungen davon. Weitere Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdiensten lägen noch auf der Intensivstation. „Der Genesungsprozess wird bei einigen voraussichtlich sehr, sehr lange andauern“, so Reul.

Indes dauern die Ermittlungen zum Hintergrund der Explosion weiter an. Ein 57-jähriger Mann wird beschuldigt, die Explosion ausgelöst zu haben, als Polizei und Feuerwehr seine Wohnung betraten. Ein Richter erließ nun einen Haftbefehl gegen den Verdächtigen wegen versuchten Mordes in neun Fällen. Zu einem möglichen Motiv äußerte sich Innenminister Reul bei der Rheinischen Post so: „Vielleicht werden wir die Frage nach dem Warum aber auch am Ende der Ermittlungen nicht abschließend beantworten können.“ Es zeige sich allerdings jetzt schon, dass der Mann offenbar Vorbereitungen getroffen habe, „um heimtückisch Menschen zu verletzen oder gar zu töten.“

Explosion in Ratingen: Polizei findet Zettel in der Wohnung des Verdächtigen

Update vom 15. Mai, 9:45 Uhr: In der Wohnung des 57-jährigen Verdächtigen wurden Zettel gefunden, die Einblick in die Gedankenwelt des Mannes geben. Er soll eine Explosion ausgelöst haben, als Polizei und Feuerwehr seine Wohnungstür öffneten. Den Einsatzkräften soll er Benzin entgegengeschüttet und entzündet haben.

In seiner Wohnung seien handschriftlich verfasste Zettel gefunden worden, die nahelegen, dass der Mann Verschwörungstheorien anhing, sagte Kriminaldirektorin Heike Schultz, die die Ermittlungen leitet und koordiniert, gegenüber dpa: „Da ist bei der Covid-19-Impfung von einer „Impfung des Teufels“ die Rede. Zudem hat er seine Abneigung gegen Kirche, Staat und Arbeitsamt zum Ausdruck gebracht.“ Einen Abschieds- oder Bekennerbrief habe man aber nicht in der Wohnung gefunden.

Die Ermittler hoffen nun, durch die Auswertung von Festplatten und Mobiltelefonen des Verdächtigen weiteren Einblick zu bekommen. „Die Geräte wurden allerdings durch Hitze und Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen“, so Schultz. In der Wohnung seien die Ermittler zudem auf ungewöhnlich große Vorräte an Wasser, Kerzen, Nudeln und Toilettenpapier gestoßen, wie sie von sogenannten Preppern angelegt werden. Als Prepper, abgeleitet vom englischen „prepare“ (vorbereiten), werden Menschen bezeichnet, die sich auf das Überleben im Katastrophenfall vorbereiten. Der Mann hatte zudem eine Barrikade aus Getränkekästen hinter der Wohnungstür errichtet, heißt es bei der Polizei.

Nach Explosion in Ratingen: Einsatzkräfte weiter auf Intensivstation

Update vom 15. Mai, 16:32 Uhr: Tage nach der Explosion in Ratingen befinden sich mehrere Einsatzkräfte weiterhin in einem schwierigen Zustand. Acht Schwerverletzte würden nach wie vor in Krankenhäusern auf Intensivstationen behandelt, sagte ein Polizeisprecher am Montag der Deutschen-Presse-Agentur. Sie waren von einem Feuerball getroffen worden und hatten zum Teil schwerste Verbrennungen erlitten. Die vorangehende Explosion soll ein 57-jähriger Mann ausgelöst haben. Er sitzt zurzeit wegen versuchten Mordes in neun Fällen in Untersuchungshaft.

Routineeinsatz eskalierte: So lief der Vorfall in Ratingen genau ab (Bilder)

Update vom 15. Mai, 12:54 Uhr: Nach dem eskalierten Polizeieinsatz in Ratingen herrscht viel Ratlosigkeit. Ob Polizei, Politik oder Bevölkerung, alle stellen sich die Frage: Wie konnte es dazu kommen? Wie der Vorfall in Ratingen ablief:

Entsetzen, Anteilnahme und Solidarität mit Einsatzkräften nach Explosion in Ratingen

