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Alle Leistungen rund um die Familie will die Stadt aus einer Hand bieten. Familienrathaus heißt das bundesweit bisher wohl einmalige Konzept. Am Donnerstag ging es offiziell los.
Hamm – Oberbürgermeister Marc Herter durchschnitt das rote Band vor dem umgebauten Meese-Stift am Caldenhofer Weg. Per Druck auf einen roten Knopf schaltete er die neue Familien-Homepage der Stadt frei.
Stadt Hamm weiht erstes Familienrathaus in NRW ein
In dem Verwaltungsgebäude am Rathaus läuft der Betrieb seit gut zwei Wochen; den letzten Schliff bekam der Altbau allerdings noch in der Mittwochnacht. Herter freute sich über den Einzug der 35 Beschäftigten, deren Arbeitsplätze bisher über das Stadtgebiet verstreut waren. Unter der Leitung von Peter Kiffe sollen sie die zentrale Anlaufstelle für Familien bilden. Grundsätzlich will man sich um die Altersgruppe von 0 bis 18 kümmern, also von der Geburt bis zum Übergang ins Berufsleben.
Zum Familienrathaus gehört unter anderem das Standesamt, das sich bisher im Rathaus befand und mit seinem Aktenbestand für den größten Teil des Umzugs sorgte. Die Elterngeldstelle zog aus dem Herringer Bürgeramt an den Caldenhofer Weg.
Familienrathaus in Hamm: Meese-Stift nur eine Zwischenlösung
Weitere Mitarbeiter sitzen noch in anderen Liegenschaften. Mittel- bis langfristig soll für alle 150 Kräfte, die sich bei der Stadt um Kinder-, Jugend- und Familienthemen kümmern, ein gemeinsamer Standort gefunden werden. Eine zentrale Lage sei die einzige Vorgabe, sagte Herter. Alles Weitere sei in Abstimmung.
Das Meese-Stift ist nur eine Zwischenlösung, aber eine, die sehr gut ausfiel, sagte Herter. Man löse damit ein Versprechen gegenüber den Familien ein. Es seien zwar noch nicht alle Abteilungen im Haus, aber es gebe „für alle Fragestellungen eine Anlaufstelle.“ Das ist vor allem die Service-Theke im Eingangsbereich. Hier sollen eigens geschulte Mitarbeiter ratsuchende Eltern an die richtigen Ansprechpartner vermitteln. Für Kinder gibt einen Spielbereich, den der Familienbeirat mitgestaltet hat.
Internetpotral für Familien
Einen Überblick über die städtischen Leistungen im Familienbereich gibt das Portal familienrathaus.de, das mit der städtischen Homepage verbunden ist. Angebote und Leistungen sind alphabetisch geordnet, das Spektrum soll noch erweitert werden.
Der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Jörg Bogumil von der Ruhr-Universität Bochum hat den Aufbau des Familienrathauses zwei Jahre lang begleitet. So eine Einrichtung gebe es andernorts nicht, sagte der Wissenschaftler. Zwei Jahre seien für eine Verwaltungsumstellung dieser Art übrigens ziemlich schnell.
Familienrathaus in Hamm: Umbau für 600.000 Euro
Sozialdezernentin Dr. Britta Obszerninks sieht im Familienrathaus nicht zuletzt die Möglichkeit, Leistungen besser aufeinander abstimmen zu können. Im praktischen Betrieb werde man jetzt sehen, wo man mit Blick auf ein größeres Familienrathaus nachsteuern müsse.
Für das Meese-Stift ist es bereits die vierte Nutzung. 1878 eröffnete die Rödinghausen-Meese-Stiftung hier ein Heim für bedürftige Familien, das 1944 zerstört wurde. 1951/52 wurde an seiner Stelle ein evangelisches Altenheim nach Plänen des Architekten Horst Oelker gebaut. Als dieses 1990 durch das Amalie-Sieveking-Haus ersetzt wurde, übernahm die Stadt den Bau und nutzte ihn seit 1993 als Verwaltungsgebäude. Für das Familienrathaus wurde das Gebäude über mehrere Monate für gut 600. 000 Euro umgebaut.
