VonMirjam Ratmannschließen
Einst fuhren auf ihr Eisenbahnen, nun kann man dort Radfahren oder spazieren gehen: Die König-Ludwig-Trasse ist ein beliebtes Ausflugsziel im Ruhrgebiet. Und hat nebenbei einen berühmten Namensgeber.
Castrop-Rauxel – Im Ruhrgebiet gibt es zahlreiche beliebte Ausflugsziele. Darunter sind auch Orte, die an die Bergbauvergangenheit der Region erinnern, so wie zum Beispiel die Zeche Zollverein in Essen oder das Bergbaumuseum in Bochum. Auch zwischen Recklinghausen und Castrop-Rauxel gibt es einen Ort, der an diese Vergangenheit erinnert: die König-Ludwig-Trasse.
In der gleichnamigen Zeche König Ludwig wurde bis 1965 Steinkohle abgebaut. Damals transportierten Eisenbahnen Kohle über die König-Ludwig-Trasse zum wichtigen Güterhafen am Rhein-Herne-Kanal. Inzwischen liegt das Steinkohlebergwerk seit Jahrzehnten still, doch auf der König-Ludwig-Trasse ist immer noch Bewegung. Allerdings nicht durch Eisenbahnen, sondern durch Radfahrerinnen und Radfahrer. Denn die einstige Bahnstrecke ist heute ein Ausflugsziel.
König-Ludwig-Trasse hat berühmten Namensgeber
Die König-Ludwig-Trasse, auch „KLT“ abgekürzt, verläuft vom Rhein-Herne-Kanal in Castrop-Rauxel durch Recklinghausen und endet nach knapp neun Kilometern in den Feldern rund um das Naturschutzgebiet Becklemer Busch in Recklinghausen-Suderwich. Das Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop ist von dort aus schnell erreicht und auch der Emscher Weg ist von hier nicht weit entfernt.
| Was? | König-Ludgwig-Trasse (KLT) |
| Wo? | Zwischen Castrop-Rauxel und Recklinghausen |
| Wann eröffnet? | 2008 und 2018 |
| Startpunkt? | Herner Meer / Rhein-Herne-Kanal |
| Wie lang? | 8,7 Kilometer |
Der Namensgeber sowohl für die Zeche als auch für die ehemalige Bahntrasse war König Ludwig II. von Bayern. Dieser war von 1864 bis 1886 König von Bayern. Als Mitglied des Deutschen Bundes führte das Königreich Bayern unter Ludwigs Regentschaft gemeinsam mit dem Kaisertum Österreich den „Deutsch-Deutschen-Krieg“ gegen Preußen, den er 1866 verlor. König Ludwig II. ist außerdem bekannt für seinen Entwurf des Schlosses Neuschwanstein, auf dessen Basis das Schloss ab 1869 erbaut wurde.
König-Ludwig-Trasse erinnert an Bergbaugeschichte
Auf dem Rad- und Spazierweg der König-Ludwig-Trasse erinnert heute jedoch nichts mehr an den prominenten Namensgeber. Vielmehr sind entlang der neun Kilometern immer wieder Relikte des Bergbaus, wie eine alte Lok zu sehen, die auf die Industriekultur im Ruhrgebiet aufmerksam machen.
Seit 2021 beleuchten Hinweistafeln die Diesellok und den Grubenausbau, den Förderwagen mit Seitenkipper, die Seilscheibe, den Schildausbau, die Zeche König Ludwig als Wiege der Ruhrfestspiele, die Fahrdrahtlok mit Förderwagen und die Akkulok mit Förderwagen. Zudem gibt es ein Graffiti zur Bergbauhistorie.
Die König-Ludwig-Trasse verläuft größtenteils über Asphalt. Trotzdem müssen einige wenige Straßen überquert werden. Der Großteil der Strecke kommt jedoch ohne Straßenlärm aus. 2008 wurde der erste Teil der Strecke eröffnet, 2018 der bisher letzte sechs Kilometer lange Teilabschnitt.
Ausbau der König-Ludwig-Trasse stockt
Perspektivisch will der Regionalverband Ruhr (RVR) die König-Ludwig-Trasse aber noch weiter ausbauen: In der Endausbaustufe soll die Trasse dann um etwa sechs Kilometer ergänzt werden und bis zur Halde Ewald am ehemaligen Schacht Blumenthal/Haard in Oer-Erkenschwick führen, heißt es von den Planern. Von dort soll dann bis an die Hügellandschaft die Haard gebaut werden. Das würde es Menschen ermöglichen, direkt von der König-Ludwig-Trasse in das Naherholungsgebiet zu fahren.
Doch der Ausbau, ein gemeinsames Projekt des Energieanbieters Uniper Wärme und des RVR, stockt seit Jahren. 2023 musste die Trasse zeitweise gesperrt werden. Auch im Februar 2024 war die Trasse für zwei Wochen nur eingeschränkt befahrbar, da die Stadt Recklinghausen Pflegearbeiten wie Grünschnitt durchführen musste, um „die Verkehrssicherheit für Nutzende der Fahrradtrasse aufrechtzuerhalten“, wie es von der Stadt hieß. Die Kosten für den Bau der bisherigen Abschnitte der König-Ludwig-Trasse belaufen sich, laut Angaben des RVR, auf über acht Millionen Euro. (mira)


