VonEva Burghardtschließen
In ihrem Inneren wird es bis zu 400 Grad heiß: Die Halde Rheinelbe wurde durch den Bergbau aufgeschüttet. Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel in Nordrhein-Westfalen.
Gelsenkirchen – Im Inneren des Hügels wird es bis zu 400 Grad heiß, während obendrauf Ausflügler die Aussicht genießen. Die Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen (NRW) an der Grenze zu Bochum ist über hundert Meter hoch und hat eine besondere Geschichte. Einst diente sie als Bergehalde der Zeche Rheinelbe – dort wurden Gestein und Kohlereste aufgeschüttet. Dadurch entstand ein Brand, der bis heute nicht aufhört.
Brennende Halde in Gelsenkirchen: So ist sie entstanden
Ursprünglich wurde die Halde Rheinelbe vor allem vom gleichnamigen Steinkohlen-Bergwerk in Gelsenkirchen-Ückendorf aufgeschüttet. Doch auch nach dessen Schließung im Jahr 1928 diente sie als Quelle für Baustoffe oder für weitere Aufschüttungen. Das ging so weiter bis ins Jahr 1999. Dann endete ihre Funktion als Halde im Bergbau. In der Zwischenzeit wurden dort Bäume und Sträucher gepflanzt – insgesamt 867.000.
Was ist eine Halde?
► Unter Halde versteht man eine meist künstliche Anhäufung oder Aufschüttung von Material oberhalb der umgebenden Geländeoberfläche.
►Künstliche Halden entstehen zum Beispiel im Bergbau und werden je nach Art des Materials Bergehalde oder Abraumhalde genannt.
►Zahlreiche solcher Bergehalden des Steinkohlenbergbaus befinden sich im Aachener Revier, im Ruhrgebiet und im Saarland.
► Auch können sie durch Abfallbeseitigung entstehen und werden Müllhalden genannt.
►Im Ruhrgebiet gibt es einige Halden, die durch Besonderheiten auffallen, darunter die Halde Haniel, die Halde Hoheward und die Halde Rungenberg.
Doch während die Halde Rheinelbe im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscherpark zwischen 1989 und 1999 als Naherholungsgebiet erschlossen wurde, erhitzte sie sich innerlich bereits. Die Halde Rheinelbe ist nämlich eine brennende Halde. Das bedeutet, dass in ihr chemische Reaktionen stattfinden, die dafür sorgen, dass es zu einem Schwelbrand kommt.
Bei Halden, die durch den Steinkohlebergbau entstanden sind, beträgt der Anteil der Kohlereste bis zu 20 Prozent. Gerät Kohle unter Druck und reagiert dabei mit Sauerstoff, kommt es zu einer Selbstentzündung und die genannten Schwelbrände entstehen. Dabei sind Temperaturen bis zu 500 Grad Celsius möglich. Bei der Halde Rheinelbe wurden immerhin 400 Grad Celsius gemessen. Mehr als hundert Jahre lang kann eine Halde brennen. Sie zu löschen, kann gefährlich sein, da es zu Explosionen und Verpuffungen kommen kann.
Die Halde Rheinelbe: Ausflugsziel und Kunstattraktion
Die Besucherinnen und Besucher der Halde Rheinelbe spüren allerdings nichts von dem Brand, der unter ihnen lodert. Zwar werden durch den Schwelbrand giftige Gase wie das tödliche Kohlenmonoxid freigesetzt, „allerdings dürften die Konzentrationen im Umfeld der Halden wegen der existierenden Luftzirkulation in der Regel unkritisch sein“, schreibt der BUND auf seiner Website. Brennende Halden müssen darüber hinaus ständig auf ihren Schadstoff-Gehalt und die Temperatur kontrolliert werden.
Die Halde Rheinelbe
►Die Halde Rheinelbe ist etwa hundert Meter hoch und eine begeh- und befahrbare Bergehalde in Gelsenkirchen-Ückendorf.
►Die Halde Rheinelbe ist eine brennende Halde: In ihrem Inneren reagieren Kohlereste mit Sauerstoff, wodurch Schwelbrände enstehen.
►Sie liegt in der Nähe der Leithestraße und ist mit dem Auto über die Autbahn A40 zu erreichen.
►Auf dem Zechengelände steht ein Skulpturenwald, der von dem Künstler Herman Prigann gestaltet wurde.
►Vor allem die sogenannte Himmelstreppe oben auf dem spiralförmig zulaufenden Hügel der Halde ist besonders bekannt und schon von Weitem sichtbar.
Die Halde Rheinelbe hat darüber hinaus noch mehr zu bieten als ihr heißes Inneres. Rundherum gibt es einen Skulpturenwald, der von dem Künstler Herman Prigann zu Beginn der 90er Jahre errichtet wurde. Die Kunstwerke bestehen aus alten Mauerstücken, Betonteilen oder Stahlstücken: Abfall-Material des Industriezeitalters.
Mystisches Kunstwerk „Himmelstreppe“ ist aus weiter Ferne sichtbar
Schon von weitem ist etwa seine „Himmelstreppe“ sichtbar, die oben auf dem Hügel, dem sogenannten Tafelberg, der Halde steht. Sie besteht aus alten Betonklötzen und mahnt auf dem Hügel wie ein antiker Tempel an. Das Kunstwerk selbst ist noch einmal zehn Meter hoch und bei guten Wetterverhältnissen schon von der Autobahn A40 sichtbar – eines von vielen kuriosen Sehenswürdigkeiten in Gelsenkirchen.
Rund um den Hügel sind im Laufe der Jahre auch einige Mountainbike- und Downhill-Strecken entstanden. Auf dem Areal der Halde Rheinelbe gibt es außerdem zahlreiche Wanderwege durch das Naherholungsgebiet. Dabei steht die Halde Rheinelbe in Kontrast zu anderen Teilen von Gelsenkirchen-Ückendorf, die etwa wegen ihrer Schrotthäuser und Straßen voller Problemimmobilien bekannt sind. (ebu)
Rubriklistenbild: © Alexander Ludwig/imago


