VonEva Burghardtschließen
Vermieter von Schrottimmobilien bereichern sich an der Not zugewanderter Menschen. Dagegen gehen die Städte unterschiedlich vor.
Gelsenkirchen – In der Wohnung ist Schimmel. Stromkabel hängen ungeschützt aus den Wänden. Die Treppe hat kein Geländer. Und trotzdem spielen dort Kinder. Sogenannte „Schrottimmobilien“, in denen sich genau solche Szenen abspielen, gibt es einige im Ruhrgebiet in NRW, etwa in Duisburg oder Gelsenkirchen. Darunter versteht man Häuser, die eigentlich unbewohnbar sind. Oft werden sie trotzdem vermietet. Dabei wird auch die Not anderer Menschen ausgenutzt.
Schrotthäuser im Ruhrgebiet: Vermieter bereichern sich
Duisburg im Februar 2023: Die Behörden räumen mal wieder ein Haus. Es ist bereits das sechste in diesem Jahr. „In dem Haus auf der Brückenstraße in Hochfeld wurden eine Vielzahl von gravierenden Brandschutzmängeln, baurechtlichen Mängeln sowie Mängeln nach dem Wohnraumstärkungsgesetz NRW vorgefunden“, erklärte Pressesprecher Sebastian Hiedels von der Stadt Duisburg damals. Trotzdem lebten dort zum Zeitpunkt der Räumung 24 Menschen. Obwohl das Gebäude in so schlechtem Zustand war, dass für die Menschen dort „Gefahr im Verzug für Leib und Leben“ bestand, so Hiedels.
Wie kann es dazu kommen? Im Ruhrgebiet zeigt sich, wie skrupellose Immobilienbesitzer an der Notsituation anderer verdienen. Oft vermieten die nämlich baufällige und mit Mängeln behaftete Wohnungen zu überteuerten Preisen an Menschen, die aus Südosteuropa ins Ruhrgebiet kommen. Die sehen oft vermeintlich keine andere Möglichkeit, als solche Angebote anzunehmen.
Schrottimmobilien in Gelsenkirchen werden so lange vermietet, bis es nicht mehr geht
Das zeigt sich auch bei den „Schrottimmobilien“ in Gelsenkirchen. Dort werden etwa baufällige Häuser angekauft und solange vermietet, bis die Stadt einschreitet und die Gebäude wegen baulicher Mängel für unbewohnbar erklärt. Wer dahinter steckt? Martin Schulmann, Pressesprecher der Stadt Gelsenkirchen, sagt: „Das sind irgendwelche Gangster.“
Die Masche sei bekannt. Oft nutzten die Vermieter die Notsituation von Zuwanderern aus dem europäischen Ausland wie Rumänien oder Bulgarien aus. Sie sprechen die Sprache nicht, finden sich im Sozialsystem nicht zurecht. „Die Besitzer der Häuser helfen den Bewohnern dann, Sozialtransferleistungen wie etwa Sozialhilfe oder Kindergeld zu beantragen, um das dann von denen wieder als Miete einzusammeln“, sagt Schulmann.
Das geht so lange gut, bis die Gebäude geräumt und für unbewohnbar erklärt werden. Danach verfallen die Häuser immer mehr, weil die Besitzer kein Interesse mehr daran haben. In Gelsenkirchen Ückesdorf stehen einige solcher Schrottimmobilien. Doch die Stadt tut etwas dagegen und saniert an der Bochumer Straße einen ganzen Straßenzug. Wenn es möglich ist, kauft sie verfallene Häuser, saniert sie und lässt dort wieder echten Wohnraum entstehen.
Eigene „Taskforce Problemimmobilien“ zum Schutz von Zugewanderten
In Duisburg geht man das Problem mit solchen Häuser systematisch an. Seit 2014 gibt es dort die „Taskforce Problemimmobilien“, ein Zusammenschluss aus Ordnungsamt, Feuerwehr, Polizei, Stadtwerke, Rechtsamt, Wirtschaftsamt, dem TÜV Nord und der Netze Duisburg, dem Stromanbieter der Stadt. Bei ihren Einsätzen räumt und schließt sie im Zweifel solche Problemimmobilien.
Die „Taskforce Problemimmobilien“ in Duisburg
►Die Task-Force entstand 2014 im Rahmen des damaligen Projektes „Zuwanderung aus Südost-Europa“.
► Sie wurde notwendig, da immer mehr Immobilieneigentümer mit heruntergekommene zu überhöhten Mieten an Zuwanderer aus Südost-Europa vermieten.
►Zum Schutz dieser Zuwanderer vor unzumutbaren Wohnverhältnissen griff die Verwaltung der Stadt Duisburg ein. gemacht.
►Hintergrund für die Bildung der Taskforce ist das Wohnungsaufsichtsgesetz, das 2014 in Kraft trat.
►Damit bekamen die Gemeinden Möglichkeiten, im Interesse des Mieterschutzes und der Wohnraumerhaltung, auf die Beseitigung von Missständen hinzuwirken oder sie in einem Verwaltungsverfahren (Instandsetzungsanordnung, Bußgeld, Ersatzvornahme, Unbewohnbarkeitserklärung) durchzusetzen.
(Quelle:Stadt Duisburg)
Die Taskforce wurde gegründet, weil „immer mehr Immobilieneigentümer Wohnungen teilweise mit erheblichen Mängeln zu überhöhten Mieten an Zugewanderte aus Osteuropa vermieten und sich auf diese Weise auf Kosten der Ärmsten der Armen bereicherten“, heißt es von der Stadt Duisburg. Das Eingreifen sei notwendig geworden, um die Zugewanderten zu schützen.
In Duisburg bleibt es nicht bei der Schließung der Häuser. Einige werden nach der Räumung saniert und wieder zu Wohnraum umgebaut. Bis August 2022 wurden bereits acht Problemimmobilien erfolgreich saniert und wieder freigeben. Weitere befinden sich noch im Umbau. (ebu)
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