Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS)

Straftaten in Hamm auf Zehn-Jahres-Hoch – „Wir sind noch nicht über den Berg, aber ...“

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Zuversichtlich: Polizeipräsident Thomas Kubera und Stefanie Teipel, Leiterin der Direktion Kriminalität, präsentieren die Kriminalstatistik.
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Noch mal mehr Kriminalität. Trotz eines neuerlichen Rekordwerts bleibt die Polizei in Hamm aber optimistisch und sieht Ansätze für eine Trendwende.

Hamm - Die Polizei Hamm hat im Jahr 2024 insgesamt 19.340 Sachverhalte abschließend bearbeitet. Das waren 487 mehr als im Jahr zuvor (+2,58 Prozent) und ein neuer Zehn-Jahres-Höchstwert. Dennoch blickt Polizeipräsident Thomas Kubera einigermaßen zuversichtlich in die Zukunft.

Straftaten in Hamm auf Zehn-Jahres-Hoch – „Wir sind noch nicht über den Berg, aber ...“

Er sprach am Donnerstag, 13. März, bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2024 (PKS) von einem „Trendstopp“, in Teilen gar von einer „Trendwende“. Grund für die positiven Töne: Im zurückliegenden Jahr wurden in Hamm tatsächlich deutlich weniger Straftaten registriert als im Vorjahr (-3,87 Prozent). Nur sind die polizeilichen Ermittlungen noch nicht in allen Fällen abgeschlossen und flossen deshalb nicht komplett in die PKS ein.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS)

Die PKS ist eine sogenannte Ausgangsstatistik. Das bedeutet, dass in ihr nur die der Polizei bekannt gewordenen und durch sie endbearbeiteten Straftaten abgebildet werden. Eine statistische Erfassung erfolgt erst bei der Abgabe an die Staatsanwaltschaft. Somit bildet die PKS nicht exakt das reale Kriminalitätsgeschehen eines Jahres ab.

Zuletzt hatten die Steigerungsraten in Hamm zudem jenseits von 10 Prozent gelegen. Das ist nun offenbar vorbei. „Wir sind noch nicht über den Berg, aber in den nächsten Jahren werden die Zahlen deutlich sinken. Das ist nicht als Hoffnung, sondern ein Stück als Prognose zu verstehen“, so der Polizeipräsident.

Polizeipräsident: „Wir investieren eine Menge“

Einer der Quotentreiber in Hamm ist der Bahnhof. Fast 2300 Straftaten fielen in 2024 allein dort an – häufig waren dies Ladendiebstähle (863). Ohne diese Fälle stünde Hamm schon heute deutlich besser da. „Wir investieren eine Menge und sind weiterhin bereit, alle Register zu ziehen“, kündigte der Polizeipräsident zudem an, dass Bahnhof und Bahnhofsviertel „in den nächsten Wochen“ zur Waffenverbotszone gemacht würden.

Damit seien dann auch dort (wie schon jetzt auf der Meile) anlasslose Personenkontrollen möglich. Kubera wertet dies als „Riesenvorteil“ fürs Verhindern von Straftaten. Schon jetzt sank das Fallaufkommen im Bahnhofsquartier (-22,39 Prozent) und auf der Südstraße (-26 Prozent) aufgrund der Videoüberwachung und der ständigen Kontrollen (Siko) deutlich.

Diebstähle machen die große Masse aus

Nahezu die Hälfte aller im Vorjahr von der Polizei bearbeiteten Fälle waren Diebstähle (44 Prozent/ 8 458 Fälle). Ladendiebe, die von der Polizei erwischt wurden, haben im vergangenen Jahr Beute im Wert von 123 648 Euro gemacht. Bei den Fahrraddiebstählen waren es 901 065 Euro. Hier sanken die Fallzahlen deutlich um 8,44 Prozent, aufgrund der immer höherwertigen Fahrräder stieg aber die Schadenssumme. 1 239 Euro beträgt der 2024er Durchschnittswert pro gestohlenem Fahrrad. Erheblich höher ist der Schaden, der mit Vermögens- und Fälschungsdelikten angerichtet wurde. 6,3 Millionen Euro stehen in der 2024er Statistik, davon gut 3,3 Millionen durch Betrügereien. Straftaten zum Nachteil älterer Menschen (Enkeltrick, falsche Polizisten etc.) halbierten sich auf nunmehr 88 Fälle.

Weniger Gewalttaten

Mord und Totschlag sind in Hamm alles andere als an der Tagesordnung. 2024 gab es ein vollendetes Tötungsdelikt (Kamener Straße, Opfer wurde im Mai 2024 eine 76-jährige Frau; aktuell läuft der Prozess vor dem Landgericht). Bei den Rohheitsdelikten (Körperverletzung, Raub, Bedrohung etc.) gab es einen leichten Rückgang auf 2 760 abgeschlossene Fälle. Dies ist der zweithöchste Wert der letzten zehn Jahre. Straftaten, bei denen Messer eingesetzt werden, sind laut Polizei auf niedrigem Niveau.

Hoher Anteil an nichtdeutschen Tatverdächtigen

Von den 7 130 Tatverdächtigen, die 2024 in Hamm ermittelt wurden, waren 3 153 (44,22 Prozent) nichtdeutsch. Das waren 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Hamm liegt damit über dem Landesdurchschnitt (38 Prozent). Auch NRW-weit sind ausländische Täter statistisch überrepräsentiert. In Hamm liegt der Anteil der Nichtdeutschen an der Gesamtbevölkerung bei 18,53 Prozent.         

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