Den Neuwahlen in Deutschland steht nichts mehr im Weg, nachdem Olaf Scholz die Vertrauensfrage verloren hat. Hier erfahren Sie alles, was Sie zur Bundestagswahl 2025 wissen müssen.
NRW - Es ist so gut wie entschieden: Am 23. Februar wird ein neuer Bundestag gewählt. Bundeskanzler Olaf Scholz hat am 16. Dezember die Vertrauensfrage im Bundestag gestellt – und wie geplant verloren. Die Abgeordneten haben dem Kanzler nicht mehrheitlich ihr Vertrauen gegeben. So war es auch beabsichtigt gewesen, denn erst mit der verlorenen Vertrauensfrage ist der Weg für Neuwahlen nach dem Aus der Ampel-Regierung frei. Es dürfte nur noch Formsache sein, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Bundestag auflösen wird. Wir fassen die wichtigsten Infos zur Bundestagswahl 2025 zusammen.
Welche Parteien treten zur Bundestagswahl 2025 an?
Zum ersten Mal ist das neu gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) dabei. Sofern sie es schaffen, die erforderlichen Unterschriften einzusammeln, treten außerdem viele Kleinparteien an. Sie müssen allerdings pro Bundesland bis zu 2.000 Unterstützungsunterschriften sammeln, um zugelassen zu werden. Auch andere Aufgaben wie Werbung und Logistik sind für die kleinen Parteien eine vergleichsweise große Hürde.
Dazu kommen die altbekannten Parteien: SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, AfD und „Die Linke“.
Wer kommt in den Bundestag?
Nach wie vor gilt es, die Fünf-Prozent-Hürde zu überwinden: Parteien, die weniger als fünf Prozent der Zweitstimmen erhalten, bekommen keinen Sitz im Bundestag. Mit der Grundmandatsklausel können Parteien diese Hürde allerdings umgehen. Demnach zieht eine Partei mit weniger als fünf Prozent trotzdem in den Bundestag ein, wenn sie mindestens drei Direktmandate ergattert.
Eigentlich wurde bei der Wahlrechtsreform beschlossen, die Grundmandatsklausel aufzuheben. Da es aber noch keine Alternative gibt und die Bundestagswahl nun so kurz bevorsteht, gilt sie dennoch weiterhin.
Wer darf in NRW und Deutschland wählen?
Wer am Wahltag mindestens 18 Jahre alt ist, die deutsche Staatsangehörigkeit hat und seit mindestens drei Monaten den Wohnsitz in Deutschland hat, darf bei der Bundestagswahl 2025 seine Kreuze auf dem Wahlschein machen. Die Zahl der Wahlberechtigten in Deutschland wird vom Statistischen Bundesamt auf mindestens 59,2 Millionen Menschen geschätzt. Dazu kommen noch Menschen, die gänzlich oder überwiegend im Ausland leben.
Etwa 2,3 Millionen Wahlberechtigte sind potenzielle Erstwählerinnen und Erstwähler. Also die Menschen, die seit der letzten Bundestagswahl volljährig und wahlberechtigt geworden sind. Sie machen rund 3,9 Prozent aus.
Insgesamt sind in NRW schätzungsweise rund 13 Millionen Menschen wahlberechtigt.
Wie viele Kreuze darf ich machen?
Alle Wählenden haben zwei Stimmen. Die Erststimme für den Kandidaten oder die Kandidatin im Wahlkreis, die Zweitstimme für die Landesliste einer Partei.
Wie viele Bundestagssitze wird es geben?
Mit dem neuen Wahlrecht, das seit Juni 2023 gilt, hat sich der Bundestag verkleinert. Zuletzt gab es 736 Sitze. Das war teuer, es mussten neue Stühle aufgestellt werden, und der Abstimmungs- und Arbeitsaufwand war laut einigen Abgeordneten enorm. Die Verkleinerung sieht dauerhaft 630 Abgeordnete vor.
Wie viele Wahlkreise zur Bundestagswahl gibt es in Nordrhein-Westfalen?
In NRW sind es 64 Wahlkreise, in Deutschland gibt es insgesamt 299.
Bis wann muss ich die Briefwahl beantragt haben?
Die Wahlunterlagen sind noch nicht gedruckt, das passiert erst, wenn klar ist, welche Parteien nun sicher zur Bundestagswahl antreten. Die genauen Daten für Beantragung und Einsendefrist stehen noch nicht fest. Doch bei der Bundestagswahl könnten Bürger, die per Briefwahl wählen wollen, allerdings ein Problem haben. Die Fristen könnten sehr knapp bemessen sein, daher muss eine Wählergruppe besonders aufmerksam sein.
Wie werden die Stimmen bei der Bundestagswahl gewichtet?
Zuerst wird auf die Zweitstimme geschaut. Nach dieser bekommt jede Partei die ihr zustehende Sitz-Anzahl im Bundestag. Die Sitze werden dann an die Landeslisten der jeweiligen Parteien verteilt. Wer einen Wahlkreis gewonnen hat (darüber entscheidet die Erststimme), ist sicher im Bundestag. Danach geht es der Reihenfolge der Wahlliste nach.
Allerdings können durch die Wahlrechtsreform nicht alle Direktmandate berücksichtigt werden. Die Wahlkreisbewerber mit den geringsten Stimmenanteilen erhalten keinen Sitz im neuen Bundestag.
Wie kann ich mich bei der Bundestagswahl einbringen?
Die Landeswahlleiterin sucht Wahlhelfende, die für ihre ehrenamtliche Tätigkeit am Tag der Bundestagswahl ein Erfrischungsgeld erhalten. Sie sind zur Durchführung einer Wahl unerlässlich und sorgen unter anderem für die ordnungsgemäße Durchführung der Wahl, sitzen im Wahlraum und haben ein Auge auf den Ablauf, überprüfen die Wahlscheine und zählen Stimmen aus. Sie haben also wichtige Aufgaben. Wer Wahlhelferin oder Wahlhelfer werden will, wendet sich am besten direkt an die Gemeinde des Wohnortes.
Wer ist nicht mehr dabei?
- Hermann Gröhe (Wahlkreis Neuss I, CDU)
- Hubert Hüppe (Unna I, CDU)
- Volkmar Klein (Siegen-Wittgenstein, CDU)
- Hermann-Josef Tebroke (Rheinisch-Bergischer Kreis, CDU)
- Sabine Weiss (Wesel I, CDU)
- Hans-Jürgen Thies (Kreis Soest, CDU)
- Axel Schäfer (Bochum I, SPD)
- Dagmar Andres (Euskirchen - Rhein-Erft-Kreis II, SPD)
- Michael Gerdes (Bottrop - Recklinghausen III, SPD)
- Dietmar Nietan (Düren, SPD)
- Udo Schiefner (Viersen, SPD)
- Michelle Müntefering (Herne - Bochum II, SPD)
- Markus Kurth (Dortmund I, Die Grünen)
- Kai Gehring (Essen III, Die Grünen)
- Maria Klein-Schmeink (Münster, Die Grünen)
- Reinhard Houben (Köln I, FDP)
- Christian Sauter (Lippe I, FDP)
- Manfred Todtenhausen (Wuppertal I, FDP)
- Olaf in der Beek (Bochum I, FDP)
- Matthias Birkwald (Köln II, Die Linke)
Trotzdem wird NRW aufgrund seiner Bevölkerung die meisten Abgeordneten im Deutschen Bundestag – auch nach der Wahlrechtsreform. (Leni Seiferlin)
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