Wieder wurde das Soester Dorf Hattrop überflutet. Bei den betroffenen Anwohnern macht sich Resignation und Wut breit.
Soest – Zum dritten Mal in fünf Jahren wurde Hattrop in der Nacht auf Freitag vom Hochwasser heimgesucht. Am Tage waren im Soester Dorf vor allem Verzweiflung, Resignation und Wut zu spüren. Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer stellte sich am Vormittag vor Ort den Fragen und der Kritik der Anwohner. Und er machte ihnen ein Versprechen.
Unwetter in Soest überflutet Hattrop: In der Nacht kommt deutlich mehr Regen, als erwartet
Um etwa 1.30 Uhr in der Nacht auf Freitag zog die dritte Unwetterfront auf und brachte diesmal deutlich mehr Regen als erwartet. Von 30 Litern pro Quadratmeter sei in den Prognosen die Rede gewesen, mehr als 50 kamen tatsächlich, berichtete der Hattroper Feuerwehrmann Thorsten Krabbe, der den Soestbach bereits am Donnerstag in den Fokus genommen und die vielen Präventivmaßnahmen frühzeitig angestoßen hatte.
Neben Sandsack-Stapeln war auch das neue Hochwasserschutzsystem des Kreises Soest vor den unmittelbar bedrohten Wohnhäusern im Bereich „Brückenstraße“, „Auf dem Mersch“ und „Eselsweg“ aufgebaut worden. Dazu hatte sich die Feuerwehr entschieden, weil die Prognosen besagten, dass vor allem das aus Richtung Paradiese abfließende Wasser erst die Straße und dann die Häuser überfluten könnte. „Doch in der Nacht kam es genau umgekehrt“, berichtet Thorsten Krabbe.
Unwetter in Soest überflutet Hattrop: „Über Stunden wurde das Wasser abgepumpt“
Der Soestbach-Pegel stieg unaufhaltsam, das Wasser trat über die Ufer, breitete sich in die Gärten und weiter in die Häuser aus. Soests Feuerwehrsprecher Kai Weets: „Mehrere Bereiche wurden überflutet, viele Keller und Häuser liefen voll Wasser. Über Stunden wurde das Wasser abgepumpt.“
Starkregen überflutet Soest: Hattrop in Flut-Sorge - Rigaring wird zum Fluss
Daniel Lentze ist einer der betroffenen Anwohner, er zog 2010 nach Hattrop, erlebte schon die Hochwasser 2018 und 2021: „Der Soestbach ist in einer Viertelstunde etwa einen bis anderthalb Meter angestiegen, wir hatten erstmals Wasser im Haus, nur fünf Zentimeter mehr und die gesamte Bude wäre vollgelaufen.“
Unwetter in Soest überflutet Hattrop: Toilettenpapier und tote Ratte im Garten
Toilettenpapier und eine tote Ratte im Garten zeugen von dem, was herbeigespült wurde. Das mittlerweile dritte Hochwasser in kurzer Zeit hat zum Teil erst frisch verheilte Narben wieder aufgerissen, renovierte Keller und Erdgeschosse abermals zerstört. „Man sieht auf dem Wetter-Radar, dass etwas mehr Regen kommen könnte und bekommt sofort Angst“, beschreibt Lentze seine Gefühlslage.
Zwei Häuser weiter wohnt Joachim Scharf. Rund 12 000 Euro kostete ihn der Hochwasserschaden von 2021, in Eigenleistung richtete er das Erdgeschoss und den Garten wieder her. Binnen weniger Minuten wurden seine Mühe und das investierte Geld zunichtegemacht – wieder wurden Haus und Garten geflutet.
Unwetter in Soest überflutet Hattrop: „Ich weiß noch gar nicht, was diesmal alles kaputt ist“
„Ich habe mit Sandsäcken versucht, das Wasser aus dem Haus zu halten, das ist nur bedingt gelungen. Diesmal stand es im Haus noch fünf Zentimeter höher als vor zwei Jahren. Ich weiß noch gar nicht, was diesmal alles kaputt ist.“
Im vergangenen Jahr hatte Scharf eine Elementarversicherung abgeschlossen, die aufgrund der Lage des Hauses „unfassbar teuer“ sei. Ob die Versicherung nun den Schaden übernimmt, weiß Scharf noch nicht. „Da muss ich noch telefonieren.“
Unwetter in Soest überflutet Hattrop: „Ich denke darüber nach, wegzuziehen“
Wieder hat die Flut das Erdgeschoss seines Elternhauses verwüstet, Joachim Scharf ist nervlich am Ende. „Soll ich mir sowas jetzt alle zwei, drei Jahre antun? Ich spiele mit einem Gedanken, auf den ich vorher nie gekommen wäre: Ich denke darüber nach, aus Hattrop wegzuziehen.“
Der Gedanke, sein Elternhaus zu verkaufen, sei unter einem Gesichtspunkt besonders schmerzhaft: „Ich werde dafür doch nichts bekommen, jeder kennt die Situation hier doch.“
Unwetter in Soest überflutet Hattrop: Bürgermeister stellt sich den Sorgen und der Kritik
Um kurz nach 10 Uhr fährt Bürgermeister Ruthemeyer am Freitag in Hattrop vor. Kaum ist er ausgestiegen, eilen ihm Anwohner entgegen. Das Stadtoberhaupt stellt sich der Kritik, hört sich die Sorgen der Anwohner an. Sie fühlen sich von Stadt und Kreis alleingelassen, sagen wütend, dass die Behörden schon längst etwas hätten tun müssen.
Daniel Lentze fordert, dass die Fußgängerbrücke erhöht werden müsse, um zu verhindern, dass dort bei steigendem Pegel Unrat hängen bleibt. Mit der Forderung ist er nicht allein. Zudem wird auf ein neues Rückhaltebecken gepocht.
Unwetter in Soest überflutet Hattrop: Bürgermeister und Anwohner treffen Vereinbarung
Andere Anwohner loben die Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW. Ruthemeyer und die aufgebrachten Anwohner reden und diskutieren sachlich. „Ich kann Ihren Ärger verstehen“, versichert der Bürgermeister. Am Ende wird vereinbart, dass jeder auflistet, welche Probleme es gibt. Ortsvorsteher Karl-Heinz Wilms soll die Listen dem Rathaus übergeben. Nach den Sommerferien werde es in der Hattroper Schützenhalle an einem Freitagabend um 18 Uhr ein Gespräch mit allen Beteiligten geben – Stadt, Kreis, Kommunale Betriebe, Anwohner und alle, die zu den Problemen etwas sagen können, sollen zusammenkommen. „Sie können sicher sein, dass das sehr zeitnah passieren wird“, verspricht Ruthemeyer.