VonMarkus Hannekenschließen
Die in Hamm massenhaft zerstörten Bushaltestellen und Autofenster gehen offenbar tatsächlich auf Schüsse aus einer Waffe zurück. Entsprechende Hinweise lagen am Tag danach vor. Zudem zieht sich die Täterspur scheinbar bis in den Nachbarkreis Unna.
Hamm/Bergkamen - Eine Spur der Zerstörung an Bushaltestellen und Autos haben Unbekannte am frühen Dienstagmorgen quer durch Hamm hinterlassen. Sprecher der Polizei bestätigten am Mittwoch die Theorie, dass die Schäden mindestens teilweise durch Schüsse aus einer Druckluftwaffe verursacht wurden. Entsprechende Stahlkügelchen wurden an mehreren Tatorten gefunden.
Nach Angaben der Polizeisprecher Hendrik Heine und Hannah Reineke steckten im Rahmen eines der demolierten Autos am Vorsterhauser Weg zwei kleine Kugeln, wie sie als Munition für Druckluftpistolen oder -gewehre genutzt werden. Ähnliches zeigte sich auch an einem anderen Auto.
Ein Autohändler am Dr.-Loeb-Caldenhof-Weg präsentierte Dellen in einem seiner ausgestellten Neuwagen; sie stehen an der betroffenen Haltestelle „Betriebshof“. An der Lohschule in Rhynern wurde die Frontscheibe eines Pkw zerstört, unmittelbar daneben hinterließ offenbar eine Kugel ein Loch in einer Wohnungsjalousie und dem Fenster dahinter. Vermutlich eine Art „Kollateralschaden“, doch die Bewohner konnten wegen des Geräusches die Uhrzeit auf Mitternacht bestimmen.
Schüsse auf Bushaltestellen in Hamm: Polizei hofft auf Zeugen
Damit begann die Serie tatsächlich fast eine Stunde früher als zunächst angenommen. Längstens dauerte sie Meldungen an die Polizei zufolge bis etwa 5 Uhr. Die Ermittler gehen aber von einem deutlich kürzeren Tatzeitraum aus. Diese Annahme würde es möglich machen, dass der oder die in Hamm wütenden Vandalen auch für vergleichbare Schäden in Bergkamen und Werne verantwortlich sind: Die dortige Polizei geht von einer ersten Tat gegen 1.30 Uhr aus. Für die Theorie eines einzigen Täters oder einer einzelnen Gruppe spricht auch, dass diese in Kenntnis der beschädigten Bushaltestellen sehr wahrscheinlich über den Hammer Westen aus Hamm herausgefahren sind.
Hammer Polizeiermittler fuhren den ganzen Mittwoch über alle Tatorte ab, um Hinweise und Zeugenaussagen zu sammeln. Starke Hinweise auf den oder die Täter oder ein von ihnen genutztes Fahrzeug lagen der Polizei am Mittwoch noch nicht vor. Daher wird weiterhin dringend um Zeugenaussagen gebeten. Die Telefonnummer lautet 02381/916-0, die Mailadresse ist hinweise.hamm@polizei.nrw.de.
Dutzende Bushaltestellen in Hamm zerstört: Das sind einige davon




Schüsse auf Bushaltestellen in Hamm: wohl keine „Challenge“
Auch welche Art Waffe für die Attacken verwendet wurde, ist noch unklar. Sie muss zumindest eine starke Durchschlagskraft haben: Immerhin bestehen die Scheiben der Wartehäuschen aus Einscheibensicherheitsglas (ESG), das einerseits sehr stark ist, andererseits beim Splittern aber keine gefährlichen Schärfen ausweist - zumeist zerspringt es im Rahmen komplett.
Die Zahl der gewaltsam entglasten Buswartehäuschen wurde vom Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Hamm unterdessen von 30 auf 26 korrigiert. Bis zur Reparatur wird es voraussichtlich Wochen oder gar Monate dauern. „Der Schaden muss festgestellt werden, der Bedarf muss definiert werden, dann geht unser Einkauf in die Ausschreibung, und dann muss man jemanden finden, der es macht“, so Stadtwerkesprecherin Cornelia Helm. An mindestens 20 Pkw wurden zudem Scheiben zerstört, die Zahl der Betroffenen könnte durch Nachmeldungen noch steigen.
Dass die Krawallserie auf eine mögliche Social-Media-Challenge zurück geht, wie von einigen WA.de-Lesern vermutet, ist wenig wahrscheinlich. Zwar gab es in der derselben Nacht die oben genannten weiteren Fälle im benachbarten Kreis Unna, doch andere Meldungen aus dem Bundesgebiet liegen für eine solche Theorie zeitlich zu weit auseinander. Auch eine Recherche der Polizei erbrachte keine solchen Anhaltspunkte, so Heine.
Schüsse auf Bushaltestellen in Hamm - diese sind betroffen:
- Bördenweg
- Dohmwirthhof
- Weingarten
- Eulenplatz
- Am Rhynerberg
- Albert-Einstein-Straße
- Berge Denkmal
- Tierpark
- Betriebshof
- Flaßkamp
- Ulanenstraße
- Eichstedtstraße
- Hövelkirche Richtung Bockum
- Hövelkirche Richtung Hbf.
- Schotte
- Beukenbergstraße
- Vorsterhauser Weg
- Eupenstraße
- Langestraße
- Gewerbepark
- Rhynern Mitte
- Dürerstraße
- Sorauer Straße Richtung Bockum
- Sorauer Straße Richtung Hbf.
- Mozartstraße
- Christus-König-Kirche
Schüsse auf Bushaltestellen in Hamm: ähnliche Fälle anderswo
Zu vergleichbaren Vorfällen kommt es auch in anderen Städten seit Jahren tatsächlich immer wieder:
- So wurden im November 2022 in Holzwickede und in Unna „zahlreiche“ Wartehäuschen zerstört.
- 2017 waren es in Frankfurt dutzende Glasscheiben.
- In Aurich traf es erst im März 2023 16 Haltestellen, in der nördlichen Wesermarsch im Februar 2023 „dutzende“, ähnliche Meldungen kamen erst vor wenigen Tagen aus Oldenburg.
- In Dormagen waren es im Januar 2023 9. In Detmold waren es im Oktober 2020 50.
- In Recklinghausen vermuteten die Ermittler nach Attacken auf Wartehäuschen im März 2023 - wie in Hamm - Schüsse aus einem Pkw. Gleiches wurde im Dezember 2022 nach Attacken auf rund 20 Haltestellen im Ennepe-Ruhr-Kreis angenommen.
Diese Meldungen sind nur exemplarisch aus vielen weiteren herausgegriffen. Dass die Täter Trittbrettfahrer sind, könnte schon eher sein.
Rubriklistenbild: © Andreas Rother