Am Donnerstag kam es in Ratingen zu einer Explosion. Etliche Einsatzkräfte wurden schwer verletzt. Zwei Leichen wurden gefunden.
Am Donnerstag (11. Mai) wurde die Polizei in Ratingen losgeschickt, um einer „hilflosen Personen“ zu helfen. Doch der vermeintliche Routineeinsatz eskalierte komplett. In dem Hochhaus in der Berliner Straße kam zu einer Explosion mit Feuerball. © Tim Oelbermann/Imago
Viele Feuerwehr- und Rettungswagen stehen auf einer Straße in Ratingen.
Die Explosion in Ratingen rief viele Einsatzkräfte auf den Plan. Neben Polizei, waren auch Feuerwehr und Rettungsdienst vor Ort. © Tim Oelbermann/Imago
Polizeibeamte mit Gasmasken und Feuerwehrleute stehen vor einem Hochhaus.
Auslöser der Explosion war ein Gefäß Benzin, was der Tatverdächtige Einsatzkräften entgegengeworfen hatte. Bei dem 57-Jährigen handelt es sich um einen Gewalttäter, gegen den bereits zwei Strafbefehler vorlagen. © Rolf Vennenbernd/dpa
Polizeibeamte in Spezialausrüstung stehen vor einem Hochhaus.
Der verheerende Vorfall in Ratingen rief schließlich auch das Spezialeinsatzkommando (SEK) auf den Plan. © David Young/dpa
Ein Polizeibeamter in Spezialausrüstung steht auf einem Balkon und zielt mit einer Waffe.
Schwer bewaffnet drang das SEK in das Hochhaus in der Berliner Straße in Ratingen ein. © David Young/dpa
SEK-Kräfte stürmen nach einer Explosion die Wohnung in Ratingen.
Schließlich stürmte das Sonderkommando die Wohnung in der Berliner Straße in Ratingen und nahm den 57-jährigen Mann fest. Er wurde anschließend von einem Richter wegen versuchten Mordes in neun Fällen in Untersuchungshaft geschickt. © Tim Oelbermann/Imago
Ein verletzter Polizeibeamter wird vor einem Hochhaus in einen Krankenwagen gebracht.
Ganze 24 Einsatzkräfte wurden bei dem Einsatz in Ratingen verletzt. Zwei Polizisten sowie sieben Feuerwehrleute und Rettungsdienst-Mitarbeiter hatten durch den Feuerball Teil schwerste Verbrennungen erlitten. © Rolf Vennenbernd/dpa
Bestatter bringen den Leichnam einer in einer Wohnung aufgefundenen Person zum Leichenwagen.
Nach dem Einsatz wurden sowohl in der betroffenen Wohnung, sowie einer Nachbarwohnung zwei Todesopfer entdeckt. Ein älterer Mann sowie eine ebenfalls ältere Frau. Bei letztere könnte es sich um die 91-jährige Mutter des 57-jährigen Verdächtigen handeln, jedoch wurde das noch nicht abschließend geklärt. © Christoph Reichwein/dpa
Gedenkveranstaltung an verletzte Einsatzkräfte aus Ratingen.
Der eskalierte Einsatz in Ratingen sorgte für viel Anteilnahme aus der Bevölkerung. An einer Mahnwache und Solidaritätskundgebung nahmen am Samstag (13. Mai) über 800 Leute teil. © Tim Oelbermann/Imago

Nach Explosion in Ratingen: Über 800 Menschen bei Solidaritätskundgebung

Update vom 15. Mai, 11:07 Uhr: Der verheerende Polizeieinsatz in Ratingen sorgt für viel Anteilnahme in der Bevölkerung. Am Samstag haben dort mehr als 800 Menschen an einer Solidaritätskundgebung für die verletzten Einsatzkräfte teilgenommen, sagte ein Polizeisprecher gegenüber der dpa. Dabei wurden unter anderem zahlreiche Kerzen wurden aufgestellt. Zu der Kundgebung sowie Mahnwache auf dem Marktplatz hatte eine Ratinger Bürgerin aufgerufen.

Ratingen: Viele Fragen nach Eskalation des Routineeinsatzes

Am Donnerstag (11. Mai) kam es in Ratingen zu einer Explosion. Etliche Einsatzkräfte wurden schwer verletzt. Zwei Leichen wurden gefunden.

Update vom 15. Mai, 9:10 Uhr: Waren die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr unvorbereitet zu der Wohnung des mutmaßlich gefährlichen Mannes geschickt worden? Immerhin war bekannt, dass gegen den 57-Jährigen ein Haftbefehl vorlag – ein Beamter war kurz zuvor vor Ort gewesen, um ihn zu vollstrecken, hatte den Mann aber nicht angetroffen. Während die Einsatzkräfte einer „hilflosen Person“ helfen wollten, war der 57-jährige Ratinger möglicherweise davon ausgegangen, dass er verhaftet werden sollte. Er selbst schweigt zu dem Geschehen. Ein Polizeisprecher hatte am Freitag gesagt, mit einer derart verheerenden Eskalation des Einsatzes habe niemand rechnen können.

