Hautkrebs-Risiko

„Hohe Wissenslücken“ beim Sonnenschutz – Krankenkasse räumt mit Irrtümern auf

  • schließen

Die UV-Strahlen der Sonne sind ein Risikofaktor für Hautkrebs. Doch Irrtümer über den richtigen Schutz sind weit verbreitet, wie eine Umfrage zeigt.

Köln – Der Sommer steht vor der Tür. Die Temperaturen steigen, und auch die Sonne lässt sich wieder häufiger blicken als noch vor ein paar Monaten. Für viele Menschen hat damit die Hauptsaison für Trips zu den vielen Ausflugszielen in NRW begonnen. Doch so angenehm die Wetterlage vielerorts auch ist, sie birgt auch Gefahren: Ohne wirksamen Schutz gehören die UV-Strahlen der Sonne zu den größten Risikofaktoren für Hautkrebs. Darauf sind viele nicht richtig vorbereitet, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Sonnenschutz und Hautkrebs: Krankenkasse räumt mit Irrtümern auf

Eine Umfrage in NRW zeigt, welche Wissenslücken es teilweise beim Sonnenschutz noch gibt. (Symbolfoto)

„Besorgniserregend“ seien die Ergebnisse einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zum Thema Sonnenschutz, schreibt die AOK NordWest in einer Mitteilung. Die Krankenkasse hatte die repräsentative Befragung unter den Menschen in Westfalen-Lippe in Auftrag gegeben. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (52 Prozent) in der NRW-Region vergisst demnach häufig, sich mit Sonnenschutzmittel vor den gefährlichen UV-Strahlen – und damit vor einem Risikofaktor für Hautkrebs – zu schützen.

Woran liegt das? Es gebe im Nordosten von NRW offenbar noch „hohe Wissenslücken“ beim Sonnenschutz, folgert die AOK. Viele seien weit verbreiteten Irrtümern aufgesessen: Fast jeder Vierte der Befragten (24 Prozent) nahm fälschlicherweise an, dass man im Schatten vor einem Sonnenbrand geschützt ist. Von der Annahme, dass Sonnenschutz die Bräunung der Haut verhindert, war rund jeder Fünfte (21 Prozent) überzeugt. Fast die Hälfte (49 Prozent) konnte zudem mit dem Begriff Lichtschutzfaktor nichts anfangen.

Mehr als 5.000 Hautkrebs-Neuerkrankungen im Jahr 2021 in NRW

Gleichzeitig gab mehr als jeder zweite Befragte (59 Prozent) an, Angst davor zu haben, an Hauptkrebs zu erkranken. Insgesamt erkrankten 2021 mehr als 5.600 Menschen in Nordrhein-Westfalen neu an dem malignen Melanom, der bösartigen Form des Hautkrebses. Das geht aus den aktuellsten Zahlen des Landes-Krebsregisters hervor. Männer und Frauen waren gleichermaßen von der Erkrankung betroffen. Mehr als 600 Menschen verloren 2021 durch Hautkrebs ihr Leben.

Zur Umfrage

Die repräsentative Forsa-Umfrage wurde im Auftrag der AOK NordWest durchgeführt. Dafür wurden 501 zufällig ausgewählte Personen ab 18 Jahren in Westfalen-Lippe online befragt. Die Befragungen wurden im Zeitraum vom 22. März bis zum 4. April 2024 durchgeführt.

Hautkrebs-Screening ist meist heilbar – wenn er früh genug erkannt wird

Gerade beim Hautkrebs ist es äußerst wichtig, Erkrankte frühzeitig als solche zu erkennen, wie Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest, in der Mitteilung erklärt: „Hautkrebs ist fast immer heilbar, wenn er rechtzeitig erkannt wird“. Ein wichtiges Warnsystem ist dabei das Hautkrebs-Screening, welches alle Menschen ab 35 Jahren alle zwei auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen in Anspruch nehmen können.

Zumindest in der Region rund um Bielefeld und Paderborn wurde dieses Angebot zuletzt jedoch nur wenig genutzt: Nur rund jeder Achte (12,8 Prozent) der AOK-Versicherten aus der Region nahm das Angebot 2022 in Anspruch. Und die Zahlen sind rückläufig: 2019 waren es beispielsweise noch rund 15 Prozent. Viele Befragte, die kein Screening gemacht haben, wussten nicht einmal, dass sie das können. 28 Prozent der Befragten hörten im Rahmen der Umfrage erstmalig von der Möglichkeit.

Wie man sich auch als Laie selber auf Hautkrebs untersuchen kann

Doch auch als Laie kann man selbst etwas tun, um mögliche Hautkrebs-Erkrankungen bereits im Frühstadium zu erkennen, wie die Krankenkasse schreibt. Es sei „empfehlenswert, die eigene Haut regelmäßig selbst nach Auffälligkeiten zu checken“. Hautkrebs und seine Vorstufen sind nämlich auch für den Laien sicht- und tastbar. Jeder Vierte gab bei der Umfrage an, dass alle drei bis sechs Monate zu tun. Jeder Fünfte checkt sich einmal im Monat.

Wie erkenne ich Hautkrebs?

Hautkrebs und seine Vorstufen sind auch für Laien sicht- und tastbar. Dabei sollten Muttermale besonders in den Fokus genommen werden. Meist sind sie zwar harmlos, doch unter Umständen kann sich darauf ein bösartiger Hauttumor entwickeln. Die sogenannte ABCDE-Regel kann dabei helfen, einen Leberfleck richtig einzuschätzen. Wenn mindestens eines der Merkmale zutrifft, sollte man den Fleck baldmöglichst einem Hautarzt zeigen:

Asymmetrie: Ein Muttermal ist nicht rund oder oval, sondern ungleichmäßig geformt.

Begrenzung: Der Rand eines Pigmentmals ist unregelmäßig oder unscharf – also zum Beispiel ausgefranst oder „verwaschen“ und daher schlecht abgrenzbar.

Colour (engl. für Farbe): Ein Muttermal hat mehrere Farbtöne.

Durchmesser: Pigmentflecke, deren Durchmesser größer als 3 bis 5 mm ist, gelten als verdächtig. Das Kriterium der Größe allein ist allerdings nicht besonders verlässlich.

Erhabenheit: Das Pigmentmal ragt mehr als einen Millimeter über die Hautoberfläche hinaus. Auch dieses Kriterium ist für sich allein genommen nicht sehr aussagekräftig. Das E der ABCDE-Regel wird mitunter auch als Entwicklung angegeben. Denn besonders auffällig sind Flecken, die sich farblich verändern oder gewachsen sind.

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

Auch der Verzicht auf lange Aufenthalte in der Sonne kann ein effektiver Schutz vor Sonnenbrand und dessen gesundheitliche Folgen sein. Diese Option nutzt jedoch nur rund jeder zweite Befragte (51 Prozent). Besonders am Mittag ist die UV-Strahlung meist am höchsten. Besonders anfällige Personen sollten die Mittagssonne deshalb nach Möglichkeit meiden. Das tun jedoch nur 42 Prozent der Befragten. „In diesen Bereichen sehen wir weiterhin großen Aufklärungsbedarf“, so AOK NordWest-Chef Ackermann. (mg)

Rubriklistenbild: © Zoonar.com/Dasha Petrenko/Imago

Kommentare