VonMarvin K. Hoffmannschließen
Die Pläne für das große Outlet-Center in Remscheid stoßen nicht überall auf Gegenliebe. Investor Philipp Dommermuth reagiert auf Kritik. Er äußert sich auch zum aktuellen Stand.
Hamm/Remscheid – In Remscheid soll ein riesiges Outlet-Center entstehen. Die Pläne sind gewaltig. In ihrem Zentrum steht ein großes Nachhaltigkeitskonzept. Dagegen regt sich allerdings Kritik. Eine Bürgerinitiative spricht von Green Washing.
Stocken die Outlet-Pläne in Remscheid? Investor reagiert auf Kritik
Das ist dann der Fall, wenn Firmen und Marken zwar Nachhaltigkeit vorgeben, in Wirklichkeit aber der Umwelt doch eher Schaden zufügen. Das Umweltbundesamt definiert es wie folgt: „Allgemein versteht man unter ‚Greenwashing‘ den Versuch von Organisationen, sich insbesondere durch Maßnahmen im Bereich Kommunikation und Marketing ein ‚grünes‘ bzw. ‚nachhaltiges‘ Image zu geben, ohne entsprechende, nachhaltigkeits-orientierte Aktivitäten im operativen Geschäft tatsächlich systematisch umzusetzen.“
Grün ist eben angesagt – das wissen große Unternehmen für sich zu nutzen. Mit diesem Vorwurf sehen sich auch die Verantwortlichen des geplanten Outletcenters in Remscheid konfrontiert. Das Bauvorhaben sei deswegen aber keineswegs ins Stocken geraten.
Wie Philipp Dommermuth, ein Investor aus Montabaur, der dort bereits sehr erfolgreich ein Outlet-Center betreibt, gegenüber wa.de erklärt, stünde derzeit einiges an Arbeit an. „Wir haben die erste öffentliche Beteiligung hinter uns gebracht und bewerten alle Stellungnahmen. Das dauert etwas. Und das ist eine Fleißarbeit, die einfach abgearbeitet wird“, sagt er und ergänzt: „Sommer 2025 soll die Baugenehmigung erteilt werden – hier liegen wir weiterhin im Zeitplan.“ Trotz Kritik gegen das geplante Nachhaltigkeitskonzept.
Bürgerinitiative kritisiert Outlet-Center-Pläne in Remscheid
„Sicherlich ist es positiv, unter anderem klimagerechte Baustoffe einzusetzen. Aber es ist schlicht unmöglich, dass ein Outlet-Center und damit dieses Bauprojekt den Prinzipien der Nachhaltigkeit folgt“, gab nämlich die Bürgerinitiative Lennep e.V. bereits im Mai 2024 öffentlich zu bedenken. Ihre konkreten Kritikpunkte lauten unter anderem:
- Das Geschäftsprinzip des Outlet-Centers fuße „auf künstlich geschaffenem Konsum von überwiegend für Outlet-Center produzierter Ware“.
- Durch jährlich mehrere Millionen Besucherinnen und Besucher würden „der Autoverkehr und damit die Umweltbelastung“ erheblich zunehmen. Auch die Anlieferung der Waren führe zu einer deutlichen Zunahme des Lkw-Verkehrs.
- Für die benötigten Parkplätze der Besucherinnen und Besucher sollen Tiefgaragen gebaut werden, deren Bau enorme Mengen Beton verbrauchen würde und „bereits beim Erdaushub der Baugrube zu einer erheblichen Umweltbelastung“ führe.
Investor reagiert auf Kritik
Dommermuth hält dagegen, dass man diese Kritik „differenziert sehen“ müsse. „Mit dem Outlet streben wir eine DGNB Zertifizierung an und unterstreichen damit unsere Vision, ein nachhaltiges Outlet zu errichten“, erklärt er.
Kurz zum Hintergrund: DGNB steht für Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. Bei der DGNB handele es sich nach eigenen Angaben „um einen unabhängigen Non-Profit-Verein, der im Jahr 2007 gegründet wurde und sich zu Europas größtem Netzwerk für nachhaltiges Bauen entwickelt hat“. Mit einem solchen Zertifikat im Rücken könnte Dommermuth seinen Kritikern also in der Tat reichlich Wind aus den Segeln nehmen. Er argumentiert aber noch weiter.
„Viele Kritiker behaupten, dass die Ware nicht nachhaltig sei“, sagt er. Hier hält er dagegen, dass Produzenten sich bemühen würden, ihre Ware nachhaltig zu produzieren. Ob das letztendlich aber auch wirklich geschieht, werden die Verantwortlichen des geplanten Outlet-Centers in Remscheid (NRW) vermutlich aus der Ferne nur schwer bewerten können. Große Bekleidungskonzerne stehen schließlich schon lange in der Kritik, eingangs erwähntes Green Washing im ganz großen Stil zu betreiben.
Nachhaltige Ware im Outlet-Center?
Dieses Argument wirkt daher etwas blauäugig. Ein anderes aber könnte ziehen. „Die Ware im Outlet ist Ware der vorherigen Saison, B-Ware, etc. Anstatt diese wegzuwerfen, kommt diese Ware ins Outlet. Somit etablieren wir einen Absatzkanal für Ware, die sonst nicht mehr im Umlauf wäre und im Müll landen würde“, meint Dommermuth.
Die Diskussionen rund um das geplante Outletcenter in Remscheid dürften damit trotzdem noch kein Ende finden. Bei einem Projekt dieser Größe wird das aber auch niemanden verwundern.
