Von Prioritätenliste aufs Abstellgleis

Trotz regelmäßiger Kontrollen wenig Greifbares im Sedanquartier

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Knotenpunkt: Die Kreuzung Sedanstraße/Feidikstraße mit Bunker und Kirche im Hintergrund. Hier ist nichts geschehen. Durch die Schließung des griechischen Restaurants ist noch ein belebender Faktor weggefallen. Mit den neuen Richtlinien in der Städtebauförderung wird es zudem schwieriger, Mittel für den öffentlichen Raum zu gewinnen.
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Das Sedanquartier in der südlichen Innenstadt von Hamm: Die Stimmen zu Verfall und Stillstand im Viertel mehren sich. Stellenweise ist es zum Sammelpunkt verschiedener Gruppen geworden. Anlieger fühlen sich unsicher. Von der Prioritätenliste rutschte das Quartier aufs Abstellgleis.

Hamm – Die Aufwertung des Sedanquartiers war zentraler Baustein der Perspektive Innenstadt 2030: von neuer Quartiersmitte rund um den Bunker bis zur Nord-Süd-Fahrradachse. Das war 2017. Entwickelt worden ist bisher nichts Wegweisendes, weder privat noch öffentlich. Stattdessen mehrt sich Kritik am zunehmenden Verfall im Quartier. Immer wieder geht es dabei um das Thema (gefühlte) Sicherheit. Nach erneuten Anliegerzweifeln an der Wirksamkeit von Polizei- und KOD-Präsenz äußern sich beide Behörden auf Nachfrage unserer Zeitung.

Laut Stadt waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) seit dem 21. Dezember bis 8. Januar 30 Mal zu unterschiedlichen Zeiten im Bereich Sedanstraße und Feidikstraße vor Ort.

„Es muss Gründe für Kontrollen geben“

Natürlich sei es so, dass die KOD-Teams auch mal „nur“ während einer Streife dort herführen und schauten, ob es überhaupt Auffälligkeiten gebe. „Schließlich muss es auch einen Grund geben, um konkrete Kontrollen durchführen zu können“, sagt Stadtsprecher Tom Herberg.

Bei einer Kontrolle Ende 2023 seien sechs Personen angetroffen worden, die laut KOD zur Drogenszene gehören könnten, allerdings habe zu dem Zeitpunkt kein Verstoß vorgelegen. Somit seien nur Personalien kontrolliert worden und eine grundsätzliche Ansprache erfolgt. Ob es sich bei den Personen tatsächlich um einen Verdrängungseffekt aus dem Bahnhofsumfeld oder um eine andere Personengruppe handele, könne von der Stadt derzeit noch nicht beantwortet werden. „Dafür müssen wir die Situation länger im Auge behalten“, so der Sprecher.

„Zuwanderung“ aus Kino-Parkhaus

Die Polizei bewerte laufend sorgfältig die Situation vor Ort und nehme die Sorgen der Anwohnerinnen und Anwohner ernst, sagt Polizeisprecher Hendrik Heine. „Wir stellen fest, dass es nur in Teilen zu einer Verdrängung der Betäubungsmittel-Szene aus dem Bahnhofsquartier in die genannten Straßen gekommen ist“, so der Sprecher. „Vielmehr sind dort seit längerer Zeit Personen der Obdachenlosen-, Alkoholiker- und Betäubungsmittelszene zu beobachten, die zum Teil in diesem Bereich soziale Ankerpunkte haben“, so Heine. Dazu gehörten auch Personen, die sich in der Vergangenheit am Kino beziehungsweise der dortigen Tiefgarage aufgehalten hätten.

Nahezu täglich seien in dem Bereich Polizeikräfte unterschiedlicher Art sowie gemeinsam mit dem KOD präsent. Die Möglichkeiten der Polizei seien aber dann begrenzt, sobald es sich nicht mehr um öffentlichen Raum handele (zum Beispiel Hinterhöfe oder Treppenhäuser).

Kontaktaufnahme zu Polizei und KOD erwünscht

Die Polizei bittet Bürgerinnen und Bürger, bei verdächtigen Feststellungen die Nummer 110 anzurufen. Zudem können sie sich an die Bezirksbeamten Polizeihauptkommissar Dirk Verstegen (Telefon 916-2241) und Polizeihauptkommissar Timo Heitplässer (916-2242) wenden; Leitstelle Kommunaler Ordnungsdienst (KOD): Telefon 17-7235

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