VonMarvin K. Hoffmannschließen
Auch die Landwirte in NRW treffen die Folgen des Klimawandels hart. Ihnen drohen in diesem Jahr wegen „extremer Wetterlagen“ starke Einbußen.
Hamm – Der Erfolg der Landwirtschaft ist stark vom Wetter abhängig. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich viele Bauernregeln gebildet, wie zum Beispiel zu den Hundstagen im August. Mittlerweile ist es für die Bauern aber immer schwieriger geworden, das Wetter richtig einzuschätzen. Zu viele Extremlagen gibt es aufgrund des Klimawandels. Das stellt auch die Landwirte in Nordrhein-Westfalen vor große Probleme.
Die Landwirtschaft ist von den Folgen des Klimawandels betroffen
„Die Landwirtschaft ist wie kaum ein anderer Wirtschaftssektor vom Klimawandel betroffen. In den letzten Jahren war insbesondere eine Zunahme extremer Witterungsbedingungen zu beobachten“, erklärt Jan-Malte Wichern, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW, auf wa.de-Nachfrage. Dazu würden „Spätfröste, extreme Niederschläge oder länger anhaltende stabile Wetterlagen, in denen es entweder mehrere Wochen zu trocken und gegebenenfalls auch zu warm oder zu feucht war“ zählen. Da das auch in diesem Jahr wieder der Fall ist, drohen den Bauern heftige Einbußen und Ernte-Ausfälle – das dürfte letztendlich auch Auswirkungen auf Verbraucher haben.
Landwirtschaftskammer-Sprecher Wichern weiß: „Die Zunahme extremer Wetterlagen erschwert den Anbau von Pflanzen und erhöht das Produktionsrisiko, weil landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe häufiger Ertragsausfälle und Qualitätseinbußen hinnehmen müssen und infolgedessen weniger Einnahmen haben.“ Höhere Preise in den Supermärkten und Discountern wäre die Folge. Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil.
„Wir erwarten unter anderem mehr Starkregen und noch mehr Hitze. NRW hält sogar mit 41,2 Grad gemessen 2019 in Duisburg und Tönisvorst den aktuellen deutschen Hitzerekord. Teile von NRW, wenn man nicht gerade ins Sauerland geht, sind Regionen, die besonders heiß werden. Auch ausgetrocknete Flüsse kennen die Menschen hierzulande schon“, erklärte Klimaforscher Prof. Dr. Latif unlängst im Interview mit wa.de. Das Wetter wird aufgrund des Klimawandels immer extremer. Für die Landwirte ist dabei der Zeitpunkt entscheidend.
Hitzewellen können die Pflanzen in NRW schädigen
Hitzewellen können in einem sensiblen Wachstumsstadium einer Pflanze, zum Beispiel beim Getreide während der Anlage und Ausbildung der Ähren, erhebliche Schäden verursachen. „Manche Kulturen sind anfälliger für extreme Sonneneinstrahlung oder Trockenheit wie beispielsweise Kartoffeln, die nur ein flaches Wurzelwerk ausbilden und daher keine Feuchtigkeit aus tieferen Bodenschichten erschließen können. Demgegenüber machen lange Regenperioden die Befahrbarkeit des Bodens unmöglich, sodass wichtige Feldarbeiten nicht durchgeführt werden können“, erklärt Wichern.
Zuletzt hatten die Landwirte in NRW daher Schwierigkeiten, „die dringende Ernte vor allem von Weizen, Roggen, Triticale und Raps“ zum richtigen Zeitpunkt einfahren zu können. „Teilweise keimen bereits Körner in den Ähren auf dem Feld oder es wachsen grüne Pflanzen in liegenden Getreidebeständen, wodurch das Dreschen später erschwert wird. Vor diesem Hintergrund sind erhebliche Qualitätseinbußen und Erlösverluste zu erwarten“, sagt der Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW.
Folgen des Klimawandels sind in NRW massiv spürbar
Klimaforscher Prof. Dr. Latif meint, es sei längst zu spät. Die Folgen des Klimawandels seien schließlich bereits massiv spürbar. „Kurzfristig wird sich die Situation nicht verbessern. Wir müssen also versuchen, uns besser anzupassen“, sagt er. Seine klare Forderung: „Wir müssen den Ausstoß von Treibhausgasen senken.“ Dessen sind sich auch die Landwirte bewusst.
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„Die Landwirtschaft ist nicht nur von sich ändernden klimatischen Bedingungen betroffen, sondern sie verursacht in der Tat auch Treibhausgasemissionen, in Deutschland rund 7 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen“, sagt Wichern. Das wohl bekannteste Gas, Methan, entsteht größtenteils im Stall bei der Verdauung der Tiere.
„Wie diese Emissionen zu verringern sind, wird intensiv erforscht“, erklärt Wichern. Auch Gülle sowie mineralische Düngemittel tragen ihren Teil dazu bei – deren Einsatz hätten die landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betriebe daher seit 2015 „deutlich gesenkt“. Die Folgen des Klimawandels treffen sie aber jetzt schon hart. Die Bauern in NRW haben daher gelernt, sich anzupassen.
Landwirte in NRW passen sich an den Klimawandel an
Der Boden spiele eine wichtige Rolle bei der Anpassung an den Klimawandel. „Ein gesunder Boden mit ausreichender Humusversorgung und guter Bodenstruktur, das heißt keine verdichtete Bodenschicht, kann die Auswirkungen von extremen Witterungsbedingungen puffern“, meint Wichern. „Um das Produktionsrisiko zu streuen, können unterschiedliche Kulturen und Sorten angebaut werden“, erklärt er zudem.
Wetterextreme, wie starke Hagelschauer, können empfindliche Kulturen – Obst beispielsweise – beschädigen. Diese Schäden könnten „durch Hagelnetze vermieden werden“. Gegen die finanziellen Folgen mancher Extremwettereignisse könnten außerdem Versicherungen abgeschlossen werden, so Wichern. Verbreitet seien da insbesondere Hagelversicherungen. „Inzwischen werden auch Versicherungen gegen Schäden beispielsweise durch Starkregenereignisse oder Dürre angeboten“, erklärt der Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW. Doch alle diese Maßnahmen bringen auch einen großen Nachteil mit sich.
Sie kosten viel Geld. „Grundsätzlich“, sagt Wichern, „verursachen die Anpassungsmaßnahmen zusätzliche Kosten.“ Die würde jeder Betrieb individuell abwägen. Im Zweifel treiben sie den Endverbraucherpreis in die Höhe – der Klimawandel und dessen Folgen kommt also jedem teuer zu stehen. Nicht nur den Landwirten in NRW.
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