VonEva Burghardtschließen
Zwei mächtige Lichtstrahlen formen nachts eine Pyramide auf der Halde Rungenberg. Doch das ist nicht das einzige Besondere an diesem Ort.
Gelsenkirchen – Die Halde Rungenberg in Gelsenkirchen-Nord (NRW) ist etwas Besonderes. Nachts bilden zwei mächtige Lichtstrahlen auf ihrem Hügel eine Pyramide. Und in ihrem Inneren brennt es – ohne, dass von außen etwas davon zu sehen ist.
Halde Rungenberg in Gelsenkirchen brennt im Inneren
Halden gibt es im Ruhrgebiet viele. Oft sind sie ein Überrest aus der Zeit des Steinkohlebergbaus. Dabei wurde nämlich viel Gestein zutage gefördert, das keine oder nur wenig Kohle führte. Dieses Gestein wird auch Berge genannt. Damit das bei den Arbeiten nicht im Weg war, schüttete man das überschüssige Gestein zu Halden auf. Die waren zunächst noch klein und fielen in der Landschaft kaum auf. Doch mit der steigenden Kohleproduktion kam auch immer mehr von diesem Gestein an die Oberfläche. Die Halden wurden größer. Heute prägen sie die Landschaft im Ruhrgebiet und in der Region Aachen.
Die Halde Rungenberg ist eine sogenannte brennende Halde. Das bedeutet, dass die Temperatur in ihrem Inneren erhöht ist und Schwelbrände entstehen können. Grund dafür sind chemische Reaktionen der Kohlereste, die sich in der Halde befinden. Unter Druck reagiert die nämlich mit Sauerstoff und erhitzt sich. Bei der Halde Rheinelbe, ebenfalls in Gelsenkirchen, wurden schon Temperaturen um die 400 Grad gemessen.
| Name | Halde Rungenberg |
|---|---|
| Ort | Gelsenkirchen-Nord |
| Lage | Zwischen Autobahn A2 und Horster Straße |
| Höhe | 115,3 Meter über dem Meersspiegel, 68 Meter über dem Umland |
| Fläche | Circa 56 Hektar |
Gefährlich sind die Brände im Inneren solcher Halden allerdings nicht. Zwar werden durch den Schwelbrand giftige Gase wie das tödliche Kohlenmonoxid freigesetzt, „allerdings dürften die Konzentrationen im Umfeld der Halden wegen der existierenden Luftzirkulation in der Regel unkritisch sein“, schreibt der BUND auf seiner Website. Brennende Halden müssen außerdem ständig auf ihren Schadstoff-Gehalt und die Temperatur kontrolliert werden.
Kunstwerk lässt die Halde Rungenberg bei Nacht erstrahlen
Die Halde Rungenberg leuchtet auch bei Nacht. Grund dafür ist eine Installation der Künstler Herman EsRichter aus Oberhausen und Klaus Noculak aus Berlin. Sie steht oben auf dem höchsten Punkt der Halde. 300 Treppenstufen führen hinauf zu einer Pyramide aus Schutt, die in der Mitte geteilt ist. Auf den beiden gegenüberliegenden Spitzen steht jeweils ein rostiger Scheinwerfer. Im Dunkeln bilden die Strahlen, die die beiden aussenden, das Dach der Pyramide. Vor allem bei Nacht ist die Lichtinstallation schon von Weitem zu sehen – passend dazu trägt sie den Namen „Nachtzeichen“.
Was ist eine Halde?
► Unter Halde versteht man eine meist künstliche Anhäufung oder Aufschüttung von Material oberhalb der umgebenden Geländeoberfläche.
►Künstliche Halden entstehen zum Beispiel im Bergbau und werden je nach Art des Materials Bergehalde oder Abraumhalde genannt.
►Zahlreiche solcher Bergehalden des Steinkohlenbergbaus befinden sich im Aachener Revier, im Ruhrgebiet und im Saarland.
► Auch können sie durch Abfallbeseitigung entstehen und werden Müllhalden genannt.
►Im Ruhrgebiet gibt es einige Halden, die durch Besonderheiten auffallen, darunter die Halde Haniel und die Halde Hoheward.
Die beiden Künstler haben auf der Halde allerdings gleich zwei Kunstwerke installiert. Etwa 300 Meter neben den Nachtzeichen haben sie das sogenannten „Schienen-Plateu“ errichtet. Dabei sind rostige Bahnschienen in einer elliptischen Fläche waagerecht in einem Muster angeordnet. Sie bilden einen Bezug zur ehemals industriellen Nutzung der Zeche und damit auch der Halde, heißt es auf der Website zur Industriekultur im Ruhrgebiet.
Heute ist die Halde, die durch den Abbau in der Zeche Hugo in Gelsenkirchen entstand, ein beliebtes Ausflugsziel. Sie ist größtenteils begrünt und bewaldet und hat einige Spazierwege. Sie liegt etwa 115,3 Meter über dem Meeresspiegel und 68 Meter über dem Umland in der Höhe. Damit gehört sie zu den höchsten Halden im Ruhrgebiet. Von hier haben Besucherinnen und Besucher bei gutem Wetter eine spektakuläre Aussicht, etwa auf die Veltins Arena oder andere Halden der Region. Besonders gut sichtbar sind die höchste Halde Oberscholven mit ihren Windrädern im Norden, die Halde Beckstraße mit dem Tetraeder in Bottrop im Südwesten oder der Landschaftspark Hoheward mit dem markanten Horizontobservatorium im Osten. (ebu)
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