Nach Ratingen-Vorfall: Innenminister Reul ruft Polizeikräfte zur Vorsicht auf

Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) rief die Polizisten in Nordrhein-Westfalen im Intranet der Polizei zur besonderen Vorsicht auf: „Für den Moment habe ich nur eine Bitte: Passen Sie gut auf sich und Ihre Kolleginnen und Kollegen auf!“ So steht es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Dieser furchtbare Einsatz macht mich zutiefst betroffen – und ehrlich gesagt auch wütend. Alle Kräfte hatten nur Gutes im Sinn, sie haben sich dem Dienst für die Gesellschaft verschrieben und wollten nur helfen. Doch hier wurden Retter und Helfer selbst zu Opfern“, schreibt er.

Reul weiter: „Der mutmaßliche Täter konnte zwar festgenommen werden, aber das ist nur ein schwacher Trost. Es sind noch so viele Fragen offen - allen voran die Frage nach dem „Wieso?““.

Explosion in Ratingen: Einsatzkräfte lebensgefährlich verletzt

Erstmeldung vom 14. Mai: Ratingen – Die Auswirkungen der schweren Explosion in Ratingen hallen immer noch nach. Derzeit befinden sich noch lebensgefährlich verletzten Polizeibeamte in Krankenhäusern. Jedoch haben sie auch die zweite Nacht nach dem mutmaßlichen Mordanschlag überlebt, wie ein Polizeisprecher am Samstagmorgen (13. Mai) gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur mitteilte. Auch zwei Todesopfer wurden gefunden, eines sogar direkt in der Wohnung des Verdächtigen. Ob es sich dabei um die 91-jährige Mutter des 57-Jährigen handelt, sei aber weiterhin nicht abschließend geklärt.

Nach Explosion in Ratingen: SPD beantragt Sondersitzung im NRW-Landtag

Wegen der vielen Unklarheiten wegen des Polizeieinsatzes in Ratingen hat sich nun die Oppositon im NRW-Landtag eingeschaltet. Die SPD kündigte an, wegen des Falls eine Sondersitzung des Innenausschusses zu beantragen. Die innenpolitische Sprecherin Christina Kampmann möchte wissen, ob die Einsatzkräfte, die am Donnerstag zu einer „hilflosen Person“ gerufen wurden, darüber informiert wurden, dass dort ein Gewalttäter wohnt, gegen den bereits ein Haftbefehl vorlag.

Ein Polizist hatte den 57-Jährigen wenige Tage vor dem folgenreichen Einsatz mit einem Haftbefehl aufgesucht. Der Ratinger hatte zuvor eine Geldstrafe wegen Körperverletzungsdelikten nicht bezahlt. Außerdem möchte die SPD wissen, was es mit der Zugehörigkeit des Verdächtigen zur Prepper-Szene auf sich hat.

Während die Einsatzkräfte einer „hilflosen Person“ helfen wollten, war der 57-jährige Ratinger möglicherweise davon ausgegangen, dass er verhaftet werden sollte. Der Täter selbst schweigt zu dem Vorfall. Ein Polizeisprecher hatte am Freitag (12. Mai) gesagt, dass mit einer derart verheerenden Eskalation des Einsatzes niemand habe rechnen können. Der Mann soll zudem Corona-Leugner sein. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst machte nach dem Vorfall in Ratingen eine klare Ansage.

Fünf Feuerleute nach Explosion in Ratingen in Koma – zwei Polizeibeamte in Lebensgefahr

Bei der Explosion in Ratingen wurden über 20 Polizisten und Feuerwehrleute verletzt.

Bei dem Vorfall in Ratingen wurden insgesamt 24 Einsatzkräfte teils schwer verletzt. Fünf Feuerwehrleute befinden sich aktuell immer noch im künstlichen Koma. Zudem sind ein Polizist und eine Polizistin lebensgefährlich verletzt. Die Polizei Mettmann hat indes ein Spendenkonto für die Betroffenen und ihre Angehörigen eröffnet. (os mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © Roberto Pfeil/dpa

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