VonMaximilian Gangschließen
Sie wollten ihr Mitgefühl bekunden, und wurden dafür von Rechten bedroht: Die Heart Biker Germany IG aus Hamm musste eine geplante Gedenkfahrt absagen.
Hamm – Mit Gegenwind hatte Dirk Reimering gerechnet. Dass die Gedenkfahrt seiner Heart Biker Germany IG für die Leitragenden des Terroranschlags in Solingen aber so massiv angefeindet wird, ist selbst für den toughen Motorradfahrer ein Schock. „Wir wollten den Opfern nur zeigen, dass sie nicht alleine sind“, sagt der Gründer der Gruppe, die sich unter anderem ehrenamtlich für kranke Kinder einsetzt. Doch nach der Ankündigung schlug ihnen so viel rechtsextreme Hetze entgegen, dass die Ausfahrt jetzt wegen Sicherheitsbedenken abgesagt werden musste.
Nach Terroranschlag in Solingen: Hamme Biker planen Gedenkfahrt für Opfer
Doch was ist genau passiert? Am Samstag, 7. September, sollte ein Motorrad-Konvoi aus Hamm in das rund 90 Kilometer entfernte Solingen aufbrechen. Reimering und seine Mitstreiter wollten dabei mithilfe eines schwarzen Trauerbandes an den Maschinen ihr Mitgefühl nach dem Anschlag im Herzen von NRW ausdrücken. Ähnliche Aktionen hatte die Gruppe unter anderem bereits nach dem tödlichen Messer-Angriff auf den Polizisten Rouven L. Anfang Juni in Mannheim durchgeführt. Damals sei die Gedenkfahrt gut angenommen worden. Kein Hass. Keine Hetze.
Heart Biker um Dirk Reimering organisieren Gedenkfahrt




„Linkes Arschloch“: Rechtsextreme Hetzer wettern gegen Biker
Dass es dieses Mal anders sein könnte, hatte Reimering im Vorfeld wohl zumindest bereits für möglich gehalten. „Wir möchten, trotz der schrecklichen Tat, dass alles neutral betrachtet und keine Hetze betrieben wird. Wer sich nicht an diese Regel hält, wird von der Teilnahme ausgeschlossen“, machte der Biker bereits in der Ankündigung deutlich. Es sei keine Frage, dass ein solcher Terroranschlag schlimm sei, erklärt der Motorradfahrer dazu. „Aber wir wollten daraus keine Hetzjagd auf Ausländer machen, schon gar nicht auf dem Rücken der Opfer.“
Doch der Aufruf habe zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer auf Facebook nicht davon abgehalten, mit rechtsextremistischen Parolen und Beleidigungen gegen die Biker, ihre Gedenkfahrt und Migranten zu wettern, wie Reimering schildert. „In allen Gruppen, in denen diese Gedenkfahrt gepostet wurde, gab es schnell einschlägige Kommentare.“ Beiträge, in denen er persönlich als „linkes Arschloch“ beschimpft wurde, seien nicht allzu verletzend gewesen. „In einer anderen Sache wurde ich schon als ‚Nazi‘ bezeichnet, es ging bei mir also schon in alle Richtungen.“
„Können Sicherheit nicht garantieren“: Biker müssen Gedenkfahrt absagen
Die Hetzer haben jedoch nicht bei Beleidigungen halt gemacht. „Uns wurde auch gedroht, die Fahrt zu boykottieren“, erzählt Reimering. „Pass auf, dass wir euch nicht entgegenkommen“ und „für euch bremsen wir nicht“ seien nur zwei von unzähligen, bedrohlichen Beiträgen gewesen. Dass die Anfeindungen ein solches Ausmaß annehmen, damit hätte er trotz aller Befürchtungen im Vorfeld nicht gerechnet. „Ich glaube, dass liegt auch daran, dass die gesellschaftliche Stimmung immer weiter in Richtung AfD geht“, vermutet der hauptberufliche Logistikleiter.
Die Anfeindungen zwangen den Organisator schlussendlich dazu, nur wenige Tage nach der Ankündigung die Reißleine zu ziehen und die Veranstaltung abzusagen. „Am Ende konnten wir die Sicherheit der Teilnehmer nicht garantieren.“ Bei den Ausfahrten seien auch immer Biker abseits der Heart Biker Germany IG dabei. Als Veranstalter müsse man da seiner Verantwortung gerecht werden, die Gesundheit der Mitfahrenden stünde immer im Vordergrund. „Wenn Idioten uns dann mit Steinen beschmeißen, das Risiko können wir nicht eingehen.“

